Herzrisiko, Menopause

Herzrisiko nach der Menopause: Blutdruck und Cholesterin steigen um 10 bis 20 Prozent

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

2024 starben in Österreich 16.311 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen; Fachgesellschaften verlangen eine geschlechtersensible Versorgung.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Österreichs Frauen häufiger betroffen
Ein heller, ruhiger Behandlungsraum in einem Krankenhaus mit Blick auf eine grüne Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle klinische Daten und Berichte von Fachgesellschaften zum Weltherztag verdeutlichen eine signifikante geschlechtsspezifische Diskrepanz in der kardiologischen Versorgung. In Österreich sterben jährlich mehr als 16.000 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Statistiken aus dem Jahr 2024 belegen mit 16.311 Todesfällen bei Frauen eine deutlich höhere Sterblichkeit als bei Männern; die Differenz lag bei 2.236 Personen, was einer Steigerung von etwa 7 Prozent entspricht.

Ökonomische Auswirkungen und medizinische Herausforderungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die häufigste Todesursache in Österreich dar. Nach Angaben der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) stirbt statistisch gesehen alle 17 Minuten eine Person an den Folgen dieser Erkrankungen, was über ein Drittel aller Todesfälle ausmacht.

Die wirtschaftliche Belastung ist erheblich: Laut OECD-Daten belaufen sich die jährlichen gesamtgesellschaftlichen Kosten in Österreich auf rund 8,5 Milliarden Euro. Innerhalb der Europäischen Union werden die Kosten auf rund 282 Milliarden Euro beziffert.

Kardiologen wie Karlheinz Seidl vom Westpfalz-Klinikum weisen darauf hin, dass anatomische und physiologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern die Diagnostik erschweren. Das Frauenherz ist in der Regel kleiner, während die Herzfrequenz oft höher liegt.

Zudem erleiden Frauen einen Herzinfarkt im Durchschnitt etwa zehn Jahre später als Männer, was primär auf den schützenden Einfluss von Östrogenen vor der Menopause zurückgeführt wird. Lange Zeit galten in der Medizin vorwiegend männliche Normwerte, etwa bei Herzklappenfehlern, was zu einer Unterschätzung der Risiken und verzögerten Überweisungen bei Patientinnen führte.

Symptomatik und Präventionsfenster in der weiblichen Biografie

Ein zentrales Problem in der Akutversorgung bleibt die geschlechtsspezifische Symptomatik. Während der klassische Herzinfarkt oft mit Brustschmerzen assoziiert wird, zeigen sich bei Frauen häufig unspezifische Anzeichen.

Die Kardiologin Anna Rab, Mitinitiatorin von #GoRed Austria, nennt in diesem Zusammenhang Müdigkeit, Atemnot, Übelkeit und Schwindel sowie Schmerzen im Rücken, Nacken, Kiefer oder Oberbauch. Auch Chahinda Ghossein vom Erasmus MC betont, dass vage Symptome wie Völlegefühl oder extreme Erschöpfung oft zu einer verspäteten Diagnose führen.

Anzeige

Wer Herz und Gefäße präventiv schützen möchte, sollte seine wichtigsten Vitalwerte kennen und richtig einordnen können. Dieser kostenlose 25-seitige Ratgeber hilft Ihnen dabei, Ihre Laborwerte selbst zu verstehen und mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt sichern

Die medizinische Forschung identifiziert zudem spezifische Lebensphasen als kritische Präventionsfenster. Die Wechseljahre gelten als besonders wichtig, da das sinkende Östrogenniveau den Blutdruck, den Cholesterinspiegel und das allgemeine Gefäßrisiko erhöht. Nach der Menopause steigen Blutdruck und Cholesterinwerte laut Fachleuten um 10 bis 20 Prozent an.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Schwangerschaft. Nach Angaben der Klinik Hietzing sind kardiovaskuläre Erkrankungen laut der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) die häufigste nicht-geburtshilfliche Todesursache bei Schwangeren und für rund 33 Prozent der schwangerschaftsbedingten Todesfälle weltweit verantwortlich. Im August 2025 aktualisierte Leitlinien der ESC empfehlen daher interdisziplinäre Teams zur Begleitung von Hochrisikopatientinnen.

Risikofaktoren und Forderungen an die Regelversorgung

Der Bluthochdruck bleibt global einer der größten Risikofaktoren. Christian Koppelstätter, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie (ÖGH), führt 17 Prozent der weltweiten Todesfälle auf Hypertonie zurück.

Eine Untersuchung der ÖGH aus dem Jahr 2017 verdeutlichte das Ausmaß: 40 Prozent der getesteten Personen wussten nichts von ihrem Bluthochdruck, und 60 Prozent der bereits therapierten Patienten befanden sich nicht innerhalb der Zielwerte. Besonders bei Frauen ab 65 Jahren ist der Blutdruck anteilig häufiger nicht optimal eingestellt.

Anzeige

Da Bluthochdruck oft schleichend zum Risiko wird, ist eine natürliche Regulierung der Werte für viele Betroffene ein wichtiger Baustein der Vorsorge. Ein renommierter Medizinprofessor erklärt in diesem Spezialreport, wie Sie Ihren Blutdruck mit sieben konkreten Tipps dauerhaft und ohne sofortigen Griff zur Pille senken können. Gratis-Spezialreport: Bluthochdruck natürlich senken

Zu den weiteren wesentlichen Risikofaktoren zählen erhöhte LDL-Cholesterinwerte. Experten wie Matthias Blüher von der Uniklinik Leipzig definieren Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und LDL-Cholesterin als die „Big Five“ der Herzrisiken. Die Zielwerte für das LDL-Cholesterin variieren dabei stark je nach individuellem Profil und bestehen bei Patienten mit Diabetes seit über zehn Jahren beispielsweise bei unter 70 mg/dl.

Auf regulatorischer Ebene plant die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), geschlechtsspezifische Aspekte systematischer zu berücksichtigen. Dies umfasst die Repräsentation von Frauen in klinischen Studien sowie die verstärkte Erhebung von Evidenz für die Phasen der Schwangerschaft und Stillzeit.

National fordern Fachgesellschaften wie die ÖKG eine Modernisierung der Vorsorge und die Etablierung digitaler Managementinstrumente wie den Herzplan, um den EU-Safe-Hearts-Plan bis 2035 umzusetzen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70201350 |