Hitze-Trinkregeln: 2,5 bis 6 Liter täglich je nach Aktivität
28.05.2026 - 13:36:29 | boerse-global.deAngesichts steigender Temperaturen Ende Mai haben Mediziner und Behörden neue Leitlinien zur Flüssigkeitsaufnahme veröffentlicht. Denn falsches Trinkverhalten kann bei Hitze zu Nierenschäden und Kreislaufproblemen führen.
Individuelle Trinkmengen je nach Aktivität
Jörg Latus, Chefarzt für Nephrologie am RBK Stuttgart, räumte in mehreren Interviews mit weit verbreiteten Irrtürmern zur Flüssigkeitsaufnahme auf. Für gesunde Erwachsene empfiehlt er unter normalen Bedingungen 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit täglich. Bei leichter körperlicher Tätigkeit steigt der Bedarf auf 3 bis 4 Liter. Wer Sport treibt oder schwer arbeitet, benötigt sogar 4 gegen 6 Liter, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden.
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Ein einfacher Indikator für ausreichende Flüssigkeitsversorgung ist die Urinfarbe – sie sollte hell bleiben. Die Mediziner raten, vor allem auf die Durstsignale des Körpers zu hören. Wasser und ungesüßte Tees sind die besten Durstlöscher. Auch Kaffee und schwarzer Tee tragen zur Flüssigkeitsbilanz bei. Experten warnen jedoch eindringlich vor Alkohol, Energydrinks und gezuckerten Limonaden.
Gefahren für die Nieren und Risikogruppen
Eine Studie der Universitäten Yonsei und Kwandong belegt: Regelmäßiger Konsum von Softdrinks erhöht das Risiko für chronische Nierenerkrankungen. Der enthaltene Zucker und Fruchtzucker fördern die Bildung von Harnsäure und Nierensteinen.
Die Mediziner warnen zudem vor übermäßigem Konsum von Ibuprofen bei Hitze. Das Schmerzmittel belastet die Nieren zusätzlich. Besondere Vorsicht gilt für ältere Menschen – ihr Durstgefühl lässt oft nach – sowie für Kinder. Patienten mit Blutdruckmedikamenten oder Entwässerungstabletten sollten ihren Arzt konsultieren, um die Dosierung bei extremer Hitze anzupassen.
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Neben der Austrocknung warnt die Ärzteschaft auch vor einer Wasservergiftung. Diese kann auftreten, wenn innerhalb kurzer Zeit extreme Flüssigkeitsmengen aufgenommen werden.
Infrastruktur am Limit: Trinkwasser wird knapp
Die warme Jahreszeit zeigt bereits erste Auswirkungen auf die Versorgungsinfrastruktur. In Nordrhein-Westfalen meldeten die Behörden akute Trinkwasserengpässe in Regionen wie Jülich und Hille-Südhemmern. In Jülich hatte sich der Wasserverbrauch nach einem warmen Wochenende mehr als verdoppelt – verursacht vor allem durch das Befüllen privater Pools und die Gartenbewässerung.
Die technischen Versorger stellten fest, dass die 5.000 Kubikmeter fassenden Reservoirs in Jülich selbst nachts schneller leerliefen, als sie wieder befüllt werden konnten. In Hille-Südhemmern wurde die „Wasserampel" auf Rot gesetzt, nachdem innerhalb von 24 Stunden ein Defizit von 700.000 Litern aufgetreten war. Die Bewohner wurden aufgefordert, Rasensprengen und Poolbefüllung einzustellen, um die Trinkwasserversorgung zu sichern.
Hitzekuppeln und Präventionskampagnen
Über die reine Flüssigkeitsversorgung hinaus haben Katastrophenschutzbehörden neue Initiativen gestartet. Der Kreis Unna begann eine Kampagne mit dem Titel „Sicher sein in unsicheren Zeiten". Sie gibt Hinweise zur Kühlung von Wohnräumen und zur Vermeidung körperlicher Anstrengung in den heißen Nachmittagsstunden.
In Stuttgart bewerten Experten das Risiko von Hitzekuppeln – langanhaltende Perioden, in denen Temperaturen über städtischen Gebieten gefangen bleiben. Daten eines Workshops aus dem Jahr 2025 mit dem Deutschen Wetterdienst und Medizinern deuten darauf hin, dass solche Ereignisse zu Zehntausenden Todesfällen führen könnten – wenn die Innentemperaturen nachts nicht unter 25 Grad Celsius fallen. Solche Bedingungen erhöhen das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte erheblich, besonders für Menschen mit Vorerkrankungen.
Forscher der ETH Zürich prognostizieren, dass die globalen Temperaturanstiege Städte auf bis zu 43 Grad Celsius aufheizen könnten. Stadtplaner setzen zunehmend auf das „Schwammstadt"-Konzept mit entsiegelten Flächen und begrünten Fassaden, um die nächtliche Abkühlung zu verbessern.
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