Hitzewelle, Millionen

Hitzewelle kostet 32 Millionen Euro: Studie warnt vor Langzeitfolgen

07.06.2026 - 00:18:18 | boerse-global.de

Studie belegt drastischen Anstieg von Krankschreibungen an Hitzetagen. Kommunen investieren in Sonnensegel und Wasserschutz.

Hitzewellen in Deutschland: Wirtschaftliche Folgen und Schutzmaßnahmen
Hitzewelle - Eine Hand verstellt Außenjalousien an einem modernen Gebäude während einer Hitzewelle, starke Schattenwurf durch die Sonne. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Zahl der Hitzetage in Deutschland steigt rasant – mit spürbaren Folgen für Unternehmen, Haushalte und die öffentliche Infrastruktur.

Krankmeldungen schießen bei Hitze in die Höhe

Bereits am ersten Tag mit Temperaturen über 30 Grad steigen die Krankschreibungen um 3,5 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die auf Daten von rund 9,7 Millionen AOK-Versicherten basiert.

Besonders dramatisch: Hält die Hitze an, verstärkt sich der Effekt. Am dritten Tag einer Hitzewelle liegt das Plus bei fünf Prozent, nach sieben Tagen sogar bei 10,8 Prozent. Der wirtschaftliche Schaden einer nur dreitägigen Hitzewelle? Rund 32 Millionen Euro.

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Am stärksten betroffen sind Branchen wie Transport und Logistik, die Fertigungsindustrie, die Landwirtschaft und das Bauwesen. Die Forscher beobachten zudem Langzeiteffekte: Noch bis zu vier Jahre nach einer Hitzewelle bleiben die Ausgaben für Arbeitsausfälle erhöht.

Die Zahl der Hitzetage hat sich in Deutschland seit den 1950er-Jahren fast verdreifacht. Das Rekordjahr 2018 verzeichnete 20 Hitzetage, 2025 waren es laut Umweltbundesamt 11,1.

Kühle Räume ohne Klimaanlage – so geht's

Wer kein Klimagerät besitzt, muss nicht schwitzen. Experten der Verbraucherzentralen und des NDR empfehlen klare Maßnahmen. Die wirksamste: Außenbeschattung von Fenstern. Sie verhindert den Wärmeeintrag deutlich effektiver als Innenlösungen. Alternativ helfen Sonnenschutzfolien.

Das Belüftungsmanagement ist entscheidend. Fenster sollten tagsüber geschlossen bleiben – nur in den kühlen Nacht- oder Morgenstunden wird quer gelüftet. Feuchte Laken senken die Raumtemperatur durch Verdunstungskälte. Bei hoher Luftfeuchtigkeit rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu zusätzlichem Stoßlüften.

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Auch der Umgang mit Elektrogeräten zählt: Vollständig abschalten statt Stand-by vermeidet unnötige Wärmequellen. Und wer Teppiche entfernt, nutzt die kühlende Wirkung von Bodenbelägen besser.

Kommunen rüsten sich gegen die Hitze

Viele Städte und Kreise investieren in den Hitzeschutz. Der Wetteraukreis stattete 22 Schulen mit 29 ein- und auskurbelbaren Sonnensegeln aus – Kostenpunkt: rund 440.000 Euro. Die Segel beschatten Schulhöfe und schützen vor UV-Strahlung.

Die Wasserversorgung gerät zunehmend unter Druck. Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein meldete Anfang Juni deutlich niedrigere Füllstände der Talsperren als im langjährigen Durchschnitt. Die Obernautalsperre ist zu 60 Prozent gefüllt, die Breitenbachtalsperre zu 70 Prozent. Grund: Die Niederschlagsmengen lagen 2025 um mehr als 26 Prozent unter dem Mittelwert.

Mehrere hessische Landkreise haben bereits Wasserentnahmeverbote ausgesprochen. Der NABU Hessen fordert verstärkte Bachrenaturierungen. Ein beschatteter Bachabschnitt von 400 Metern Länge kann das Wasser um bis zu zwei Grad abkühlen – das stabilisiert das ökologische Gleichgewicht.

Hitzeaktionstag und Bürgerbefragung

Am 11. Juni findet ein bundesweiter Hitzeaktionstag statt. Der Kreis Groß-Gerau nutzt den Rahmen für Informationsveranstaltungen zu Hitzeaktionsplänen und Schutzmaßnahmen für gefährdete Gruppen. In Gießen läuft zudem bis zum 27. Juni eine Bürgerbefragung zur Krisenvorsorge – in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät Haushalten zur Eigenvorsorge für mindestens drei Tage. Dazu gehören Wasser, Nahrung, Medikamente sowie Notfallgeräte wie Kurbelradios und Powerbanks.

Wer langfristig seine Immobilie energetisch optimieren will, bekommt Hilfe: Die Verbraucherzentrale Hessen bietet ab September regelmäßige Beratungen in der Kreisverwaltung Friedberg an.

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