Herzversorgung, KI-System

Herzversorgung: KI-System erkennt Herzinsuffizienz 5 Jahre früher

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 11:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Projekte wie Tele Alpine und KI-Modelle wie DeepHHF verbessern die Herzvorsorge. Tragbare Defis und smarte OP-Technik treiben die Digitalisierung voran.

Digitale Herzmedizin: KI, Apps und tragbare Defibrillatoren im Aufwind
Eine Smartwatch zeigt einen Herzfrequenzgraphen an, im Hintergrund verschwommen eine Klinik oder ein Zuhause, Fokus auf digitale Gesundheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Künstliche Intelligenz, tragbare Defibrillatoren und personalisierte Apps sollen die Lücke zwischen Klinik und Nachsorge schließen.

Grenzüberschreitende Nachsorge per App

Mitte Juli 2026 startete das Projekt „Tele Alpine“ in der Grenzregion zwischen Österreich und Deutschland. Die Medizinische Universität Innsbruck entwickelt eine personalisierte App, die bis zu zehn kardiologische Risikofaktoren erfasst – darunter Cholesterinwerte, Blutdruck und Lebensstil.

Das Ziel: Integration in die nationalen Gesundheitssysteme wie die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) in Österreich und die deutschen Strukturen. 2027 startet eine klinische Studie an Standorten in Innsbruck, Füssen und Augsburg.

Parallel setzen Kliniken bereits auf App-basierte Fernnachsorge für Patienten mit implantierten Defibrillatoren. Im sächsischen Görlitz werden über 100 Patienten kabellos überwacht. Die Datenanalyse im Klinikum soll Rhythmusstörungen frühzeitig erkennen und ungeplante Krankenhausaufenthalte reduzieren.

Tragbare Defibrillatoren und smarte OP-Technik

Kestra Medical Technologies präsentierte das ASSURE Cardiac Recovery System – ein tragbarer Defibrillator mit 4-Kanal-EKG. In einer Studie mit über 21.000 Patienten zeigte das System hohe Wirksamkeit bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Eine Kooperation mit Biobeat soll zudem eine 24-Stunden-Blutdruckmessung integrieren.

Auch die operative Ausstattung wird digitaler. Die Segeberger Kliniken investierten rund 900.000 Euro in neue Herz-Lungen-Maschinen. Diese sind besser in das Krankenhausinformationssystem integriert und ermöglichen eine präzisere Datenerfassung während komplexer Eingriffe.

KI erkennt Herzrisiken Jahre im Voraus

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Forscher der israelischen Technion-Universität entwickelten das KI-Modell „DeepHHF“. Es kann das Risiko einer Herzinsuffizienz bis zu fünf Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome vorhersagen. Trainiert wurde es mit rund 70.000 Langzeit-EKG-Daten.

Ein weiterer Forschungszweig beschäftigt sich mit „digitalen Zwillingen“. Das EU-Projekt MeDiTATe legte die Grundlage für Simulationen von Blutfluss und Wandspannung bei Aortenaneurysmen. Daraus entstanden spezialisierte Unternehmen für die chirurgische Planung. Folgeprojekte wie Pandora und SafeBot4Twin setzen diese Arbeit fort.

Elektronische Patientenakte wird zugänglicher

Die AOK führte im Juli 2026 einen vereinfachten Zugang zur elektronischen Patientenakte (ePA) ein. Versicherte können sie nun per Smartphone und Identitätsdokument nutzen. Seit der flächendeckenden Einführung der ePA 2025 werden wöchentlich millionenfach Medikationslisten abgerufen.

Bis zum Herbst 2026 soll zudem der elektronische Medikationsplan in der ärztlichen Praxis pilotiert werden. Das soll die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöhen.

Neben der Technik bleibt die Prävention ein globaler Schwerpunkt. Ein internationales Expertengremium erarbeitete unter österreichischer Leitung einen 10-Punkte-Fahrplan für gesunde Ernährung und aktive Lebensweise (HEAL). Nichtübertragbare Krankheiten sind für den Großteil der weltweiten Todesfälle verantwortlich – Fachleute fordern verbindliche Mindeststandards in der Gesundheitsvorsorge.

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Herzpflaster aus Stammzellen

Neben digitalen und mechanischen Lösungen werden regenerative Therapien erprobt. An der Universitätsmedizin Göttingen untersuchen Forscher ein Herzpflaster aus Stammzellen. Es wird auf geschädigtes Gewebe aufgenäht, um neue Herzmuskelzellen zu bilden. Erste Patienten wurden bereits im Rahmen einer Studie versorgt. Ab 2028 wollen die Mediziner jährlich 100 bis 200 Patienten mit dieser Methode behandeln.

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