Herzschäden: Chronische Entzündungen sichtbar vor Symptomen
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass chronische Entzündungen, die durch Stress und den Lebensstil bedingt sind, bereits zu strukturellen Schäden am Herzen führen können, noch bevor klinische Symptome erkennbar sind.
Eine umfassende Untersuchung des MRC LMS und des Imperial College London, die Daten von fast 480.000 Erwachsenen der UK-Biobank einbezog, verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Entzündungsprozessen und morphologischen Veränderungen des Herzmuskels.
Umfangreiche Datenbasis der UK-Biobank-Studie
Die Forscher des MRC LMS und des Imperial College London stützten ihre Analyse auf eine breite Datenbasis. Laut Berichten vom September 2026 wurden insgesamt 488.079 Teilnehmer einer GlycA-Messung unterzogen, einem Marker für systemische Entzündungen.
Bei 70.809 dieser Personen lagen zudem detaillierte Herz-MRT-Aufnahmen sowie EKG-Daten vor. Ergänzend führten die Wissenschaftler eine sogenannte Exposom-Analyse bei 478.941 Teilnehmern durch, um Umwelteinflüsse und Lebensstilfaktoren systematisch zu erfassen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein erhöhter GlycA-Wert unmittelbar mit messbaren Veränderungen der Herzstruktur korreliert. Probanden mit höheren Entzündungswerten wiesen tendenziell kleinere Herzkammern und ein geringeres Schlagvolumen auf. Zudem beobachteten die Experten bei diesen Teilnehmern dickere Herzwände sowie eine beeinträchtigte diastolische Funktion.
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Langzeitrisiken und statistische Signifikanz
Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung war die Beobachtung über einen längeren Zeitraum. Nach einem medianen Beobachtungszeitraum von 15,3 Jahren wurden insgesamt 74.336 primäre Endpunkte dokumentiert. Die statistische Auswertung ergab für das Fünftel der Teilnehmer mit den höchsten GlycA-Werten eine Hazard Ratio (HR) von 1,43 (95%-KI 1,38–1,49).
Besonders deutlich zeigte sich das Risiko bei der Gegenüberstellung der Extremgruppen: Die obersten 20 Prozent der Gruppe mit den höchsten Entzündungswerten trugen ein um 43 Prozent höheres kombiniertes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle im Vergleich zu den untersten 20 Prozent.
Bemerkenswert sei laut der Studie, dass dieses erhöhte Risiko auch bei Personen bestand, die zuvor keine diagnostizierte Herzerkrankung aufwiesen. Die Entzündungsprozesse scheinen somit als eigenständiger Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer Ereignisse zu fungieren.
Ursachenforschung und biologische Treiber
Die Analyse identifizierte verschiedene Faktoren, die mit einer erhöhten Entzündungsneigung assoiiert sind. Dazu gehören neben sozioökonomischer Benachteiligung und psychischer Belastung auch klassische Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Übergewicht. Zudem spiele eine genetische Komponente eine Rolle bei der individuellen Entzündungsanfälligkeit.
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Auf molekularer Ebene konnten die Proteine Interleukin-1 und TNF als mögliche Mediatoren beziehungsweise Treiber dieser Prozesse identifiziert werden. Trotz dieser Erkenntnisse über die biologischen Mechanismen gibt es derzeit noch keine etablierten medikamentösen Behandlungen, die spezifisch auf diese durch Stress und Lebensstil ausgelösten chronischen Entzündungen zur Prävention von Herzschäden abzielen.
Förderung und wissenschaftliche Einordnung
Die Forschungsarbeit wurde vom Medical Research Council sowie der British Heart Foundation finanziert. Die detaillierten Ergebnisse der Studie wurden unter dem Titel „Exposome-wide analysis of inflammation and cardiovascular disease“ im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht (DOI: 10.1093/eurjpc/zwag435).
Die beteiligten Wissenschaftler betonen durch ihre Analyse die Notwendigkeit, Entzündungswerte bereits frühzeitig als Indikatoren für potenzielle Herzschäden zu betrachten, um präventive Maßnahmen effektiver gestalten zu können.
