Herzschutz, Treppensteigen

Herzschutz: Treppensteigen senkt Todesrisiko um 39%

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehr als 925.000 Tests zeigen häufig ein erhöhtes Herzalter. Studien beleuchten zudem Xylit, Treppensteigen, PCSK9-Hemmer und KI-Diagnostik.

Herzalter-Analyse zeigt zentrale Risiken und neue Therapieansätze
Ein minimalistischer, heller Untersuchungsraum in einer Arztpraxis mit einem Stethoskop auf einem Tisch. Illustration mit AI erstellt.

Eine umfassende Auswertung von mehr als 925.000 Herzaltertests seit Juni 2019 liefert neue Einblicke in den kardiovaskulären Gesundheitszustand der Bevölkerung.

Die Daten des Anbieters Gateo verdeutlichen eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem biologischen Alter des Herzens und dem chronologischen Lebensalter der Probanden. Den Ergebnissen zufolge weisen 17,5 % der Männer und 12,0 % der Frauen ein Herzalter auf, das mindestens fünf Jahre über ihrem tatsächlichen Alter liegt.

Identifikation der primären Risikotreiber

Die Auswertung benennt klare Faktoren, die für die vorzeitige Alterung des Herz-Kreislauf-Systems verantwortlich sind. Als Haupttreiber wurden Adipositas mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30, aktives Rauchen sowie ein hohes LDL-Cholesterin und Diabetes identifiziert.

Besonders auffällig sind die Cholesterinwerte in der Gruppe mit erhöhtem Herzalter: Hier lag der LDL-Wert im Durchschnitt bei 191 mg/dl bei Männern und 197 mg/dl bei Frauen.

Diese Werte stehen in deutlichem Kontrast zu den medizinischen Empfehlungen. Gemäß den Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) wird ein LDL-Zielwert von unter 116 mg/dl angestrebt. Zudem geben die Leitlinien Orientierung für die HDL-Werte, die bei Frauen über 45 mg/dl und bei Männern über 40 mg/dl liegen sollten, wobei ein HDL-Wert von über 80 mg/dl wiederum mit einem erhöhten Risiko assoziiert wird.

Neue Erkenntnisse zu Ernährung und Zusatzstoffen

Im Rahmen kardiologischer Fachdiskussionen Ende August 2026 rückten auch vermeintlich gesunde Alternativen in den Fokus. Eine Langzeitanalyse mit 17.710 Teilnehmern aus Kanada und England, die auf dem ESC-Kongress 2026 thematisiert wurde, untersuchte den Einfluss des Süßstoffs Xylit.

Hohe Xylitwerte im Blut korrelierten dabei mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte und Todesfälle. In der kanadischen Kohorte wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren ein um 57 % erhöhtes Risiko beobachtet, während die britische Langzeitbeobachtung über 30 Jahre eine Steigerung um 18 % feststellte. Die Forscher führen dies auf eine erhöhte Reaktivität der Blutplättchen zurück.

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Parallel dazu warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Süßstoffen mit Blick auf kardiovaskuläre Risiken. Im Bereich der Prävention zeigt hingegen eine im American Journal of Cardiovascular Drugs veröffentlichte Meta-Analyse von neun Studien mit über 480.000 Teilnehmern einfache Gegenmaßnahmen auf. Regelmäßiges Treppensteigen – idealerweise sechs Treppenabsätze pro Tag – senke das Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben, um 39 %.

Fortschritte in der medikamentösen Therapie und Diagnostik

Für Patienten mit bestehender Atherosklerose ohne vorheriges Ereignis lieferte die OPTIMUS-CLASS-Studie relevante Daten. Über einen Zeitraum von fünf Jahren konnte gezeigt werden, dass PCSK9-Hemmer das Risiko für Infarkte und Todesfälle bei den 19.670 Teilnehmern um knapp ein Drittel reduzierten.

Ergänzend dazu deuten Untersuchungen darauf hin, dass Vitamin K2 (MK-7) die Gefäßverkalkung um 25 % verlangsamen kann, wenngleich eine Rückbildung bestehender Plaques nicht beobachtet wurde.

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Auch die technologische Unterstützung in der Risikoprognose schreitet voran. Das Inselspital und die Universität Bern stellten im August 2026 KI-Studien vor, die eine um 10 bis 15 % höhere Genauigkeit bei der Prognose nach einem Aortenklappenersatz (TAVI) im Vergleich zu etablierten Scores erreichten.

Ein weiteres KI-Modell der Universität Hohenheim nutzt Daten des Darmmikrobioms und Blutmetabolome, um den Erfolg von Lebensstiltherapien bei Patienten mit Adipositas Grad III vorherzusagen.

Anpassung der medizinischen Leitlinien

Die kardiologischen Fachgesellschaften reagierten im Spätsommer 2026 zudem mit aktualisierten Leitlinien. Eine wesentliche Neuerung betrifft die Klassifizierung der Herzinsuffizienz, bei der die Kategorie HFmrEF entfällt. Künftig wird lediglich zwischen reduzierter (LVEF <50 %) und erhaltener Auswurffraktion (LVEF ?50 %) unterschieden.

Zudem wird ein systematisches Screening kardiologischer Patienten auf chronische Nierenerkrankungen (CKD) empfohlen, da eine eingeschränkte Nierenfunktion das kardiovaskuläre Risiko signifikant erhöht. In Europa sind schätzungsweise 100 Millionen Menschen von einer solchen chronischen Nierenerkrankung betroffen.

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de | wissenschaft | 70035473 |