Hilfsmittel, Eigenanteile

Hilfsmittel ab 2027: Eigenanteile sollen um 50 Prozent steigen

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 19:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

GKV-Ausgaben für Hilfsmittel steigen 2025 auf 12,12 Milliarden Euro. Ab 2027 drohen höhere Eigenanteile und pauschale Kürzungen.

BVMed warnt: Steigende Kosten belasten Hilfsmittelversorgung ab 2027
Medizinische Hilfsmittel auf einem Schreibtisch mit medizinischen Daten auf einem Tablet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Sicherstellung der Hilfsmittelversorgung in Deutschland steht unter dem Einfluss eines zunehmenden Kostendrucks. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat sich in einer aktuellen Stellungnahme zu dem vorliegenden Mehrkostenbericht der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) geäußert. Die Analyse der Branchenvertreter verdeutlicht die Sorge um die künftige Stabilität der Versorgung, während statistische Erhebungen für das Jahr 2025 ein differenziertes Bild der Kostenentwicklung und der Belastung der Versicherten zeichnen.

Die finanzielle Situation der Hilfsmittelversorgung im Jahr 2025

Die Daten der gesetzlichen Krankenversicherung für das Jahr 2025 belegen einen moderaten Anstieg bei den Versorgungszahlen. Insgesamt wurden 31,9 Millionen Versorgungen registriert, was einem Zuwachs von 0,5 Prozent entspricht. Deutlicher fiel hingegen die Entwicklung der Ausgaben aus: Die GKV verzeichnete in diesem Bereich Gesamtausgaben in Höhe von 12,12 Milliarden Euro, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum.

Trotz dieses Ausgabenwachstums zeigt der Bericht, dass der Großteil der Leistungen für die Versicherten ohne zusätzliche wirtschaftliche Aufzahlungen erbracht wurde. Demnach erfolgten 77,69 Prozent der Versorgungen ohne Mehrkosten für die Patienten. Dennoch blieb ein signifikanter Anteil an Fällen bestehen, in denen Versicherte private Mittel aufwenden mussten, um die gewünschte Versorgung zu erhalten.

Steigende Eigenanteile und die Belastung der Versicherten

Anzeige

Ab 2027 sollen die Eigenanteile für Hilfsmittel um 50 Prozent steigen – auf bis zu 15 Euro pro Fall. Für pflegende Angehörige bedeutet das eine zusätzliche finanzielle Belastung. Unser kostenloser Ratgeber zeigt, wie Sie Hilfsmittel richtig beantragen, welche ohne Zuzahlung erhältlich sind und wie Sie gegen Mehrkosten Widerspruch einlegen. Ratgeber jetzt kostenlos anfordern

Im Jahr 2025 gab es laut den vorliegenden Zahlen 7,1 Millionen Mehrkostenfälle. Die Gesamtsumme der Zuzahlungen durch die Versicherten belief sich dabei auf 1,1 Milliarden Euro. Besonders auffällig ist die Entwicklung der individuellen Belastung: Die durchschnittliche Zuzahlung pro Fall stieg um 10 Euro auf nunmehr 159 Euro an.

Der BVMed verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Hilfsmittel keineswegs als Kostentreiber im Gesundheitssystem identifiziert werden könnten. Mit einem Anteil von weniger als 4 Prozent an den gesamten Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung stellten sie einen vergleichsweise geringen Posten dar. Der Verband betonte zudem, dass eine hochwertige Versorgung mit Hilfsmitteln essenziell sei, um gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und den Trend zur Ambulantisierung der Pflege zu unterstützen. Ohne adäquate Hilfsmittel sei eine häusliche Versorgung in vielen Fällen kaum realisierbar.

Geplante Sparmaßnahmen und strukturelle Veränderungen ab 2027

Anzeige

Schon 2025 zahlten Versicherte durchschnittlich 159 Euro pro Hilfsmittel-Zuzahlung – und ab 2027 soll der Eigenanteil noch einmal um die Hälfte steigen. Damit Ihre Angehörigen weiterhin die nötigen Rollatoren, Hörgeräte oder Inkontinenzhilfen erhalten, sollten Sie jetzt handeln. Unser Leitfaden erklärt, welche Hilfsmittel ohne Zuzahlung möglich sind und wie Sie bei Mehrkosten Widerspruch einlegen. Hilfsmittel-Leitfaden jetzt sichern

Die Diskussion um die künftige Finanzierung der Hilfsmittelversorgung wird durch geplante gesetzliche Änderungen verschärft. Ab dem Jahr 2027 ist ein pauschaler Abschlag von 3 Prozent auf Hilfsmittel vorgesehen. Der Branchenverband warnte eindringlich vor solchen pauschalen Budgetkürzungen, da diese die Qualität und die Verfügbarkeit der Versorgungsleistungen gefährden könnten.

Parallel zu den Kürzungsplänen auf Seiten der Erbringer kommen auf die Versicherten weitere finanzielle Belastungen zu. Ab 2027 soll der gesetzliche Eigenanteil um 50 Prozent angehoben werden. Dies entspräche einer Steigerung auf Beträge zwischen 7,50 Euro und 15 Euro. In der Bewertung dieser Maßnahmen hob der BVMed hervor, dass der Fokus stärker auf dem Nutzen der Hilfsmittel für die Patienten liegen müsse, statt rein fiskalische Sparziele zu verfolgen. Eine Destabilisierung der Versorgungsstrukturen unter hohem Kostendruck könne langfristig höhere Folgekosten in anderen Bereichen des Gesundheitssystems nach sich ziehen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69901829 |