Hirnimplantat, ALS-Patient

Hirnimplantat: ALS-Patient spricht wieder mit 99% Genauigkeit

20.06.2026 - 15:03:50 | boerse-global.de

Neue Studien belegen: Hirnimplantate ermöglichen ALS-Patienten flüssige Kommunikation und KI-gesteuerte Schrittmacher verbessern die Parkinson-Therapie.

Hirn-Computer-Schnittstellen: Neue Meilensteine für ALS- und Parkinson-Patienten
Hirnimplantat - Nahaufnahme eines fortschrittlichen Gehirn-Computer-Schnittstellen-Implantats, das neurologische Signale verarbeitet, um die Sprachwiederherstellung zu ermöglichen. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Studien und klinische Tests zeigen: Patienten mit schweren neurologischen Einschränkungen können damit wieder kommunizieren, arbeiten und ihren Alltag selbstständig bewältigen.

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19 Monate, 2 Millionen Wörter

Ein ALS-Patient hat mit einem Hirnimplantat fast seine gesamte Sprachfähigkeit zurückerlangt. Das berichtet ein Team um Nicholas Card von der University of California, Davis, im Juni 2026 im Fachjournal Nature Medicine. Dem Patienten wurde im Juli 2023 ein System mit 256 Elektroden eingesetzt.

Die Bilanz nach 19 Monaten ist beeindruckend: Über 3.800 Nutzungsstunden, mehr als 183.000 generierte Sätze – das entspricht rund zwei Millionen Wörtern. Mit 56 Wörtern pro Minute und einer Genauigkeit von bis zu 99 Prozent erreicht das System Laborwerte. Der Wortschatz umfasst rund 125.000 Wörter. Der Patient konnte in Vollzeit arbeiten und Computer eigenständig bedienen.

Neuralink-Konkurrent startet klinische Studie

Auch die Industrie treibt die Entwicklung voran. Anfang Juni 2026 erhielt eine Patientin mit Motoneuronerkrankung das „Connexus“-Implantat von Paradromics. Der Eingriff an der University of Michigan war Teil einer von der FDA genehmigten klinischen Studie.

Das Gerät übersetzt Sprach-Hirnsignale direkt in Text und synthetische Sprache. Die Patientin konnte das Krankenhaus bereits verlassen und testet das System nun zu Hause. Der Trend geht zu minimalinvasiven Lösungen, die über reine Laboranwendungen hinausgehen.

KI-gesteuerter Hirnschrittmacher gegen Parkinson

Forscher der EPFL und des CHUV Lausanne stellten im Juni 2026 in Nature Medicine einen adaptiven Hirnschrittmacher vor. Anders als herkömmliche Tiefe Hirnstimulation passt das KI-gesteuerte System die elektrischen Impulse in Echtzeit an die Bewegungsphase des Patienten an.

Die KI erkennt anhand von Gehirnsignalen, ob der Patient sitzt, steht oder geht. In einer Studie mit 35 Teilnehmern verbesserte sich die Mobilität deutlich. Fachleute sehen darin einen wichtigen Schritt zur personalisierten Therapie – auch wenn großangelegte Tests für eine Marktzulassung noch ausstehen.

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Netzhaut-Scanner erkennt Alzheimer frühzeitig

Neben Implantaten entwickeln Forscher neue Diagnoseverfahren. Das EU-Projekt MOON, an dem auch die Medizinische Universität Wien beteiligt ist, präsentierte einen Augenscanner. Er kombiniert Tomografie und Spektroskopie, um die Netzhaut auf frühe Anzeichen von Alzheimer oder Parkinson zu untersuchen.

Datenschutz für Hirndaten

Das Fraunhofer IDMT arbeitet im Projekt NEMO an KI-Algorithmen, die EEG-Daten anonymisieren. Ziel ist es, sogenannte „Brainprints“ unkenntlich zu machen, damit Forscher Daten etwa zur Schlafphasenanalyse austauschen können – ohne die Privatsphäre der Probanden zu gefährden.

Das Paul Scherrer Institut wiederum entwickelt mit „VISTACT“ eine Methode zur zerstörungsfreien 3D-Analyse von Gewebe. Mikro-CT und KI-gestützte virtuelle Färbung könnten künftig histologische Untersuchungen ermöglichen, ohne Proben physisch schneiden zu müssen. Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen, verspricht aber präzisere Diagnosen, etwa bei Lungenhochdruck.

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