Herzschwäche, Digitoxin

Herzschwäche: Digitoxin senkt Sterblichkeit um 18 Prozent

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 04:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien zeigen Fortschritte bei Herzdiagnostik, Ablation und Medikamenten: KI, Digitoxin und weitere Verfahren liefern vielversprechende Ergebnisse.

Kardiologie: Neue KI-Diagnostik und Pulsfeld-Ablation im Fokus
Ein modernes, steriles Krankenhauslabor mit medizinischer Ausstattung in einer ruhigen und professionellen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Die kardiologische Forschung verzeichnet derzeit mehrere technologische Fortschritte, die von neuartigen Ablationsverfahren bis zu KI-gestützten Diagnosewerkzeugen reichen. Ein aktuelles Beispiel liefert das Texas Cardiac Arrhythmia Institute (TCAI) am St. David's Medical Center, das als erste Einrichtung in den USA eine klinische Studie zu einem Mapping- und Pulsfeld-Ablationssystem gestartet hat.

Pulsfeld-Ablation als neue Behandlungsoption

Der erste Eingriff im Rahmen der Studie wurde von Andrea Natale durchgeführt. Das getestete System setzt auf elektrische Felder anstelle von Hitze oder Kälte, um Herzgewebe zu veröden, und verfügt zusätzlich über eine dreidimensionale Kartierungsfunktion.

Diese Kombination aus Mapping und Pulsfeld-Ablation soll Eingriffe bei Herzrhythmusstörungen präziser und schonender machen als klassische thermische Verfahren. Die Studie am TCAI markiert damit einen weiteren Schritt in der Etablierung pulsfeldbasierter Verfahren in der US-amerikanischen kardiologischen Versorgung.

Parallel entwickelte Diagnoseverfahren

Während sich die Pulsfeld-Ablation auf die Therapie konzentriert, treiben verschiedene Forschungseinrichtungen zeitgleich Fortschritte in der Diagnostik voran. Am Imperial College London wurde ein KI-System vorgestellt, das Herzschwäche und Klappenerkrankungen aus einem Routine-EKG in unter zwei Sekunden erkennen kann.

Getestet an 67.000 US-Patienten erfasste das System laut den beim ESC-Kongress vorgestellten, noch nicht peer-reviewten Daten bis zu 81 Prozent der Herzschwäche-Fälle und bis zu 90 Prozent der Klappenerkrankungen.

Anzeige

Was moderne Diagnoseverfahren über den aktuellen Gesundheitszustand verraten, bleibt für viele Patienten oft ein Rätsel. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, welche Werte wirklich wichtig sind und wie man die eigene Vorsorge aktiv unterstützt. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt sichern

Auch am Inselspital beziehungsweise der Universität Bern wurden KI-Modelle zur Verbesserung von Langzeitprognosen bei Herzkrankheiten entwickelt, die laut in Lancet Digital Health und JAMA Cardiology veröffentlichten Arbeiten die Prognosegenauigkeit um 10 bis 15 Prozent steigern.

Für Aortenklappenstenose stützte sich das Modell auf Daten von 2.985 Berner Patienten und wurde extern an über 1.000 japanischen Patienten validiert. Bei Transthyretin-Amyloidose, basierend auf Daten von 850 Patienten, sei die Genauigkeit um bis zu 20 Prozent verbessert worden.

Ein weiteres Diagnoseverfahren stammt vom Chaim Sheba Medical Center: Dort ermöglichte die KI-Analyse von Mammografien bei 29.921 Frauen die Erkennung von Bluthochdruck, ischämischer Herzkrankheit und Schlaganfallrisiko, mit AUROC-Werten von 0,79, 0,78 beziehungsweise 0,86. An der Charité Berlin wiederum zeigte die Magnetokardiografie in einer in JACC: Heart Failure veröffentlichten Untersuchung eine Sensitivität von 94,74 Prozent und eine Spezifität von 98,54 Prozent bei der Erkennung von Kardiomyopathien nach Ausschluss einer obstruktiven koronaren Herzkrankheit.

Medikamentöse Ansätze bei Herzschwäche

Anzeige

Wer sich mit der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen befasst, sollte die Bedeutung der richtigen Blutdruckeinstellung kennen. Ein renommierter Medizinprofessor zeigt in diesem Gratis-Spezialreport, wie man Bluthochdruck dauerhaft und auf natürlichem Weg regulieren kann. 7 Tipps zur natürlichen Blutdrucksenkung kostenlos herunterladen

Neben technischen Innovationen liefert auch die medikamentöse Forschung neue Erkenntnisse. Die DIGIT-HF-Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit über 1.200 Patienten und rund 50 Zentren in Deutschland, Österreich und Serbien zeigte, dass Digitoxin bei Herzschwäche mit reduzierter Auswurffraktion (HFrEF) Sterblichkeit und Krankenhausaufenthalte um 18 Prozent senkt.

Die im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie mit einer Nachbeobachtungszeit von etwa drei Jahren wurde mit dem Wilhelm P. Winterstein-Preis 2026 der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet.

Ergänzend zeigte eine beim ESC-Kongress vorgestellte DIG-Analyse, dass Digoxin das Risiko für Hospitalisierung oder kardiovaskulären Tod bei HFrEF-Patienten mit Sinusrhythmus um 54 Prozent nach 30 Tagen, 31 Prozent nach einem Jahr und 21 Prozent nach zwei Jahren senkt. Die zugehörige DECISION-Studie ergab, dass niedrig dosiertes Digoxin bei Frauen und Männern gleichermaßen wirksam und sicher ist.

Weitere Studienergebnisse aus der Kardiologie

Auch invasive Verfahren wurden auf dem ESC-Kongress diskutiert. Die PADN-HF-PH-Studie von Pulnovo Medical mit 264 Patienten mit pulmonaler Hypertonie infolge Linksherzerkrankung zeigte, dass die Kombination aus pulmonaler Arteriendenervation und leitliniengerechter Therapie das Risiko klinischer Verschlechterung um 51 Prozent senkt und die Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest nach zwölf Monaten um 24,8 Meter verbesserte.

Die im Lancet vorgestellte PVI-SHAM-AF-Studie mit 262 Patienten an neun Kliniken in Deutschland und Polen zeigte hingegen, dass eine Katheterablation zwar Vorhofflimmern-Episoden deutlich reduziert, jedoch keine signifikante Verbesserung der Lebensqualität bewirkte.

Ergänzt werden diese Entwicklungen durch die im Rahmen des ESC-Kongresses erstmals als eigenständige Leitlinie veröffentlichten Empfehlungen zur kardialen Rehabilitation, die unter anderem nach Herzinfarkt, bei chronischer koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, nach Klappenersatz sowie nach kardiotoxischer Krebstherapie zum Einsatz kommen soll. Mitautor der Leitlinie ist Prof. Matthias Wilhelm vom Inselspital Bern.

Ein weiteres praktisches Beispiel für technischen Fortschritt in der Gefäßchirurgie liefert im Frühjahr 2026 das Universitätsklinikum Münster, wo erstmals eine individuell angefertigte Hybridprothese mit Seitenast bei einem 67-jährigen Patienten mit Aortenaneurysma und -riss eingesetzt wurde.

Der Eingriff vereinfachte den Operationsablauf und verkürzte die Unterbrechung des Blutkreislaufs; der Patient befand sich drei Monate später in gutem Zustand.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70052193 |