Hippocampus-Studie, Depressionen

Hippocampus-Studie: Depressionen beeinflussen Gehirnstruktur unabhängig von Alzheimer

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen teils widersprüchliche Befunde zum Zusammenhang zwischen Depressionen und Hippocampus-Volumen bei älteren Erwachsenen.

Depression und Gehirnvolumen: Neue Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse
Ältere Person in einem medizinischen Untersuchungsraum vor einem verschwommenen Bild einer Gehirnstruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die kognitive Gesundheit im Alter und ihre neurobiologischen Grundlagen stehen verstärkt im Fokus der medizinischen Forschung. Eine im August 2026 in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry veröffentlichte Studie liefert neue Anhaltspunkte dafür, wie Depressionen die Gehirnstruktur beeinflussen können.

Die Untersuchung an 2.009 kognitiv gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 50 und 90 Jahren zeigt eine Korrelation zwischen depressiven Zuständen und einem verringerten Volumen in der spezifischen Hippocampus-Region CA23DG.

Unabhängigkeit von Alzheimer-Risikofaktoren

Besonders hervorzuheben sei laut den Studienergebnissen, dass dieser Zusammenhang unabhängig von bekannten Alzheimer-Risikofaktoren bestehe. Weder das Vorhandensein von Amyloid- oder Tau-Proteinen noch der genetische Faktor APOE ?4 erklärten den beobachteten Volumenverlust in der genannten Hirnregion. Dies deute darauf hin, dass depressive Erkrankungen im Alter eigenständige neurobiologische Spuren hinterlassen könnten, die nicht zwingend mit den klassischen pathologischen Markern einer Demenzerkrankung verknüpft sind.

Die Resultate unterstreichen die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung von psychischer Gesundheit und neurodegenerativen Prozessen in der Geriatrie.

Kontrastierende Ergebnisse groß angelegter Bildgebungsstudien

Zeitgleich veröffentlichte Daten zeichnen jedoch ein komplexes Bild der aktuellen wissenschaftlichen Lage. Eine am 20. August 2026 in Nature Mental Health publizierte Analyse, die auf der Auswertung von 23.417 Gehirnscans aus den USA und Großbritannien basiert, konnte keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Depressionen und dem Volumen des Hippocampus bestätigen.

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Stattdessen identifizierten die Forscher in dieser groß angelegten Untersuchung reduzierte Anteile grauer Substanz in anderen Arealen des Gehirns. Betroffen seien demnach vor allem der Frontalcortex, das anteriore Cingulum sowie die Insula.

Diese Diskrepanz zwischen verschiedenen Studien verdeutlicht die methodischen Herausforderungen, psychische Leiden eindeutig lokalisierten strukturellen Veränderungen im Gehirn zuzuordnen, und weist auf die mögliche Relevanz unterschiedlicher Probandengruppen hin.

Spezifische Befunde bei postmenopausalen Frauen

Ergänzend zu diesen Erkenntnissen liefert eine Auswertung von Daten der UK Biobank mit etwa 125.000 Teilnehmenden, die im August 2026 thematisiert wurde, spezifische Einblicke in die Gehirngesundheit von Frauen. Die Untersuchung zeigt, dass postmenopausale Frauen ein reduziertes Volumen der grauen Substanz in mehreren Regionen aufweisen, darunter der Hippocampus, der entorhinale Kortex und das anteriore Cingulum.

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Neben den strukturellen Befunden wurde in dieser Gruppe auch eine Verlangsamung der Reaktionszeiten beobachtet. Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung betraf die Wirkung medizinischer Interventionen: Den Daten zufolge zeigte eine Hormonersatztherapie (HRT) keine Umkehrung der beobachteten Volumenminderungen.

Die Gesamtheit der aktuellen Forschungsergebnisse verdeutlicht, dass die Abnahme der Hirnsubstanz im Alter von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Während punktuelle Untersuchungen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Depressionen und dem Hippocampus-Volumen nahelegen, betonen umfassendere Datensätze die Beteiligung eines breiteren Netzwerks an Hirnarealen und die Relevanz hormoneller Umstellungsphasen.

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