Hirnverletzung: Pupillentest sagt Bewusstsein in 7 Tagen voraus
29.06.2026 - 00:39:24 | boerse-global.de
Forscher aus Kopenhagen präsentieren auf dem EAN-Kongress in Genf eine Methode, die binnen Sekunden vorhersagen soll, ob Patienten ihr Bewusstsein wiedererlangen.
Späte Reaktion als Schlüsselindikator
Im Fokus steht die sogenannte späte Licht-aus-Reaktion (Late Light-Off Response, LOR) der Pupille. Das Team vom Rigshospitalet und der Technischen Universität Dänemark untersuchte 250 Patienten mit akuten Hirnverletzungen sowie 30 gesunde Probanden.
Das Verfahren misst die Pupillenreaktion für 13 Sekunden pro Auge. Die Latenzzeit dieser späten Reaktion erweist sich als zuverlässiger Indikator: Sie sagt vorher, ob sich der Bewusstseinszustand innerhalb der nächsten sieben Tage verbessert.
Laut Studienleiter Dr. Poul Laigaard und Professor Daniel Kondziella funktioniert der Test unabhängig vom Verletzungstyp, dem Ausgangszustand oder dem Einsatz von Beruhigungsmitteln.
Klarer Vorteil gegenüber Standardverfahren
Bisher setzen Intensivstationen auf automatisierte Pupillometer. Sie messen den Neurological Pupil Index (NPi) oder den Pupillenlichtreflex (PLR). Doch genau hier liegt das Problem: Diese Standardparameter erwiesen sich für die Prognose als unbrauchbar.
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Der LOR-Test schließt eine diagnostische Lücke. Besonders praktisch: Die Methode funktioniert mit handelsüblichen Pupillometern, die auf vielen Intensivstationen bereits vorhanden sind.
Unterschiedliche Treffsicherheit
Die Ergebnisse variieren je nach Patientengruppe. Den stärksten Vorhersagewert zeigte der Test bei Patienten ohne Sedativa. Besonders aussagekräftig war er bei Personen mit Sauerstoffmangel-Schäden (anoxisch-ischämische Hirnverletzung).
Die Forscher warnen jedoch vor voreiligem Optimismus. Weitere Studien sind nötig, um die Methode für den klinischen Alltag abzusichern. Ziel ist es, Ärzten und Angehörigen eine fundiertere Entscheidungsgrundlage zu geben.
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Teil eines größeren Trends
Der Test reiht sich in aktuelle Fortschritte der Neurologie ein. Während fokussierter Ultraschall gegen essentiellen Tremor oder neue MS-Wirkstoffe wie Fenebrutinib ebenfalls vielversprechend sind, bleibt die akute Bewusstseinsdiagnostik ein Feld mit hohem Bedarf an schnellen, nicht-invasiven Verfahren. Der Trend zur kontinuierlichen Datenerfassung – etwa durch Wearables – unterstreicht die Richtung.
