HFpEF: Linksatriale V-Wellen bei mehr als 20 Prozent erschweren die Diagnose
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) stellt die kardiologische Praxis vor komplexe diagnostische und therapeutische Aufgaben. Fachpublikationen analysieren globale Unterschiede in den Leitlinien sowie die Relevanz linksatrialer V-Wellen für eine exakte hämodynamische Beurteilung und Risikostratifizierung.
Während das Syndrom früher vorwiegend als reine diastolische Dysfunktion interpretiert wurde, belegen Daten aus westlichen Ländern eine weitaus vielschichtigere Pathophysiologie.
Hämodynamische Präzision: Die Rolle linksatrialer V-Wellen
Ein zentraler Aspekt der aktuellen Diskussion betrifft die kardiale Druckmessung. Berichten zufolge treten bei über 20 Prozent der HFpEF-Patienten ausgeprägte linksatriale V-Wellen auf. Diese gelten als klinischer Hinweis auf eine Atriummyopathie, die mit einer verminderten Compliance des Vorhofs einhergeht.
Die V-Wellen besitzen direkte Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System: Über eine retrograde Druckfortleitung erhöhen sie die rechtsventrikuläre Nachlast unabhängig vom pulmonalen Gefäßwiderstand.
Erfolgt bei der routinemäßigen Hämodynamikbewertung keine entsprechende Korrektur für diese ausgeprägten V-Wellen, besteht das Risiko, den Schweregrad pulmonaler Gefäßerkrankungen fälschlicherweise zu überschätzen.
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Fachleute messen der Identifikation von V-Wellen-Effekten daher einen hohen Stellenwert für die präzise Diagnosestellung, die Risikostratifizierung sowie die Steuerung therapeutischer Maßnahmen bei.
Strukturierung der Leitlinien und epidemiologische Dimensionen
Weltweit sind 1 bis 3 Prozent der Erwachsenen von einer Herzinsuffizienz betroffen. Zwischen 25 und 40 Prozent dieser Patienten weisen keine ausgeprägte systolische Dysfunktion des linken Ventrikels auf. Typischerweise tritt HFpEF bei älteren Menschen auf und ist häufig mit einer arteriellen Hypertonie sowie einer linksventrikulären Hypertrophie assoziiert.
In der klinischen Einordnung kam es zu Anpassungen. Auf dem Kongress Ende August 2026 stellten die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zur Herzinsuffizienz ein vereinfachtes Phänotypensystem vor.
Die bisherige Kategorie der Herzinsuffizienz mit mäßig reduzierter Ejektionsfraktion (HFmrEF) entfällt demnach. Patienten mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (FEVG) von 41 bis 49 Prozent werden nun der HFrEF (FEVG unter 50 Prozent) zugeordnet.
Das Schema unterscheidet damit nur noch zwei Hauptgruppen: HFrEF und HFpEF (FEVG ab 50 Prozent), auf die rund 50 Prozent der Fälle entfallen. Parallel dazu widmen sich systematische Vergleichsreviews den Konvergenzen und Divergenzen klinischer Praxisleitlinien für HFpEF.
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Heterogene Krankheitsmechanismen im Fokus der Forschung
Historische Studien verdeutlichen die Schwierigkeit einheitlicher Behandlungsansätze. In der I-PRESERVE-Studie senkte der Wirkstoff Irbesartan bei 4.128 Patienten mit HFpEF weder das Sterberisiko noch die Rate kardiovaskulärer Hospitalisierungen.
Dass HFpEF je nach Patientenpopulation unterschiedliche Auslöser besitzen kann, unterstreicht eine Forschungsarbeit der Kumamoto University in Kooperation mit Bristol Myers Squibb in Nature Communications. In drei analysierten japanischen HFpEF-Kohorten dominierten Hypertonie und eine Überaktivität des Sympathikus gegenüber dem Risikofaktor Adipositas.
Im Mausmodell führte hypertensiver Stress dazu, dass die Signalkette des knochenmorphogenetischen Proteins (BMP) von Makrophagen zu Kardiomyozyten gestört wurde, was die Fettsäureoxidation verringerte. Zugleich verstärkten sich PDGF-Signale in Richtung der Fibroblasten, was zu Fibrose führte.
Als zentraler Knotenpunkt erwies sich das in den kardialen Makrophagen hochregulierte Protein ANGPTL2. Durch einen neutralisierenden ANGPTL2-Antikörper konnte die Entstehung von HFpEF im Tiermodell verhindert werden. Ob sich diese Ergebnisse auf HFpEF-Patienten mit Adipositas übertragen lassen, bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen.
