Herzrisiko bei jungen Erwachsenen: 80% erfüllen Gefäßrisiko-Kriterien
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kardiovaskuläre Erkrankungen gelten gemeinhin als Alterskrankheiten. Mehrere aktuelle Untersuchungen legen jedoch nahe, dass sich Risikofaktoren für Herz, Nieren und Stoffwechsel bereits bei jungen Erwachsenen häufig nachweisen lassen – oft ohne dass Betroffene davon wissen.
Vier von fünf jungen Erwachsenen betroffen
Eine US-Studie an 1.283 jungen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren kommt zu einem markanten Ergebnis: 80 Prozent der Teilnehmer erfüllen Kriterien für ein sogenanntes kardiovaskulär-renal-metabolisches (CKM) Risiko.
Die Studie unterteilt die Betroffenen in Stufen: 40,2 Prozent befinden sich in Stufe 1, 36,2 Prozent in Stufe 2 und 2,8 Prozent bereits in der fortgeschritteneren Stufe 3.
Dass diese Einstufung nicht nur auf dem Papier existiert, zeigen Messungen der Intima-Media-Dicke, einem Marker für Gefäßveränderungen: Während Teilnehmer der Stufe 0 einen Wert von 0,622 Millimetern aufweisen, liegt dieser bei Personen in Stufe 3 bereits bei 0,72 Millimetern. Die Gefäßwände verändern sich demnach messbar, lange bevor klassische Herzinfarkt- oder Schlaganfallsymptome auftreten.
Prognosen bis 2050
Die Studie liefert auch eine Projektion für die kommenden Jahrzehnte. Bis 2050 soll die Adipositas-Rate bei 20- bis 44-Jährigen von aktuell 41,7 Prozent auf 60 Prozent steigen.
Noch deutlicher fällt der erwartete Anstieg bei Diabetes aus: von 6,1 Prozent auf 15,5 Prozent. Sollten sich diese Trends bestätigen, würde ein wachsender Anteil junger Erwachsener bereits im mittleren Lebensalter mit den Folgen metabolischer Erkrankungen konfrontiert.
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Ablagerungen auch bei unter 30-Jährigen
Ergänzend dazu liefert eine Untersuchung des spanischen CNIC (Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares) unter Leitung von Dr. Borja Ibáñez weitere Belege dafür, dass Gefäßveränderungen früher beginnen als lange angenommen.
Mittels 3D-Ultraschall und Computertomografie wiesen die Forscher bei 57 Prozent der untersuchten Erwachsenen Plaques in den Gefäßen nach. Selbst in der Gruppe der unter 30-Jährigen zeigten sich bereits bei 9 Prozent der Männer und 7 Prozent der Frauen entsprechende Ablagerungen.
Grenzen der Ganzkörper-Früherkennung
Angesichts solcher Befunde liegt der Gedanke nahe, sich präventiv per Ganzkörper-Magnetresonanztomografie (MRT) durchchecken zu lassen. Daten zu diesem Verfahren dämpfen jedoch die Erwartungen: Bei 45 von 100 gesunden Personen werden bei einer Ganzkörper-MRT Auffälligkeiten gefunden – doch in 43 dieser Fälle handelt es sich um falschen Alarm.
Nur ein bis zwei Befunde bestätigen sich tatsächlich als relevant. Hinzu kommt, dass die Untersuchung mit Kosten zwischen 1.000 und 2.000 Euro verbunden ist und nicht von den Krankenkassen übernommen wird.
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Einordnung für die Praxis
Die vorliegenden Daten zeichnen ein zwiespältiges Bild. Einerseits deuten sie darauf hin, dass kardiovaskulär-metabolische Risiken deutlich früher im Leben entstehen, als es das klassische Bild der Herzkrankheit als Alterserscheinung vermuten lässt – die hohe Zahl an CKM-Betroffenen unter jungen US-Erwachsenen sowie die Plaque-Nachweise bei unter 30-Jährigen in der CNIC-Studie sprechen dafür.
Andererseits zeigen die Erfahrungen mit der Ganzkörper-MRT, dass teure Pauschal-Screenings ohne gezielte Fragestellung mit einer hohen Rate an Fehlalarmen einhergehen und für die breite Bevölkerung wenig praktikabel erscheinen. Die Befunde sprechen eher für eine frühere, gezielte Risikoabklärung etwa über Blutwerte und Gefäßuntersuchungen als für unspezifische Ganzkörperchecks.
