Herzschwäche: Bei über 90-Jährigen erkrankt jeder Dritte
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der AOK-Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) auf Basis von Daten aus dem Jahr 2024 zeigt, wie eng Herzschwäche mit zunehmendem Alter verknüpft ist – und wie unterschiedlich die Krankheit regional verteilt ist. Bundesweit sind demnach rund 3,2 Millionen Menschen ab 30 Jahren von Herzinsuffizienz betroffen.
Während bei unter 54-Jährigen weniger als 2 Prozent erkrankt sind, steigt der Anteil bei den ab 90-Jährigen auf 32,3 Prozent bei Männern und 27,3 Prozent bei Frauen. Die größte absolute Patientenzahl findet sich in der Altersgruppe der 80- bis 84-Jährigen.
Nordrhein: Wesel und Essen mit höchsten Werten
Für die Region Nordrhein weist der Atlas rund 346.000 Betroffene ab 30 Jahren aus, was einer Prävalenz von 5,1 Prozent entspricht – leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 5,5 Prozent. Innerhalb der Region zeigen sich deutliche Unterschiede: Der Kreis Wesel verzeichnet mit 6,3 Prozent den höchsten Anteil, Bonn mit 4,0 Prozent den niedrigsten.
Unter den deutschen Metropolen ab 500.000 Einwohnern weist Essen mit 6,2 Prozent die höchste Quote auf, Duisburg folgt mit 5,7 Prozent auf Platz drei. Köln und Düsseldorf liegen mit 4,2 beziehungsweise 4,3 Prozent deutlich niedriger.
Nach Altersstandardisierung verschärft sich der Abstand zusätzlich: Essen kommt auf 6,3 Prozent, Duisburg auf 6,0 Prozent, während Köln und Düsseldorf jeweils bei 4,9 Prozent liegen.
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Auch bei den Großstädten unter 500.000 Einwohnern zeigt sich ein breites Spektrum: Bonn markiert mit 4,0 Prozent den niedrigsten Wert, Solingen liegt bei 4,4 Prozent. Oberhausen und Remscheid weisen dagegen jeweils 6,2 Prozent auf. Standardisiert ergeben sich für Solingen 4,3 Prozent und für Oberhausen 6,3 Prozent.
Soziale Lage und Risikofaktoren als Treiber
Der Atlas bringt die regionalen Unterschiede auch mit der sozialen Lage in Verbindung. Bundesweit liegt die Prävalenz in den am stärksten benachteiligten Regionen bei 6,8 Prozent, in den am wenigsten benachteiligten Regionen dagegen nur bei 4,4 Prozent.
Auch klassische Risikofaktoren korrelieren stark mit der regionalen Erkrankungshäufigkeit. In Regionen mit vielen Menschen mit Bluthochdruck liegt die Herzinsuffizienz-Prävalenz bei 8,4 Prozent, in Regionen mit wenigen Betroffenen nur bei 4,2 Prozent.
Ähnlich verhält es sich beim Rauchen: 6,6 Prozent in Regionen mit hohem Raucheranteil stehen 4,7 Prozent in Regionen mit niedrigem Anteil gegenüber. Bei Typ-2-Diabetes reicht die Spanne von 4,3 bis 8,1 Prozent.
Sabine Deutscher, Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg, betonte, Prävention müsse frühzeitig, niedrigschwellig und dort ansetzen, wo Unterstützung tatsächlich gebraucht werde.
Mecklenburg-Vorpommern: Jeder Fünfte ab 75 Jahren betroffen
Besonders ausgeprägt zeigt sich die Problematik in Mecklenburg-Vorpommern. Dort lebten 2024 rund 79.000 Menschen ab 30 Jahren mit Herzschwäche. Die Mecklenburgische Seenplatte weist mit 8,1 Prozent den höchsten Anteil im Bundesland auf, gefolgt von Vorpommern-Greifswald mit 7,2 Prozent und Ludwigslust-Parchim mit 7,0 Prozent. Rostock bildet mit 5,2 Prozent die einzige Region im Land, die unter dem Bundesdurchschnitt von 5,5 Prozent liegt.
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In Mecklenburg-Vorpommern ist nach den Daten des Atlas mittlerweile rund jeder fünfte Mensch ab 75 Jahren von Herzinsuffizienz betroffen. Als zentrale Risikofaktoren nennt die AOK auch hier Rauchen, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes.
Daniela Teichert, Vorstandschefin der AOK Nordost, forderte, Präventionsangebote an den tatsächlichen Lebensbedingungen der Menschen auszurichten und betroffene Landkreise gezielter zu fördern. Die Auswertungen des Gesundheitsatlas legen damit nahe, dass eine wirksame Vorbeugung gegen Herzinsuffizienz nicht nur das Alter, sondern auch soziale und regionale Rahmenbedingungen berücksichtigen muss.
