Herzschwäche, Patienten

Herzschwäche: 99% aller Patienten haben mehrere Risikofaktoren

28.05.2026 - 10:48:49 | boerse-global.de

Neue Forschung zeigt komplexe Herausforderungen bei Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion. GLP-1-Agonisten und Gentherapie bieten vielversprechende Ansätze.

Herzschwäche: 99% aller Patienten haben mehrere Risikofaktoren - Foto: über boerse-global.de
Herzschwäche: 99% aller Patienten haben mehrere Risikofaktoren - Foto: über boerse-global.de

Die Behandlung von Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) bleibt eine der größten Herausforderungen der Kardiologie. Jetzt zeigen neue Studien, wie komplex die Lage ist.

SPIRIT-HF-Studie: Pandemie erschwert Ergebnisse

Die deutsche SPIRIT-HF-Studie sollte eigentlich Klarheit bringen, ob Spironolacton Patienten mit HFpEF hilft. Doch die globalen Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Auswertung erheblich gestört. Forscher räumen ein, dass die Ergebnisse kaum definitive Schlüsse zulassen – ein herber Rückschlag für ein Forschungsfeld, das dringend wirksame Medikamente braucht.

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Bereits die Vorgängerstudie TOPCAT hatte ähnliche Schwierigkeiten. Damals ging es ebenfalls um Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten bei dieser Patientengruppe. Die Frage bleibt: Wer profitiert wirklich von diesen Wirkstoffen?

Risikofaktoren: Fast jeder Herzpatient hat mehrere Baustellen

Eine groß angelegte Studie aus dem Jahr 2025 im Journal of the American College of Cardiology liefert alarmierende Zahlen. Forscher um Lee et al. werteten Daten von über 9,4 Millionen Menschen aus der KNHIS-Datenbank sowie mehr als 6.800 Teilnehmer der MESA-Studie aus.

Das Ergebnis: Bei 99 Prozent aller kardiovaskulären Ereignisse – Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzversagen – lag mindestens ein Risikofaktor im nicht-optimalen Bereich. Dazu zählen Blutdruckwerte ab 120/80 mmHg, Cholesterin ab 200 mg/dl, Blutzucker ab 100 mg/dl oder Rauchen in der Vorgeschichte.

Die Botschaft ist klar: Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekämpfen will, muss alle Risiken gleichzeitig angehen.

Neue Wirkstoffklassen: GLP-1 und Gentherapie

Während klassische Medikamente wie Spironolacton an ihre Grenzen stoßen, eröffnen neue Therapieansätze Hoffnung:

GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid können das Körpergewicht innerhalb eines Jahres um 10 bis 20 Prozent senken. Eine Studie aus dem Jahr 2025 in Nature Medicine belegt zudem: Bei Typ-2-Diabetikern sinken die Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall und vorzeitigen Tod deutlich.

Noch spektakulärer klingt die Gentherapie VERVE-102: Eine einzige Infusion senkte das LDL-Cholesterin über 18 Monate um bis zu 62 Prozent. Die Ergebnisse wurden Ende Mai 2026 auf dem EAS-Kongress in Athen vorgestellt – allerdings handelt es sich erst um eine Phase-1-Studie.

Bewegung senkt Blutdruck – und zwar deutlich

Nicht nur Pillen helfen. Eine Meta-Analyse von 31 randomisierten kontrollierten Studien mit über 1.345 Teilnehmern, veröffentlicht im British Journal of Sports Medicine, zeigt: Bewegung senkt den Blutdruck nachweislich.

  • Aerobes Training: minus 4,73 mmHg systolisch
  • Hochintensives Intervalltraining (HIIT): minus 5,71 mmHg
  • Kombiniertes Training: minus 6,18 mmHg
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Die Werte sind klinisch relevant – und zeigen, dass regelmäßige Bewegung eine echte Medizin sein kann.

Experimentelle Verfahren: Endoskopie gegen Gewichtszunahme

Ein neuer Ansatz könnte Patienten helfen, die GLP-1-Präparate absetzen müssen. Auf der Digestive Disease Week 2026 präsentierten Forscher Daten zur sogenannten duodenalen Mukosaresektion. Dieses endoskopische Verfahren soll verhindern, dass Patienten nach dem Absetzen der Abnehmspritzen wieder zunehmen.

Ein vielversprechender Ansatz – denn das Jo-Jo-Phänomen ist eines der größten Probleme bei Adipositas-Therapien.

Schlafapnoe: Nervenstimulator als Option

Auch Begleiterkrankungen spielen bei Herzinsuffizienz eine Rolle. Eine 2026 im Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie zeigt: Bei obstruktiver Schlafapnoe können Hypoglossus-Nervenstimulatoren erhebliche Erleichterung bringen. Das komplexe Zusammenspiel von Schlafstörungen und Herzschwäche rückt damit stärker in den Fokus der Forschung.

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