Herzmedikament Pelacarsen: Phase-3-Studie verfehlt klinische Ziele
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 10:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Forschung zur Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen durch die Senkung von Lipoprotein(a), kurz Lp(a), hat Anfang September 2026 einen Dämpfer erhalten. Ergebnisse der großangelegten klinischen Phase-3-Studie Lp(a)HORIZON zeigen, dass der Wirkstoff Pelacarsen (TQJ230) die gesteckten klinischen Ziele nicht erreicht hat.
Trotz einer erfolgreichen Senkung der Lp(a)-Spiegel im Blut konnte keine signifikante Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber der Placebo-Gruppe nachgewiesen werden.
Studiendesign und klinische Ergebnisse bei erhöhtem Lp(a)
Die Untersuchung mit der offiziellen Kennnummer NCT04023552 umfasste insgesamt 8.323 Patienten, bei denen bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung vorlag und die gleichzeitig erhöhte Lp(a)-Werte aufwiesen. Pelacarsen ist als Antisense-Oligonukleotid-Therapie konzipiert, die gezielt die Produktion dieses spezifischen Lipoproteins in der Leber unterdrücken soll.
Der Fokus der Studie lag auf dem sogenannten 4-Punkte-MACE, einem kombinierten primären Endpunkt. Dieser setzt sich aus der Häufigkeit von kardiovaskulär bedingten Todesfällen, nicht-tödlichen Herzinfarkten, nicht-tödlichen Schlaganfällen sowie dringenden Revaskularisationen zusammen.
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Wie aus Berichten vom 4. September 2026 hervorgeht, verfehlte die Therapie diesen Endpunkt. Zwar bestätigten die Daten, dass die Gabe von Pelacarsen zu einer verringerung der Lp(a)-Konzentration führte, dieser Effekt übersetzte sich jedoch nicht in den erhofften klinischen Nutzen für die Patienten.
Genaue statistische Kennzahlen wie die Hazard Ratio oder p-Werte wurden zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht; eine detaillierte Präsentation der vollständigen Studiendaten wird auf einem kommenden medizinischen Fachkongress erwartet.
Kooperation zwischen Novartis und Ionis unter finanziellem Druck
Pelacarsen wurde ursprünglich von Ionis entwickelt und in der Folge an Novartis lizenziert. Der nun dokumentierte Rückschlag in der klinischen Entwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf die finanzielle Struktur der Partnerschaft.
Für Ionis standen potenzielle Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren in einer Gesamthöhe von bis zu 675 Millionen US-Dollar im Raum, deren Realisierung durch das Ausbleiben eines positiven Studienergebnisses nun fraglich ist.
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Novartis selbst hatte noch im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 14,41 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, was einem Zuwachs von 3 Prozent entsprach, während das Nettoeinkommen in diesem Zeitraum um 19 Prozent auf 3,26 Milliarden US-Dollar gesunken war.
Angesichts dieser Geschäftszahlen war die Hoffnung auf einen neuen Blockbuster im Bereich der Herz-Kreislauf-Medikamente groß. Ein Zulassungsantrag für Pelacarsen wurde nach Bekanntwerden der Studienergebnisse jedoch nicht angekündigt.
Auswirkungen auf die Marktbewertung und weitere Aussichten
Die Reaktion der Finanzmärkte auf die Nachricht vom 4. September 2026 fiel deutlich aus. Die Aktie von Novartis verzeichnete nachbörslich Kursverluste, die je nach Handelsplatz zwischen 4 und 7 Prozent lagen.
Am selben Tag schloss das Papier an der New Yorker Börse bei 159,99 US-Dollar, was einem Minus von 1,90 Prozent im regulären Handel entsprach, bevor es nachbörslich zunächst leicht um 1,82 Prozent zulegen konnte, dann jedoch unter Druck geriet.
Noch stärker traf es den Lizenzpartner Ionis. Der Aktienkurs des Unternehmens brach nachbörslich um etwa 10 bis 12 Prozent ein und sank auf einen Wert von 52,29 US-Dollar. Die negativen Studienergebnisse strahlten zudem auf Mitbewerber im gleichen Indikationsgebiet aus. So gab die Aktie des Unternehmens Amgen, das ebenfalls an Therapien zur Lp(a)-Senkung arbeitet, im Fahrwasser der Novartis-Meldung um 5 Prozent nach.
Fachleute beobachten nun genau, ob die Senkung von Lp(a) grundsätzlich als valider therapeutischer Ansatz für die Reduktion von Herz-Kreislauf-Risiken Bestand hat oder ob die Ergebnisse der Lp(a)HORIZON-Studie eine Neubewertung der gesamten Wirkstoffklasse erforderlich machen. Weitere Klarheit erhoffen sich Branchenexperten von der Veröffentlichung der vollständigen klinischen Datenreihen.
