Herzmedizin in Peking: 90 Prozent der US-Bevölkerung erfüllen Risikokriterien
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf der 37. Great Wall Cardiology Conference, die gemeinsam mit dem Asian Heart Congress in Peking stattfand, standen am 17. Oktober 2026 zukunftsweisende Konzepte der Herz-Kreislauf-Medizin im Mittelpunkt. Führende Fachleute diskutierten über das gesamte Spektrum der kardiologischen Versorgung – von hochpräzisen kathetergestützten Interventionen bis hin zu Strategien für ein aktives, präventives Gesundheitsmanagement.
Globale Herausforderungen und metabolische Risikofaktoren
Bereits am 16. Oktober 2026 legte Kirsten Bibbins-Domingo, Herausgeberin der Fachzeitschrift JAMA, den Fokus auf die weltweite Entwicklung der kardiovaskulären Gesundheit. Sie wies darauf hin, dass die kardiovaskuläre Mortalität global stagniere, während die absolute Zahl der Todesfälle weiter ansteige.
Zudem erfüllten rund 90 % der US-amerikanischen Bevölkerung die Kriterien des von der American Heart Association definierten kardiovaskulär-renalen-metabolischen Syndroms.
Neben einer weltweit unzureichenden Blutdruckkontrolle und dem Tabakkonsum als führender vermeidbarer Todesursache verwies Bibbins-Domingo auf moderne medikamentöse Therapien. So zeigten GLP-1-Rezeptoragonisten in kardiovaskulären Endpunktstudien eine frühe Trennung der Ereigniskurven, die unabhängig von einer reinen Gewichtsreduktion auftrete.
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Der absolute Nutzen bemesse sich dabei am Zusammenspiel von individueller Ausgangsgefährdung und relativer Risikoreduktion. Künftig müsse die Präventionsmedizin verstärkt auf künstliche Intelligenz und am Körper getragene Sensoren setzen. In diesem Kontext kündigte sie auch die Einführung der neuen Fachpublikation JAMA AI an.
Qualitätskriterien in der interventionellen Bildgebung
Die Weiterentwicklung invasiver Verfahren war ein zentraler Verhandlungspunkt am 17. Oktober 2026. Gary S. Mintz von der Cardiovascular Research Foundation (CRF) setzte sich kritisch mit neutralen Ergebnissen randomisierter kontrollierter Studien zur intravaskulären Bildgebung auseinander.
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Die Aussagekraft mancher Untersuchungen zu intravaskulärem Ultraschall (IVUS) und optischer Kohärenztomografie (OCT) leide unter unzureichenden Trainingseffekten der Behandelnden sowie zu eng gefassten Kriterien für die Stent-Optimierung. In der chinesischen Leitlinie zur perkutanen Koronarintervention (PCI) sind IVUS und OCT für komplexe Eingriffe bereits mit einer Klasse-I-Empfehlung versehen.
Neue Technologien in der Rhythmologie und Früherkennung
Ebenfalls am 17. Oktober 2026 thematisierte Sana Al-Khatib von der Duke University den Stellenwert der gepulsten Feldablation (PFA) in der Elektrophysiologie.
Das Verfahren biete zwar prozedurale Sicherheitsvorteile, konfrontiere die klinische Praxis jedoch auch mit spezifischen Komplikationen wie Koronarspasmen oder einem akuten Nierenversagen infolge einer Hämolyse. Eine Ablation des AV-Knotens bleibe die letzte therapeutische Option, weshalb eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Patienten essenziell sei.
Ergänzend stellte Angela Koh vom National Heart Centre Singapore (NHCS) das sogenannte CRANE-Projekt vor. Die Initiative nutzt das Konzept der Gebrechlichkeit (Frailty) als klinischen Prädiktor, um von reinen Routinebehandlungen zu einer zielgerichteten Präzisionsmedizin überzugehen.
