Herzrisiko, Hälfte

Herzrisiko unterschätzt: Die Hälfte der Betroffenen erkennt die Gefahr nicht

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 22:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Gesetzentwurf reagiert auf hohe Herz-Kreislauf-Sterblichkeit und Fehleinschätzungen persönlicher Risiken; ein Kompetenzzentrum für Bewegung ist vorgesehen.
Ein heller, minimalistischer Flur in einer modernen medizinischen Einrichtung mit reflektierenden Böden. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Herzgesundheit, dem sogenannten Gesundes-Herz-Gesetz (GHG), strebt das Bundesgesundheitsministerium an, die Früherkennung und Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland spürbar zu verbessern.

Hintergrund der Initiative ist eine seit Jahren bestehende Diskrepanz zwischen überdurchschnittlich hohen finanziellen Aufwendungen im Gesundheitssystem und einer im westeuropäischen Vergleich zurückbleibenden Lebenserwartung.

Hohe Kosten und Defizite bei der Lebenserwartung

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums beliefen sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland im Jahr 2021 auf über 5.000 Euro pro Kopf, während der EU-Durchschnitt bei rund 4.000 Euro lag. Demgegenüber bezifferte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung die Lebenserwartung in Deutschland für das Jahr 2022 auf 80,6 Jahre – ein Wert, der 1,7 Jahre unter dem westeuropäischen Durchschnitt lag.

Statistisches Material zum Gesetzentwurf belegt die Dimension der Belastung: Herz-Kreislauf-Erkrankungen machten im Jahr 2021 ein Drittel aller Todesfälle in Deutschland aus.

Krankheiten des Kreislaufsystems verursachten im Jahr 2020 Gesamtkosten von rund 57 Milliarden Euro. Als wesentlicher Auslöser für die gesetzgeberischen Maßnahmen gilt ein im Fachjournal European Journal of Epidemiology erschienener Beitrag.

Die Autoren stellten fest, dass Deutschland unter allen OECD-Ländern mit Ausnahme der USA die geringste Lebenserwartung aufweise, ungeachtet der hohen Ausgaben. Ursächlich hierfür seien vor allem eine überhöhte Sterblichkeit infolge von Herz-Kreislauf-Leiden sowie Defizite in der Früherkennung.

Fachverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die Deutsche Herzstiftung bewerten den Nutzen der im Gesetzesentwurf vorgesehenen Präventionsmaßnahmen als deutlich höher im Vergleich zu den entstehenden Kosten. Zudem soll das geplante Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM) neben Krebserkrankungen und Demenz künftig auch Koronare Herzkrankheiten in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen.

Erhebliche Lücken bei der individuellen Risikowahrnehmung

Dass Handlungsbedarf bei der Diagnostik besteht, belegen epidemiologische Erhebungen. Demnach wiesen von 3.271 untersuchten Teilnehmenden im Alter von 35 bis 69 Jahren ohne vorherige Herzinfarkt- oder Schlaganfalldiagnose 73,5 Prozent ein niedriges Zehn-Jahres-Risiko von unter fünf Prozent auf.

Anzeige

Wer das eigene Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser einschätzen möchte, kann mit diesem unkomplizierten Online-Verfahren in nur zwei Minuten eine erste Orientierung erhalten. Bio-Alter-Test: So fit ist Ihr Körper wirklich

Bei 7,8 Prozent lag das Risiko im Bereich von 5 bis unter 7,5 Prozent, bei 6,0 Prozent galt es mit 7,5 bis unter 10 Prozent als erhöht, und 12,8 Prozent wiesen ein hohes Risiko von zehn Prozent oder mehr auf.

Gleichzeitig klafft zwischen medizinischem Befund und persönlicher Einschätzung eine deutliche Lücke. Daten der Erhebung GEDA 2022 zeigen, dass 28,7 Prozent der Befragten ihr eigenes Risiko als nahezu nicht existent und 45,3 Prozent als gering einstuften. Lediglich 20,4 Prozent sahen ein mäßiges und 5,6 Prozent ein hohes Risiko.

Die Hälfte der Personen mit einem testbasiert erhöhten oder hohen Risiko ging fälschlicherweise von keinem oder nur einem geringen Risiko aus. Eine Untersuchung im Journal of Health Monitoring aus dem Jahr 2025 verknüpft eine solche Unterschätzung vor allem mit einem niedrigeren Bildungsstand, aber auch mit einer subjektiv besseren psychischen Gesundheit und regelmäßiger körperlicher Aktivität.

Bestandsaufnahme zur Prävention und Bewegungsförderung

Neben medizinischen Früherkennungsmaßnahmen rückt der Lebensstil in den Fokus. Das Bundesministerium für Gesundheit legte vier Bestandsaufnahmen für die Jahre 2022 bis 2024 zur Bewegungsförderung vor. Demnach erhoben zwischen 1993 und 2024 insgesamt elf Institutionen in 23 größeren Studien Daten zum Bewegungsverhalten der Bevölkerung.

Anzeige

Ein renommierter Medizinprofessor zeigt Wege auf, wie man Herz-Kreislauf-Risiken durch einfache, gezielte Maßnahmen im Alltag proaktiv und auf natürliche Weise begegnen kann. 7 Tipps zur dauerhaften Regulierung des Blutdrucks kostenlos sichern

Die Auswertungen verdeutlichen, dass ältere Menschen, Frauen, sozioökonomisch benachteiligte Gruppen sowie Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen seltener körperlich aktiv sind.

Zudem offenbaren bestehende Programme Qualitätsunterschiede: Zwar wurden 43 Projekte guter Praxis und 88 Maßnahmen etablierter Praxis erfasst, eine nachgewiesene Wirksamkeit lag jedoch nur bei 11 Prozent der etablierten Maßnahmen vor.

Eine Reichweite von mindestens 100.000 Personen erreichten 12 Prozent der Initiativen guter Praxis und 25 Prozent der etablierten Praxis; eine Laufzeit von unter fÜnf Jahren wiesen 33 Prozent beziehungsweise 9 Prozent auf. Vor diesem Hintergrund ist die Einrichtung eines Nationalen Kompetenzzentrums für Bewegungsförderung vorgesehen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70475905 |