Hilfsmittelversorgung: 20 Verbände fordern Stopp geplanter Ausschreibungen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Bündnis aus 20 Verbänden der Medizintechnik- und Hilfsmittelbranche, angeführt vom BVMed, hat sich in einem gemeinsamen Positionspapier gegen Pläne der Bundesregierung gewandt, wettbewerbliche Ausschreibungen in der Hilfsmittelversorgung wieder einzuführen.
Wie unter anderem bvmed.de, verbaende.com, aerzteblatt.de und die Pharmazeutische Zeitung Ende September 2026 berichteten, sehen die Verbände in einer solchen Rückkehr eine Gefahr für Beratungsqualität, individuelle Anpassung und Betreuung sowie für regionale Versorgungsstrukturen.
Forderung: Ausschreibungen stoppen
Im Zentrum des Positionspapiers steht die klare Forderung, die geplante Wiedereinführung von Ausschreibungen zu stoppen. Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich waren 2019 gesetzlich abgeschafft worden, nachdem der damit verbundene Preiswettbewerb nach Einschätzung der Verbände zulasten der Versorgungsqualität gegangen sei.
Seit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von 2019 sollen Krankenkassen stattdessen vorrangig Verträge mit mehreren Leistungserbringern schließen und dabei Qualitätskriterien stärker berücksichtigen, wie die Pharmazeutische Zeitung darlegte.
Die Verbände befürchten, dass eine Rückkehr zu Ausschreibungen die Wahlfreiheit von Patientinnen und Patienten einschränken, kleinere Anbieter aus dem Markt drängen und die Konzentration auf wenige, überregionale Anbieter verstärken könnte. Damit würden wohnortnahe, persönliche Versorgungsstrukturen geschwächt, die insbesondere für ältere und pflegebedürftige Menschen von Bedeutung seien.
Argument der Verbände: Kein Zusammenhang mit Ausgabenwachstum
Die Verbände widersprechen in ihrem Positionspapier der Annahme, dass fehlender Preiswettbewerb für steigende Ausgaben verantwortlich sei. Laut aerzteblatt.de machen Hilfsmittel seit Jahren konstant etwa 3,5 bis 4 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Die Ausgabenentwicklung seit 2019 folge demnach in erster Linie der demografischen Entwicklung und allgemeinen Kostensteigerungen – nicht einem Mangel an Wettbewerb.
Zudem verweisen die Verbände darauf, dass die Vergütung im Hilfsmittelbereich bereits heute durch Festbeträge begrenzt wird. Ab 2027 soll zusätzlich ein gesetzlicher Abschlag von 3 Prozent auf vertraglich vereinbarte Preise greifen. Aus Sicht der Branche ist damit bereits ein erheblicher Preisdruck etabliert, der durch Ausschreibungen weiter verschärft würde.
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SPECTARIS: Kein belegter Einspareffekt
Der Industrieverband SPECTARIS, einer der 20 unterzeichnenden Verbände, warnt eigenständig vor Risiken für Wahlfreiheit, individuelle Versorgung und wohnortnahe Strukturen.
Nach Einschätzung von SPECTARIS belegen die Erfahrungen mit früheren Ausschreibungsmodellen keinen nachhaltigen Einspareffekt, der die damit verbundenen Versorgungsrisiken rechtfertigen würde. Auch SPECTARIS sieht die Gefahr, dass kleinere Anbieter und innovative Produkte im Wettbewerb um den niedrigsten Preis verdrängt werden könnten.
Ein Portal für Pflegethemen berichtete zudem über frühere Probleme im Zusammenhang mit Ausschreibungsmodellen, etwa minderwertige Produkte, gesundheitliche Folgen für Betroffene und Lieferverzögerungen. Diese Angaben wurden in dem Beitrag allerdings nicht näher belegt.
BVMed kritisiert Verfahren
Über die inhaltliche Kritik hinaus bemängelt der BVMed auch den Weg, auf dem die Änderung eingeführt werden könnte. Der Verband kritisiert, dass die Neuregelung möglicherweise kurzfristig über einen fachfremden Änderungsantrag in ein bereits laufendes Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden könnte – ohne die reguläre Beteiligung der betroffenen Verbände und Fachkreise.
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Gemeinsame Forderung der Branche
Die 20 Verbände fordern stattdessen stabile Versorgungsstrukturen mit klaren Qualitätsstandards, persönlicher Beratung und erhaltener Wahlfreiheit für Versicherte. Wohnortnahe Versorgung solle Vorrang vor reinem Preiswettbewerb haben. Wie sich die Bundesregierung zu den Forderungen des Verbändebündnisses positionieren wird, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch offen.
