Hirnimplantat: ALS-Patient kommuniziert 19 Monate zuverlässig
22.06.2026 - 02:18:53 | boerse-global.de
Der ALS-Patient verlor seine Stimme durch die fortschreitende Nervenerkrankung. Im Jahr 2023 erhielt er im Rahmen der BrainGate2-Studie der UC Davis ein BCI-Implantat. Die Ergebnisse einer in Nature Medicine veröffentlichten Studie belegen: Das System funktioniert über 19 Monate hinweg zuverlässig.
256 Elektroden, 183.000 Sätze
Das Implantat nutzt vier Arrays mit insgesamt 256 Elektroden im Sprachmotorcortex. Über mehr als 3.800 Stunden – größtenteils zu Hause – kommunizierte Harrell über 183.000 Sätze. Das entspricht fast zwei Millionen Wörtern.
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Die durchschnittliche Geschwindigkeit: 56 Wörter pro Minute. Bei einem Wortschatz von 125.000 Wörtern lag die Erkennungsgenauigkeit bei 99 Prozent. Rund 92 Prozent der Sätze wurden fehlerfrei übertragen. Das Team arbeitet jetzt an drahtlosen Systemen für mehr Mobilität.
KI erkennt ALS-Verlaufsmuster
Auch bei der Diagnose macht die Forschung Fortschritte. Wissenschaftler der Universität Nagoya entwickelten mit DiSPAH ein Framework, das sechs verschiedene Progressionsmuster bei ALS identifiziert.
Trainiert wurde das Modell mit Daten von 264 Patienten der AnswerALS-Initiative. Validiert wurde es an einem Datensatz von 2.565 Patienten. Die Analyse zeigt: Progressionsgeschwindigkeit und spezifische Muster verlaufen weitgehend unabhängig voneinander. Ein Zusammenhang zwischen der C9orf72-Genmutation und schnellerer Verschlechterung wurde ebenfalls gefunden. Das könnte klinische Studien gezielter machen.
KI erobert die Medizin
Über ALS hinaus hält künstliche Intelligenz Einzug in die klinische Praxis. In Sachsen fördert der mit 210.000 Euro dotierte Jung-Karriere-Förderpreis KI in der Krebschirurgie. Fiona Kolbinger erhielt ihn 2026. Das Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit in Dresden etablierte bereits 2022 spezialisierte Professuren.
Auch bei der Neuromodulation gibt es Meilensteine:
PTBS: Die FDA ließ am 26. Mai 2026 mit Modius Spero das weltweit erste Wearable zur Vagusnervstimulation zu. Bei zwei Dritteln von 383 Teilnehmern zeigte sich eine klinisch bedeutsame Besserung.
Parkinson: Forschende der EPFL und des Universitätsspitals Lausanne entwickelten einen KI-gestützten Hirnschrittmacher. Das System passt Impulse in Echtzeit an Bewegungsphasen an. Die Schrittlänge wurde gleichmäßiger.
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Ophthalmologie: An der Université de Sherbrooke forscht man an intelligenten Netzhautimplantaten der zweiten Generation. 288 Elektroden und künstliche Neuronen ahmen die Netzhaut präziser nach. Das Langzeitziel: 10.000 Elektroden.
KI-Systeme wie GPT-5.5 Instant oder Mira zeigen zudem wachsende diagnostische Kompetenz. In Tests lagen sie teilweise über medizinischem Fachpersonal. In Zusammenarbeit mit der Mayo Clinic senkte KI-gestützte OP-Planung die Fehlerquote bei komplexen Eingriffen deutlich.
