Hitze, Arbeitsplatz

Hitze am Arbeitsplatz: Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber handeln

25.06.2026 - 18:30:32 | boerse-global.de

Allianz Trade-Studie beziffert wirtschaftliche Schäden durch Hitzeperioden. Arbeitgeber müssen ab 30 Grad handeln, um Haftungsrisiken zu vermeiden.

Sommerhitze: Milliardenverluste durch Hitzestress am Arbeitsplatz
Hitze - Ein stilisiertes Thermometer mit steigender Quecksilbersäule, das einen langen Schatten auf einen Bauplan eines modernen Bürogebäudes wirft. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine Untersuchung von Allianz Trade zeigt: Hitzeperioden verursachen durch Leistungsabfälle und Kühlkosten Verluste in Milliardenhöhe. Die WHO geht sogar von rund 500.000 hitzebedingten Todesfällen jährlich aus.

Ab wann wird es am Arbeitsplatz kritisch?

Die deutschen Arbeitsstättenregeln setzen klare Grenzen. Bis 26 Grad Raumtemperatur ist alles im grünen Bereich. Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber aktiv werden und Maßnahmen zur Belastungsminderung ergreifen. Überschreitet die Temperatur 35 Grad, gelten Arbeitsplätze ohne spezielle Schutzvorkehrungen als ungeeignet.

Große Unternehmen haben bereits reagiert. Der Flughafenbetreiber Fraport stattet rund 6.000 Beschäftigte mit UV-Schutzkleidung aus, stellt Getränkewagen bereit und setzt auf rotierende Arbeitseinsätze. Volkswagen verteilt im Werk Baunatal Elektrolysepulver, ermöglicht Gleitzeit und zusätzliche Duschpausen. Die DHL empfiehlt ihren Zustellern Kopfbedeckungen und stellt Sonnenschutzmittel.

Der Europäische Gewerkschaftsbund fordert jetzt verbindliche Standards – nach Vorbild der Abkühlpausen im Profisport. Österreich ist bereits weiter: Dort können die etwa 400.000 im Freien arbeitenden Menschen ab 32,5 Grad Außentemperatur die Arbeit unterbrechen und erhalten 60 Prozent ihres Lohns. Seit 2026 gilt zudem eine Hitzeverordnung, die Arbeitgeber zur systematischen Gefahrenbeurteilung verpflichtet.

Warum Rollläden die beste Klimaanlage sind

Der beste Schutz vor Überhitzung beginnt am Gebäude. Ohne Verschattung steigt die Innentemperatur bei 30 Grad Außentemperatur auf bis zu 40 Grad. Außenliegende Systeme wie Rollläden oder Raffstoren reduzieren die Aufheizung um etwa zehn Grad. Trotzdem gelten rund 60 Prozent der 19,5 Millionen Wohngebäude in Deutschland als unzureichend geschützt.

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Der Staat hilft beim Nachrüsten: Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) übernimmt bis zu 20 Prozent der Kosten. Die Verbraucherzentrale rät, Rollläden tagsüber nicht komplett zu schließen – sonst droht ein Hitzestau zwischen Fenster und Sonnenschutz. Besser: Lüftungsschlitze offen lassen und nachts konsequent querlüften.

Und wer in einer überhitzten Wohnung lebt? Gerichte bewerten extreme Hitze zunehmend als Mietmangel. Der Deutsche Mieterbund Nordrhein-Westfalen berichtet von Einzelfallentscheidungen, bei denen Minderungen von bis zu 20 Prozent zugesprochen wurden – wenn die Raumtemperatur tagsüber dauerhaft über 30 Grad lag.

Klimaanlagen boomen – aber sie haben einen Haken

Die Zahl der Klimaanlagen in deutschen Haushalten steigt rasant. 2024 besaßen 19 Prozent der Haushalte eine Anlage – ein Plus von sechs Prozentpunkten. Hochwertige Split-Geräte kosten pro Raum zwischen 2.000 und 4.500 Euro. Doch Experten warnen: Bauliche Maßnahmen wie Dämmung und Verschattung sollten Vorrang haben. Klimaanlagen heizen die Außentemperatur in dicht besiedelten Gebieten weiter auf.

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Im öffentlichen Nahverkehr zeigen sich die Unterschiede deutlich. Die Berliner Verkehrsbetriebe verzichten aus Platzmangel und hohen Energiekosten auf Klimaanlagen in U-Bahnen. In Stuttgart kühlen die Verkehrsbetriebe die Innenräume auf vier bis fünf Grad unter die Außentemperatur. Mediziner raten zu maximal sechs Grad Differenz – sonst drohen Kreislaufprobleme beim Aussteigen.

Städte setzen zunehmend auf kreative Lösungen. In Köln erprobt man vertikale weiße Tücher zur Verschattung von Einkaufsstraßen. Laut Messungen der Universität kühlt das die Umgebung um bis zu fünf Grad. Wien kombiniert Fassadenbegrünung mit Fernkältenetzen und schafft sogenannte coole Zonen im öffentlichen Raum.

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