Herzrisiko: TRL-Proteine erhöhen den Koronarrisiko-Score um 16 Prozent
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deKlassische Cholesterinwerte bieten oft nur ein unvollständiges Bild des individuellen Herz-Kreislauf-Risikos. Eine im European Heart Journal veröffentlichte Untersuchung von Forschern der Technischen Hochschule Chalmers in Schweden verdeutlicht, dass herkömmliche Standard-Cholesterintests maßgebliche entzündungsbedingte Gefahren für das Herz übersehen können.
Die Wissenschaftler analysierten dafür 2.918 Plasmaproteine bei über 35.000 Teilnehmern der UK Biobank ohne frühere Herzerkrankung und validierten ihre Ergebnisse extern in der MESA-Kohorte mit 5.915 Personen.
Entzündungsmechanismen und Lipoprotein-Signalwege
Die Mediziner weisen darauf hin, dass laut Weltgesundheitsorganisation jährlich fast 17,9 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben, wobei mehr als vier von fünf dieser Todesfälle auf Herzinfarkte und Schlaganfälle entfallen. Gleichzeitig liege das Cholesterin bei bis zu der Hälfte aller Herzinfarkt-Patienten im Normbereich.
In ihrer Analyse identifizierte das Team der Chalmers-Universität 30 LDL-assoziierte, 471 TRL-assoziierte sowie 53 Lp(a)-assoziierte Proteine. Insgesamt 36 Proteine wurden von den triglyceridreichen Lipoproteinen (TRL) und Lipoprotein(a) [Lp(a)] gemeinsam geteilt und erwiesen sich als in Entzündungswegen angereichert.
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Während die mit LDL verknüpften Proteine vor allem den Cholesterintransport betrafen, standen die Proteinmuster von TRL und Lp(a) in deutlicher Verbindung mit Gefäßveränderungen und Entzündungsprozessen.
Statistisch zeigte sich, dass das Koronarrisiko pro 1 Standardabweichung des TRL-Multiprotein-Scores um 16 Prozent stieg (HR 1,16; 95 %-KI 1,08–1,24).
Für den Lp(a)-Score ergab sich ein Anstieg um 9 Prozent (HR 1,09; 95 %-KI 1,03–1,15), während der LDL-Score keine statistische Signifikanz erreichte (HR 0,95; 95 %-KI 0,89–1,02). Immunaktivierung und vaskuläres Remodeling mediierten laut der Analyse 62 Prozent des TRL- und 14 Prozent des Lp(a)-Risikos.
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Ergänzende Parameter für die klinische Praxis
Die Forscher betonen, dass die Senkung des LDL-Cholesterins weiterhin essenziell bleibe. Die Arbeit habe weder eine neue Therapieform getestet noch einen klinischen Proteintest etabliert, weshalb weitere Forschung zur praktischen Übertragung erforderlich sei. Um bestehende Risiken präziser zu erfassen, empfehlen die Wissenschaftler jedoch ergänzende Tests auf Apolipoprotein B (apoB) und Lp(a).
Da die Lp(a)-Spiegel nahezu vollständig genetisch determiniert sind, lassen sie sich durch Ernährung oder Lebensstil kaum beeinflussen und tauchen im routinemäßigen Lipidprofil nicht separat auf.
Internationale Richtlinien tragen diesen Aspekten zunehmend Rechnung: Sowohl eine europäische Aktualisierung als auch US-amerikanische Leitlinien empfehlen eine Lp(a)-Messung mindestens einmal im Erwachsenenleben, wobei Werte ab 125 nmol/L beziehungsweise 50 mg/dL als risikosteigernd eingestuft werden.
Selektive Bestimmungen von apoB und Entzündungsmarkern wie hsCRP liefern Ärzten zusätzlich wertvolle Anhaltspunkte, um atherogene Restrisiken zu erkennen, die über das reine Standard-Cholesterinprofil hinausgehen.
