Herzmedikamente: Eigenmächtiges Absetzen kann lebensgefährlich werden
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medizinische Experten warnen eindringlich davor, verordnete Medikamente bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eigenmächtig abzusetzen. Ein eigenständiges Beenden der Therapie kann lebensgefährliche Zustände herbeiführen.
Selbst nach erfolgreichen operativen Eingriffen, wie dem Einsetzen eines Stents, bleibt das Risiko für erneute Gefäßverschlüsse ohne die fortlaufende medikamentöse Behandlung weiterhin bestehen. In Deutschland leben schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Menschen mit erhöhtem Blutdruck, weshalb die verlässliche Therapietreue eine zentrale Rolle für die kardiovaskuläre Gesundheit spielt.
Vorgaben für die Einnahme und wissenschaftliche Studienlage
Für Hypertoniepatienten gilt die grundlegende Empfehlung, Blutdruckmedikamente regelmäßig täglich zum gleichen Zeitpunkt einzunehmen und die Dosierung nicht eigenmächtig zu verändern oder abzusetzen.
Bezüglich des optimalen Einnahmezeitpunkts lieferte die TIME-Studie aus dem Jahr 2022 wichtige Erkenntnisse: An der Untersuchung nahmen rund 21.000 Hypertoniepatienten über eine durchschnittliche Laufzeit von 5,2 Jahren teil. Dabei erlitten 3,4 Prozent in der Gruppe mit abendlicher Einnahme und 3,7 Prozent in der Gruppe mit morgendlicher Einnahme einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, was keinen statistisch signifikanten Unterschied darstellte.
Demgegenüber hatte die ältere HYGIA-Studie, an der rund 19.000 Patienten über mehr als sechs Jahre teilnahmen, Vorteile für eine Einnahme am Abend berichtet. Diese Untersuchung sah sich jedoch methodischer Kritik ausgesetzt. Die Hochdruckliga empfiehlt vor einer Verlegung der Dosis auf den Abend eine Langzeitblutdruckmessung. Zudem ist bei älteren Menschen zu beachten, dass eine abendliche Gabe das nächtliche Sturzrisiko erhöhen kann.
Besondere Risiken bei entzündlich-rheumatischen Vorerkrankungen
Ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko betrifft auch Personen mit chronischen Entzündungen. In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Erwachsene mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen; die rheumatoide Arthritis und Spondyloarthritiden betreffen jeweils etwa 700.000 Betroffene.
Laut einer S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie liegt das Herzinfarktrisiko bei rheumatoider Arthritis um rund 40 Prozent höher als im Durchschnitt. Bei Spondyloarthritiden ist es je nach wissenschaftlicher Auswertung um 21 bis 51 Prozent gesteigert, während auch das Schlaganfallrisiko moderat erhöht ausfällt.
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Die Fachgesellschaft rät Betroffenen daher, Herz-Kreislauf-Risiken frühzeitig ärztlich überprüfen und behandeln zu lassen sowie Medikamente keinesfalls eigenständig abzusetzen. Rheuma-Patienten sollten klassische Faktoren wie Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Übergewicht und das Rauchen kontrollieren lassen.
Zudem gilt es, die Entzündungsaktivität wirksam einzudämmen sowie Kortison und entzündungshemmende Schmerzmittel möglichst niedrig dosiert und nur so kurz wie nötig einzusetzen.
Zielwerte, Lebensstil und Grenzen alternativer Mittel
Präparate gegen Bluthochdruck dürfen nach fachlichen Ratschlägen keinesfalls durch Hausmittel ersetzt werden. Für pflanzliche Optionen wie Weißdorn existiert kaum belastbare Evidenz, während Rote Bete und Knoblauch lediglich kleine, zumeist kurzfristige Effekte zeigen.
Nahrungsergänzungen mit Kalium können insbesondere bei bestehenden Nierenerkrankungen oder gleichzeitiger Einnahme von ACE-Hemmern, Sartanen sowie kaliumsparenden Diuretika gefährlich sein und bedürfen zwingend einer ärztlicher Abklärung.
Wissenschaftlich gut belegt sind hingegen nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Gewichtsabnahme bei Übergewicht, eine Reduktion von Salz und Alkohol, die DASH-Ernährung sowie körperliche Aktivität. Meta-Analysen zeigen, dass Ausdauer- und Krafttraining den systolischen Blutdruck im Mittel um etwa 4 bis 7 mmHg senken können; eine Gewichtsabnahme bei Übergewicht führt grob zu einer Reduktion von 1 mmHg je verlorenem Kilogramm.
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Für die Einstellung gelten differenzierte Werte: Bei Menschen ab 65 Jahren wird meist ein Zielbereich von 130 bis 139 mmHg systolisch und 70 bis 79 mmHg diastolisch angestrebt, sofern die Mittel gut vertragen werden, um Schwindel und Stürze zu vermeiden.
Bei vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt das Ziel häufig bei systolisch 120 bis 129 mmHg, diastolisch nicht unter 70 mmHg. Bei Diabetes oder chronischen Nierenleiden wird in der Regel ein Wert von unter 130 zu 80 mmHg anvisiert.
Korrekte Diagnose und Erkennung von Notfällen
Als diagnostische Schwelle bei einer standardisierten Praxismessung gelten mindestens 140 mmHg systolisch oder 90 mmHg diastolisch, während ein Heimmessungs-Mittelwert ab 135 zu 85 mmHg als auffällig eingestuft wird. Einzelwerte begründen keine Diagnose. Für die Blutdruck-Selbstmessung empfiehlt sich ein Protokoll über eine Woche mit Messungen jeweils morgens und abends, wobei jeweils zwei aufeinanderfolgende Messungen gemittelt werden sollten.
Auch hormonelle Umstellungen, etwa in den Wechseljahren, können einen Blutdruckanstieg begünstigen, wobei Symptome wie Schwindel oder Herzklopfen allein keine Hypertonie beweisen. Eine Hormontherapie sollte nicht bei unkontrolliertem Bluthochdruck begonnen werden.
Bei extremen Messwerten über 180 mmHg systolisch oder 110 mmHg diastolisch sollte nach rund 30 Minuten Ruhe erneut gemessen werden. Treten akute Notfallzeichen wie Brustschmerz, Atemnot oder plötzliche Lähmungs- und Sprachstörungen auf, muss unverzüglich der Notruf 112 alarmiert werden.

