Hitzeschutz, Tote

Hitzeschutz: 2.500 Tote 2025, über 85-Jährige besonders gefährdet

27.06.2026 - 21:42:27 | boerse-global.de

Deutsche Kliniken melden drastischen Anstieg hitzebedingter Notfälle. Besonders Senioren sind betroffen, während ein Drittel der Krankenhäuser ohne Klimaanlage auskommen muss.

Hitzewelle überlastet Notaufnahmen: Ältere besonders gefährdet
Hitzeschutz - Eine ältere Hand wird von einer jüngeren, behandschuhten Hand in einer Notaufnahme gehalten, die Fürsorge und Verletzlichkeit symbolisiert. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders ältere Menschen sind betroffen – und das System ist schlecht darauf vorbereitet.

Patientenzahlen schießen in die Höhe

In den Sana-Kliniken im Raum Leipzig stieg das Patientenaufkommen um 25 bis 30 Prozent. Neben hitzebedingten Beschwerden sorgten auch Freizeitunfälle für den Anstieg. Das Klinikum St. Georg in Leipzig vermeldete fünf Dehydrierungsfälle in einer einzigen Nacht – normalerweise erreicht man diese Zahl erst in einer ganzen Woche.

Auch in Niedersachsen und Bremen schlagen die Kliniken Alarm. Die Universitätsmedizin Göttingen behandelt täglich drei bis fünf Hitze-Patienten mit Symptomen wie Bewusstseinsverlust, Schwindel und Überhitzung. Die Medizinische Hochschule Hannover registrierte vermehrt Rettungseinsätze wegen Dehydrierung.

Peter Radke, Chefarzt der Schön Klinik Neustadt, rechnet während Hitzeperioden mit einer generellen Zunahme der Notfälle um 10 bis 20 Prozent. Besonders Herz-Kreislauf-Probleme und Rhythmusstörungen stehen im Fokus.

Ältere Menschen besonders gefährdet

Die Statistik spricht eine klare Sprache: 2025 gab es rund 2.500 Hitzetote in Deutschland. Mehr als die Hälfte davon war über 85 Jahre alt. Zum Vergleich: 2018 waren es noch etwa 7.000 hitzebedingte Todesfälle.

Doch die eigentliche Gefahr lauert woanders. Fachleute warnen vor Altersdiskriminierung in der Notfallmedizin. Die Geriaterin Katrin Singler bemängelt, dass es in Notaufnahmen oft an geriatrischer Expertise fehle. Die Folge: folgenschwere Fehleinschätzungen.

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Ein Fall aus Ende Juni 2026 zeigt das Problem deutlich: Bei einer 98-jährigen Patientin wurde ein Schlaganfall zunächst nicht erkannt – wegen ihres hohen Alters. Experten fordern deshalb mehr geriatrisches Fachwissen in der Akutmedizin.

Krankenhäuser ohne Klimaanlagen

Ein Drittel der deutschen Kliniken hat keine Klimaanlage. Die Folgen sind dramatisch. In der Uni-Klinik Düsseldorf maßen Ärzte auf einer nicht klimatisierten Herzstation Temperaturen von über 38 Grad Celsius.

Das Bundesgesundheitsministerium hat zwar einen Muster-Hitzeschutzplan vorgelegt. Die Kühlziele: 26 Grad am Tag, 20 Grad in der Nacht. Doch verbindlich ist das nicht.

Die Intensivmedizinerin Anne Hübner sieht Deutschland beim Hitzeschutz zehn Jahre hinter Frankreich. Patientenschützer fordern daher verbindliche Vorgaben und mehr Investitionen.

Politik in der Kritik

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Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband wirft der Bundesregierung Versagen vor. Die Vorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth kritisiert, dass angekündigte Maßnahmen wie die Vergütung von Hitzeschutzberatungen auch drei Jahre später nicht umgesetzt seien. Die Politik lasse die Praxen bei der Versorgung chronisch Kranker und Senioren im Stich.

Stationäre Pflegeheime reagieren zumindest: Sie integrieren zunehmend Hitzeschutzkonzepte in ihr Risikomanagement – mit engmaschigen Flüssigkeitskontrollen und angepassten Speiseplänen. Doch die ambulante Pflege bleibt eine Baustelle. Ohne permanente Beobachtung werden hitzebedingte Krisen wie Blutdruckschwankungen oder erhöhte Sturzgefahr oft zu spät erkannt. Und die hohen Investitionskosten für bauliche Kühlmaßnahmen bremsen viele Einrichtungen aus.

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