Herzschutz, Krebs

Herzschutz bei Krebs: ctDNA-Tests sparen unnötige Chemotherapie

03.06.2026 - 22:51:08 | boerse-global.de

Forscher aus Deutschland und Österreich entwickeln Methoden, um Herzschäden durch Krebstherapien zu minimieren, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen.

Herzschutz bei Krebs: ctDNA-Tests sparen unnötige Chemotherapie - Bild: über boerse-global.de
Herzschutz bei Krebs: ctDNA-Tests sparen unnötige Chemotherapie - Bild: über boerse-global.de

Deutsche und österreichische Forscher arbeiten nun an Lösungen, die sowohl die Wirksamkeit erhalten als auch die Nebenwirkungen minimieren sollen.

Die stille Gefahr: Herzschäden durch Krebstherapien

Die Schnittstelle zwischen Onkologie und Kardiologie rückt zunehmend in den Fokus der Medizin. Wie Experten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) Anfang Juni 2026 berichten, zählen Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und verschiedene Herzrhythmusstörungen zu den häufigsten Komplikationen.

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Die Auslöser sind vielfältig. Besonders problematisch sind Anthrazykline, seit Jahrzehnten bewährte Chemotherapeutika. Auch Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs) – vor allem VEGF-Hemmer – sowie neuere Immuntherapien wie Checkpoint-Inhibitoren stehen im Verdacht, Herzmuskelentzündungen und beschleunigte Arterienverkalkung zu verursachen.

Die Lösung? Systematische Risikostratifizierung. Standardisierte Verfahren wie die HFA-ICOS-Scores helfen Ärzten, gefährdete Patienten bereits vor Behandlungsbeginn zu identifizieren und entsprechend zu überwachen.

Nano-Emulsionen aus Algenöl: Schutz von innen

Ein vielversprechender Ansatz kommt aus Österreich. Die Medizinische Universität Graz hat Anfang Juni 2026 ein neues Christian-Doppler-Labor für Lipid-Emulsionen eröffnet. Das auf sieben Jahre angelegte Projekt wird vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) sowie Fresenius Kabi Austria unterstützt.

Ziel der Forscher: Intravenöse Nanoemulsionen auf Basis von Omega-3-Fettsäuren aus Algenöl. Diese sollen Chemotherapien nicht nur verträglicher machen, sondern auch deren Wirksamkeit verbessern. Ein echter Paradigmenwechsel wäre das – weg von der reinen Schadensbegrenzung, hin zur aktiven Protektion gesunden Gewebes.

Ein Peptid gegen Therapie-Leukämie

Noch einen Schritt weiter geht ein Team der Universität Ulm. Die Forscher haben einen molekularen Schutzmechanismus entdeckt, der behandlungsbedingte Leukämien verhindern könnte. In der Fachzeitschrift Nature Communications beschreiben sie ein Peptid, das DNA-Brüche durch Chemo- und Strahlentherapie hemmt.

Das Besondere: Das Peptid schützt ausschließlich gesunde Zellen, ohne die Anti-Tumor-Wirkung zu beeinträchtigen. Könnte das der Schlüssel zu deutlich sichereren Krebstherapien sein? Die ersten Ergebnisse lassen hoffen.

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Wenn das Herz aus dem Takt gerät: Bestrahlung gegen Rhythmusstörungen

Manche Herzrhythmusstörungen trotzen jeder Behandlung – weder Medikamente noch Katheter-Eingriffe helfen. Hier kommt die Radio-Onkologie ins Spiel. Das europäische STOPSTORM-Konsortium veröffentlichte 2026 im European Heart Journal vielversprechende Ergebnisse zur sogenannten Arrhythmia Radioablation (STAR).

Die Methode nutzt hochentwickelte Strahlentherapie-Technologie, um die fehlgeleiteten Areale im Herzen gezielt zu neutralisieren. Eine Fusion aus Onkologie und Kardiologie – und ein Rettungsanker für Patienten, denen sonst kaum noch geholfen werden kann.

Weniger ist mehr: Therapie nach Maß

Der Trend auf dem ASCO 2026-Jahrestreffen in Chicago war eindeutig: weg von der Breitseite, hin zur Präzision. Für bestimmte Brustkrebsarten wird bereits erforscht, ob Chemotherapie komplett durch gezieltere Behandlungen ersetzt werden kann.

Besonders eindrucksvoll sind die Daten der CIRCULATE-Studie (2020–2025). Über 2.100 Patienten an mehr als 140 Zentren in Deutschland und Österreich nahmen teil. Die Erkenntnis: Circulating Tumor DNA (ctDNA)-Tests können zeigen, welche Darmkrebs-Patienten nach einer Operation tatsächlich von einer Chemotherapie profitieren.

Das Ergebnis spricht für sich: ctDNA-negative Patienten hatten nach drei Jahren eine 87-prozentige Rückfallfreiheit. Für sie bedeutet das: keine unnötige Chemotherapie – und damit auch keine unnötige Belastung für das Herz.

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