Hilfsmittel: Versicherte zahlen 1,13 Milliarden Euro privat dazu
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gesetzlich Versicherte zahlten 2025 rund 1,13 Milliarden Euro privat für Hilfsmittel dazu. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr – allen voran bei Hörgeräten.
Mehrkosten konzentrieren sich auf wenige Produktgruppen
Insgesamt wickelten die Krankenkassen 31,9 Millionen Hilfsmittelversorgungen ab, ein Plus von 0,5 Prozent. Die Ausgaben der Kassen stiegen um fünf Prozent auf 12,12 Milliarden Euro. Doch trotz dieser Summen griffen Patienten zunehmend selbst in die Tasche, um höherwertige Produkte zu erhalten.
77,69 Prozent aller Versorgungen blieben für die Versicherten kostenfrei. Bei 22,31 Prozent fielen Mehrkosten an – 2019 lag dieser Anteil noch bei 20,04 Prozent. Im Schnitt zahlten Betroffene 158,61 Euro pro Fall extra.
Hörgeräte treiben die Kosten
Die Bereitschaft zur Zuzahlung ist bei Hörhilfen am größten: Nur 5,9 Prozent aller Hilfsmittelfälle entfallen auf diese Produktgruppe, doch sie verursacht 62 Prozent der gesamten privaten Mehrkosten. Pro Hörgeräte-Versorgung investierten Patienten durchschnittlich 1.656,99 Euro zusätzlich.
Der Branchenverband BVMed warnt derweil vor einem geplanten Abschlag von drei Prozent für die Jahre 2027 und 2028. Das könnte die wirtschaftliche Lage der Leistungserbringer weiter verschärfen.
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Kassen setzen auf Wiedereinsatz und Digitalisierung
Die Barmer fordert präzisere Angaben in Kostenvoranschlägen, etwa genaue Maße bei Rollstühlen. So soll die Quote des Wiedereinsatzes kasseneigener Bestände steigen. Parallel läuft in Modellregionen der Rollout der elektronischen Verordnung für Hilfsmittel – mit Ausnahme von Seh- und Hörhilfen sowie Pflegehilfsmitteln. Rund 33 Millionen Papierverordnungen fallen jährlich an.
Neue Gesetze belasten Versicherte
Das am 10. Juli 2026 beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ändert die Informationspflicht: Kassen müssen Mitglieder künftig nicht mehr individuell über Zusatzbeitrags-Erhöhungen informieren – die Entgeltabrechnung genügt.
Ab 2027 drohen weitere Belastungen: Die Mindestzuzahlung für Medikamente steigt von fünf auf 7,50 Euro, der Maximalbetrag von zehn auf 15 Euro. Der Bundeszuschuss zur GKV sinkt um zwei Milliarden Euro, die Beitragsbemessungsgrenze wird angehoben, und beim Zahnersatz wird gekürzt.
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Die prognostizierte Finanzierungslücke für 2027 liegt bei 15,3 Milliarden Euro. Experten erwarten einen Anstieg des Zusatzbeitrags auf bis zu 4,7 Prozent bis 2030. Ab 2028 sollen zudem bisher kostenfrei mitversicherte Ehepartner 2,5 Prozent Zusatzbeitrag zahlen.
Kassen klagen gegen den Bund
Die Finanznot führt zu juristischen Auseinandersetzungen: 79 Krankenkassen haben beim Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen Klage gegen den Bund eingereicht. Sie werfen ihm massive Unterfinanzierung bei der Versorgung von Grundsicherungs-Beziehern vor. Für 2027 wird in diesem Bereich eine Deckungslücke von rund zwölf Milliarden Euro erwartet.
Zusätzlich belasten Millionenverluste bei Finanzanlagen: Rund 28 Kassen und Kassenärztliche Vereinigungen investierten mehr als 500 Millionen Euro in Immobilienfonds – mit Verlusten von mindestens 220 Millionen Euro. Einige Institutionen haben bereits Klagen gegen Berater eingeleitet, während der politische Druck auf die Anlagestrategien wächst.
