Hirnforschung: ALS-Patient kommuniziert mit Implantat über 1,9 Mio. Wörter
23.06.2026 - 15:39:15 | boerse-global.de
Staatliche Institutionen und private Investoren pumpen im Juni 2026 massiv Kapital in die Erforschung neurologischer Erkrankungen. Besonders gefragt: interdisziplinäre Schmerzforschung, Präzisionstherapie und Gehirn-Computer-Schnittstellen.
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ERC Advanced Grants: Millionen für Spitzenforschung
Der Europäische Forschungsrat hat seine Advanced Grants vergeben – und zahlreiche Projekte an deutschen und Schweizer Unis profitieren davon. Die Förderung richtet sich an etablierte Forscher mit bahnbrechenden Ideen.
An der LMU München kassierten drei Wissenschaftler jeweils bis zu 2,5 Millionen Euro. Prof. Martin Kerschensteiner erforscht im Projekt TACO neue Behandlungen für Multiple Sklerose. Prof. Alyssa Ney untersucht Quantenrealität, Prof. Thomas Carell entwickelt neue RNA-Moleküle.
Das UKE Hamburg freut sich über insgesamt 2,4 Millionen Euro für zwei neurowissenschaftliche Projekte. Prof. Cristina Becchio erhält 2,2 Millionen Euro für KINCODE, Prof. Stefano Panzeri 225.000 Euro für EmotionalBrainS. Damit hat das UKE nun 40 ERC Grants an Land gezogen.
Auch die Leibniz Universität Hannover und die ETH Zürich sind dabei. In Hannover bekommt Prof. Quill Kukla 2,3 Millionen Euro für TERRAINS. Die ETH Zürich sicherte sich ganze 12 Advanced Grants mit einem Gesamtvolumen von 31,5 Millionen Euro – Schwerpunkte: Medizin, Zellbiologie und Photonik.
Netzwerk-Förderung: 15,8 Millionen für Schmerzforschung
Neben Einzelförderungen gewinnen transnationale Allianzen an Fahrt. Das Programm ERA-NET NEURON unterstützt von 2026 bis 2029 insgesamt 14 Verbünde mit 15,8 Millionen Euro. Der Fokus: interdisziplinäre Ansätze in der Schmerzforschung. Das BMBF beteiligt sich mit 2,9 Millionen Euro für elf deutsche Gruppen.
Kleiner, aber gesellschaftlich relevant: die KONKRET-Preise. Mit insgesamt 35.000 Euro wurden Projekte ausgezeichnet, die digitale Lösungen für die psychische Gesundheit Jugendlicher oder KI-Sprachassistenz für Parkinson-Patienten entwickeln. Das Projekt HealthScience4All der Medizinischen Fakultät Mannheim erhält zudem 86.000 Euro für inklusive Präventionsforschung.
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Privates Kapital: 50 Millionen für Psychiatrie-Startup
Im privaten Sektor zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Das Münchener Unternehmen HMNC Brain Health gab am 22. Juni den Abschluss einer Series-B-Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen US-Dollar bekannt. Zu den Investoren zählen namhafte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Sport.
Gleichzeitig schloss HMNC eine strategische Allianz mit dem Pharmaunternehmen MEDICE. Dieses erhält die exklusiven Vermarktungsrechte für eine orale Ketamin-Therapie (Ketabon) in Europa. Der Trend zur personalisierten Psychiatrie und Präzisionstherapie bei Depressionen wird damit weiter befeuert.
Klinische Durchbrüche: Hirnimplantat ermöglicht 1,9 Millionen Wörter
Die Finanzierung fließt zunehmend in Projekte mit belastbaren klinischen Ergebnissen. Eine im Juni in Nature Medicine veröffentlichte Studie belegt den Erfolg langzeitiger Nutzung von Gehirnimplantaten zu Hause. Ein ALS-Patient kommunizierte über zwei Jahre mit dem BrainGate2-System – über 1,9 Millionen Wörter, mit einer Geschwindigkeit von 56 Wörtern pro Minute.
Parallel arbeiten Schweizer Forscher der Universität Genf, der ETH Zürich und der EPFL an nicht-invasiven Alternativen zur Neurochirurgie. Die Methode der zeitlichen Interferenzstimulation (TIS) soll tiefe Gehirnschichten von außen stimulieren. Erste Experimente zeigen: Der Einsatz zusätzlicher Elektroden erhöht die Präzision und minimiert Nebenwirkungen.
Großprojekte in der Pipeline
Für die kommenden Jahre sind bereits weitere Milliardenprojekte initiiert. Anfang 2027 startet das Forschungsnetzwerk CoeurTCR unter Leitung des Kantonsspitals St. Gallen. Die Leducq Foundation finanziert es mit 9 Millionen US-Dollar zur Erforschung entzündlicher Erkrankungen.
Im September 2026 wird zudem der mit einer Million Euro dotierte Körber-Preis verliehen – für Erkenntnisse zur Zellkern-Mechanobiologie. Ein Zeichen dafür, dass auch die Grundlagenforschung weiterhin hoch im Kurs steht.
