Hirntumor-Diagnose: KI klassifiziert 102 Subtypen in 12 Minuten
12.06.2026 - 08:16:33 | boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), veröffentlicht im Juni 2026 in „npj digital medicine“.
An der Untersuchung in Deutschland und den USA nahmen 202 Personen zwischen 52 und 85 Jahren teil. 50 von ihnen hatten bereits eine leichte kognitive Beeinträchtigung. Über sieben bis zwölf Monate nutzten die Probanden alle zwei Wochen die neotiv-App. Die vier integrierten Aufgaben identifizierten subtile Veränderungen der Gedächtnisfunktion besser als jährliche Kliniktests. Nach 30 Wochen lag die aktive Nutzungsquote bei 73 Prozent.
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Jonglieren als Gehirntraining
Neben digitaler Diagnostik gewinnen aktive Trainingsmethoden an Bedeutung. Ein im Juni vorgestelltes Online-Programm setzt auf Jonglieren als Gehirntraining. Der Trainer Stephan Ehlers entwickelte ein Konzept mit 24 Lektionen, das motorische Übungen mit Erkenntnissen zur Neuroplastizität verbindet. Ziel ist es, durch komplexe Bewegungsabläufe Koordination, Konzentration und Beweglichkeit zu steigern.
Experten sehen darin eine Möglichkeit, die Vernetzung im Gehirn durch neue Reize zu stimulieren.
Kreatin-Hype gestoppt
Die EU-Kommission lehnte am 26. Mai 2026 einen Health Claim für Kreatin ab. Die Alzchem Trostberg GmbH wollte das Supplement mit Verbesserung kognitiver Funktionen bewerben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wertete 21 Humanstudien aus – das Ergebnis: kein konsistenter Nachweis für eine Steigerung von Gedächtnis oder Aufmerksamkeit.
Parallel dazu liefert die Forschung neue Hinweise zum Zusammenhang zwischen Mikronährstoffen und Gehirnstruktur. Eine in „PLOS ONE“ veröffentlichte Studie mit über 2.000 Teilnehmern über 64 Jahren untersuchte den Vitamin-C-Spiegel im Blutplasma. Niedrige Werte korrelieren demnach mit geringerer grauer Substanz und schwächerer Vernetzung im Default Mode Network.
Da wissenschaftliche Studien die Wirkung vieler Supplements kritisch hinterfragen, ist eine fundierte Prävention umso wichtiger. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Guide, welche Methoden Ihre Konzentration wirklich nachhaltig stärken und was Sie bei der Ernährung zur Demenzvorbeugung beachten sollten. Gratis-Ratgeber für ein leistungsstarkes Gedächtnis sichern
KI diagnostiziert Hirntumoren in Minuten
Technologische Durchbrüche zeigt auch die Akutdiagnostik. Das KI-System „Hetairos“ des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Universität Heidelberg klassifiziert Hirntumoren innerhalb von 12 Minuten aus Routine-Gewebeschnitten. Standardverfahren benötigen dafür etwa 12 Tage. Das System wurde mit Daten von fast 10.000 Patienten trainiert und unterscheidet 102 molekulare Subtypen mit einer Genauigkeit von bis zu 88 Prozent.
Der Taktgeber im Gehirn
Die Universität Genf lieferte neue Erkenntnisse zur grundlegenden Funktionsweise des Gehirns. Forscher analysierten den Kommunikationsrhythmus verschiedener Tierarten und stellten fest: Er liegt universell bei etwa 2,8 Hertz – unabhängig von Körpergewicht oder Lebensraum. Die Ursache vermuten die Wissenschaftler in den sogenannten Delta-Oszillationen, die als biologische Taktgeber fungieren.
Eine Studie der University of Wisconsin-Madison zeigt zudem, wie früh neurodegenerative Prozesse beginnen können. Bei Trisomie 21 setzen Stoffwechselstörungen und Neuroinflammation bereits in den ersten Lebensmonaten ein. Diese Erkenntnisse könnten die Basis für präventive Therapieansätze bilden, die entzündliche Prozesse im Gehirn frühzeitig bremsen.
