Hitze, Todesfälle

Hitze 2026: 800 Todesfälle in wenigen Wochen – Älteste am stärksten betroffen

03.07.2026 - 13:42:27 | boerse-global.de

Die aktuelle Hitzewelle fordert bereits über 800 Todesopfer. Jeder einzelne Hitzetag verursacht zudem volkswirtschaftliche Schäden von mindestens 430 Millionen Euro.

Hitzewelle 2026: Über 800 Todesfälle und Milliardenkosten
Hitze - Ein Thermometer zeigt extreme Hitze an, im unscharfen Hintergrund sind medizinische Einrichtungen oder ältere Menschen zu sehen. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Robert Koch-Institut (RKI) zählt bis zum 21. Juni 2026 über 800 hitzebedingte Todesfälle. Besonders hart trifft es die Ältesten: Rund 500 Verstorbene waren über 85 Jahre alt, weitere 190 zwischen 75 und 84.

Zum Vergleich: In den Jahren 2004 bis 2024 mussten jährlich durchschnittlich 1.400 Menschen wegen Hitze oder starker Sonneneinstrahlung ins Krankenhaus. Die aktuellen Zahlen liegen also deutlich über dem Normalniveau.

Jeder Hitzetag kostet 430 Millionen Euro

Die gesundheitliche Belastung hat handfeste wirtschaftliche Folgen. Ein einziger Hitzetag kostet die Volkswirtschaft mindestens 430 Millionen Euro, zeigen Modellrechnungen. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) belegt zudem: An einzelnen Hitzetagen steigen die Krankheitsfälle um etwa 3,5 Prozent. Nach einer siebentägigen Hitzeperiode sind es sogar 10,8 Prozent.

Für Unternehmen wird das teuer. Schon bei einer dreitägigen Hitzewelle entstehen Lohnfortzahlungskosten von geschätzt 32 Millionen Euro.

Gefahr für Herzpatienten und Diabetiker

Chronisch Kranke müssen besonders aufpassen. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt die Übersterblichkeit bereits an den ersten Hitzetagen um 8,5 Prozent. Dauert die Welle elf bis zwölf Tage, sind es bis zu 18 Prozent, so Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Auch Diabetiker sind gefährdet. Im Kreis Gütersloh etwa sind rund 29.300 Menschen mit Typ-2-Diabetes betroffen. Hitze begünstigt Blutzuckerschwankungen und Über- oder Unterzuckerungen. Nervenschäden oder Adipositas erschweren die körpereigene Anpassung zusätzlich.

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Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) warnt zudem vor veränderten Medikamentenwirkungen. Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer, Sartane oder Diuretika können bei Hitze stärker wirken – mit Schwindel und Blutdruckabfall als Folge. Medikamente sollten kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert werden. Im Auto können Temperaturen bis 70 Grad Celsius die Stabilität gefährden.

Trinken, lüften, Vagusnerv aktivieren

Die Empfehlungen der Fachleute sind klar: 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag, mindestens zwei Liter alkoholfreie Getränke. Kommunale Hitzeaktionspläne, wie in Münster mit Hitzewarner-Aufklebern, raten zu Aktivitäten in den kühleren Morgen- oder Abendstunden und zum nächtlichen Lüften.

Hitze belastet aber nicht nur den Körper. Die Beeinträchtigung des präfrontalen Kortex kann Impulskontrolle senken und Aggression steigern – begünstigt durch hormonelle Veränderungen. Zur Regulierung empfehlen Experten die Aktivierung des Vagusnervs durch kaltes Wasser oder weniger Reizüberflutung.

Sommergrippe und Tigermücke

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Trotz Hitze bleibt das Risiko für Atemwegserkrankungen bestehen. Das RKI verzeichnete in der 25. Kalenderwoche (15. bis 21. Juni) rund 2,9 Millionen akute Fälle. Die sogenannte Sommergrippe ist meist ein grippaler Infekt durch Rhinoviren, übertragen per Tröpfchen- oder Schmierinfektion.

Feuchtwarmes Wetter begünstigt zudem Stechmücken. Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) beobachtet die Ansiedlung der Asiatischen Tigermücke, die Viren wie Dengue oder West-Nil übertragen kann. Die West-Nil-Fallzahlen in Deutschland schwankten zuletzt zwischen 16 (2023) und 49 (2024). Für 2025 sind bisher 14 Fälle dokumentiert. Höhere Temperaturen beschleunigen die Vermehrung der Viren in den Insekten.

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