Herzkranzgefäße: 42,9 Prozent zeigen trotz niedrigen Risikos Entzündungen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der kardiovaskulären Risikobewertung rücken entzündliche Prozesse zunehmend in den Fokus der medizinischen Forschung. In der ersten US-Studie mit dem KI-gestützten Analyseverfahren CaRi-Heart des Unternehmens Caristo Diagnostics zeigten 42,9 Prozent der asymptomatischen, klinisch als Niedrig-Risiko eingestuften Erwachsenen eine erhöhte koronare Entzündung.
Bei 17,9 Prozent der Studienteilnehmer wurde sogar eine sehr hohe Entzündung in mindestens einer Hauptarterie festgestellt. Diese Ergebnisse werfen ein neues Licht auf diagnostische Lücken etablierter Vorsorgeuntersuchungen.
Entzündungsprozesse ohne sichtbare Gefäßveränderungen
Die Untersuchung wurde an Mitgliedern des Programms Biograph Black der Longevity-Klinik Biograph durchgeführt, die von Peter Attia und John Hering mitgegründet wurde. Die Einrichtung bietet Mitgliedschaften im Core-Tarif für 7.500 US-Dollar pro Jahr sowie im Black-Tarif für 15.000 US-Dollar pro Jahr an.
Im Rahmen der Untersuchung wurden koronare Computertomographie-Angiographien (CCTA), kardiometabolische Profile sowie die Analysetools CaRi-Heart und CaRi-Plaque miteinander kombiniert.
Besonders auffällig: Selbst bei Teilnehmern ohne jegliche nachweisbare koronare Plaques wiesen rund 47 Prozent eine erhöhte perivaskuläre koronare Entzündung auf, obwohl alle Probanden beschwerdefrei waren und als Niedrig-Risiko-Patienten galten. Die Studie berichtet über reine Prävalenzdaten und erfasste keine nachfolgenden kardiovaskulären Ereignisse.
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Zudem korrelierten herkömmliche Standard-Blutwerte wie ApoB, non-HDL-C, HbA1c und hs-CRP nicht mit der gemessenen Gefäßentzündung. Auch der etablierte AHA-PREVENT-ASCVD-Risikorechner zeigte keine Übereinstimmung mit den perivaskulären Entzündungswerten.
Ergänzende Daten zur Technologie von Caristo Diagnostics stammen unter anderem aus der ORFAN-Studie, die global bis zu 250.000 Patienten umfasst. Eine britische Studie schloss zudem mehr als 40.000 Personen mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 2,7 Jahren ein.
Grenzen herkömmlicher Vorhersagemodelle
Die Diskrepanz zwischen kalkuliertem Risiko und tatsächlicher Gefäßgesundheit deckt sich mit weiteren epidemiologischen Beobachtungen. In der PURE-Studie traten 41 Prozent der ersten schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse bei Personen auf, denen nach den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation ein niedriges Zehn-Jahres-Risiko bescheinigt worden war. Einzelne klinische Marker verbesserten den Vorhersagewert (C-Index) meist um weniger als 0,01.
Zu ähnlichen Ergebnissen kam die europäische REACT-Studie in Dänemark und Spanien unter der Leitung von Dr. Borja Ibáñez. Bei 16.800 untersuchten Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren ohne bekannte Vorerkrankungen wiesen 57,1 Prozent Plaqueablagerungen in den Arterien auf.
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In der Altersgruppe zwischen 60 und 70 Jahren lag der Anteil bei 90 Prozent. Männer entwickelten Gefäßplaques im Schnitt fünf bis zehn Jahre früher als Frauen, während Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr einen stärkeren Anstieg verzeichneten. Herkömmliche Risikorechner identifizierten in dieser Kohorte nur einen kleinen Teil der Betroffenen.
Systemische Entzündungen und Herzstrukturen
Dass chronische Entzündungsprozesse mit kardiovaskulären Folgeschäden einhergehen, unterstreicht eine im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlichte Untersuchung des Imperial College London.
In einer Analyse der UK-Biobank mit fast 480.000 Teilnehmern wiesen Personen mit den höchsten Werten des Entzündungsmarkers Glykoprotein-Acetyle ein um 43 Prozent höheres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse auf als jene in der niedrigsten Gruppe.
Höhere chronische Entzündungswerte waren in der Beobachtungsstudie, die keine Kausalitätsbelege liefert, mit kleineren Herzkammern, dickeren Herzwänden und einer schlechteren Füllung assoziiert. Bei anhaltender Belastung verkleinern und verdicken sich die Herzen zunehmend, was das Risiko für Herzinsuffizienz und Herzinfarkte ansteigen lässt.
