Hitze über 34 Grad: Körper verliert 500–700 ml Flüssigkeit pro Stunde
26.05.2026 - 19:18:27 | boerse-global.deDer Deutsche Wetterdienst maß am Pfingstsonntag 32,1 Grad in Griesheim und 31,7 Grad in Speyer. Zum Wochenstart ging es weiter nach oben: Am Montag wurden gebietsweise bis zu 34 Grad erreicht.
Die extreme Hitze setzt nicht nur dem Ökosystem zu – die Waldbrandgefahr in Thüringen liegt auf Stufe 4. Sie zwingt auch die Menschen zu einem bewussteren Umgang mit der Flüssigkeitszufuhr. Mediziner und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mahnen angesichts steigender Gesundheitsrisiken zu einem wissenschaftlich fundierten Trinkverhalten.
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Was der Körper bei Hitze wirklich braucht
Bei Temperaturen über 30 Grad steigt der Flüssigkeitsbedarf massiv an. Professor Hanns-Christian Gunga von der Charité Berlin erklärt: Bereits im Ruhezustand verliert der Körper bei großer Hitze 500 bis 700 Milliliter Flüssigkeit pro Stunde. Kommt Bewegung hinzu, sind es über einen Liter.
Um eine gefährliche Dehydration zu vermeiden, muss die Zufuhr entsprechend steigen. Die DGE empfiehlt normalerweise 1,5 Liter täglich – bei extremer Hitze reicht das nicht mehr.
Chefarzt Jörg Latus vom RBK Stuttgart unterscheidet nach Belastungsgrad:
- Bei normaler Aktivität: 2,5 bis 3 Liter
- Bei leichter körperlicher Arbeit: 3 bis 4 Liter
- Bei Sport oder schwerer Arbeit: 4 bis 6 Liter
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rät grundsätzlich zu mindestens einem Liter extra. Ein einfacher Indikator für ein Defizit: Wer morgens und abends ein bis zwei Kilo weniger wiegt, hat ein erhebliches Flüssigkeitsdefizit.
Nicht erst bei Durst trinken
Durst ist bereits ein Alarmsignal. Besser ist es, regelmäßig zu trinken, bevor der Körper meldet, dass etwas fehlt. Als zuverlässiger Indikator gilt die Urinfarbe – sie sollte hellgelb sein. Auch ein Hautspannungstest gibt Aufschluss: Bleibt eine hochgezogene Hautfalte am Handrücken kurz stehen, fehlt Flüssigkeit.
Bei der Getränkewahl kommt es auf die Inhaltsstoffe an. Professor Gunga empfiehlt mineralstoffreiche Optionen wie Saftschorlen im Verhältnis eins zu drei oder Wasser mit Elektrolyten. Reines Leitungswasser reicht bei extremem Schwitzen oft nicht aus, um den Elektrolytverlust auszugleichen.
Antje Gahl von der DGE nennt ungesüßte Kräuter- und Früchtetees als gute Alternative. Und ein Mythos hält sich hartnäckig: Kaffee und schwarzer Tee entziehen dem Körper kein Wasser. In moderaten Mengen von drei bis vier Tassen zählen sie zur Flüssigkeitsbilanz.
Vorsicht ist geboten bei Alkohol, stark zuckerhaltigen Limonaden und Energydrinks – sie belasten den Organismus zusätzlich. Auch die Temperatur spielt eine Rolle: Eiskalte Getränke können Magenkrämpfe auslösen. Der Körper muss Energie aufwenden, um sie zu erwärmen, was die Schweißproduktion ankurbelt. Ideal sind 10 bis 15 Grad.
Lebensgefahr bei falschem Umgang
Die gesundheitlichen Folgen unzureichender Hydratation können tödlich sein. Bei anhaltenden Hitzewellen steigt das Risiko für Nierenschäden drastisch – das Blut wird dickflüssiger, die Durchblutung der Organe sinkt.
Chefarzt Latus warnt vor einer spezifischen Gefahr: Patienten, die Blutdrucksenker oder Entwässerungstabletten einnehmen, sollten die Dosierung in Absprache mit dem Arzt anpassen. Bei Hitze droht ein gefährlicher Blutdruckabfall oder exzessiver Flüssigkeitsverlust. Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen sind riskant – sie beeinträchtigen die Nierenfunktion zusätzlich.
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Die Relevanz ausreichender Wasserversorgung zeigte sich am Montag in der Sächsischen Schweiz. Ein betagtes Ehepaar (80 und 85 Jahre) verlor die Orientierung, hatte keine Trinkwasservorräte und geriet in eine lebensgefährliche Lage. Tschechische und deutsche Polizei retteten die beiden, sie kamen ins Krankenhaus.
Auch die Abkühlung in Gewässern birgt Gefahren. Die DLRG warnte nach mehreren tödlichen Badeunfällen am Pfingstwochenende: Erhitzte Körper sollten nicht abrupt in kaltes Wasser springen. In hessischen Gewässern wurden Wassertemperaturen von nur 16 bis 18 Grad gemessen – das kann zu plötzlichem Herz-Kreislauf-Versagen führen.
Was Betriebe und Kommunen tun
Hitze betrifft auch die Arbeitswelt. Um die Konzentration zu halten, empfehlen Experten flexible Arbeitszeiten in den kühleren Morgenstunden und alle 45 Minuten kurze Pausen von etwa zehn Minuten. Leichte Kost in mehreren kleinen Portionen hilft ebenso wie bauliche Maßnahmen: Jalousien schließen, morgens lüften. Schlafräume sollten zwischen 16 und 18 Grad liegen, damit der Körper nachts regenerieren kann.
Kommunen reagieren mit Schutzangeboten. Die Stadt Salzgitter startet heute eine Vortragsreihe zu Erste Hilfe bei Hitze, Hitzeschutz für Wohnungen und Trinkverhalten im Alter. In Wien eröffnet am 1. Juni eine „Coole Zone" im Jugendtreff „Fux 4" – ein klimatisierter Rückzugsort mit kostenlosen Erfrischungen.
Kein Ende in Sicht
Die Prognosen für die letzten Maitage: Es bleibt trocken und sonnig. Im Südwesten sind weiterhin bis zu 34 Grad möglich, der Norden bekommt eine leichte Abkühlung.
Hitzewellen nehmen in Frequenz und Intensität zu. Die individuelle Kompetenz im Hitzeschutz wird zum zentralen Faktor der Gesundheitsvorsorge. Präventive Flüssigkeitsaufnahme, elektrolythaltige Getränke und die Sensibilisierung für medizinische Warnsignale bleiben die wichtigste Strategie. Experten gehen davon aus, dass künftig auch angepasste Medikamentenpläne und betriebliche Pausenregelungen zum Standard gehören müssen.
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