Herzklappenfehler, Frauen

Herzklappenfehler: 178.000 Frauen sterben jährlich in Deutschland

28.05.2026 - 04:30:11 | boerse-global.de

Moderne Kliniken und Präventionsprogramme sollen der steigenden Zahl von Herzklappenerkrankungen in Deutschland entgegenwirken.

Herzklappenfehler: 178.000 Frauen sterben jährlich in Deutschland - Bild: über boerse-global.de
Herzklappenfehler: 178.000 Frauen sterben jährlich in Deutschland - Bild: über boerse-global.de

Herzklappenfehler werden in Deutschland zunehmend zur Herausforderung – doch moderne Zentren und Früherkennungsprogramme sollen gegensteuern.

190 Millionen Euro für Spitzenmedizin in Bonn

Das Universitätsklinikum Bonn hat Ende Mai offiziell sein neues Herzzentrum eröffnet. Das Land Nordrhein-Westfalen investierte rund 190 Millionen Euro in den Bau, der bereits seit Januar 2026 in Betrieb ist. Unter der Leitung von Professor Farhad Bakhtiary vereint die Klinik Kardiologie, Herzchirurgie und Radiologie unter einem Dach.

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Die Zahlen beeindrucken: Fünf Herzkatheterlabore, zwei Hybrid-OPs und drei spezialisierte Operationssäle stehen für Eingriffe am Herzen bereit. Die enge Verzahnung der Fachbereiche soll Wartezeiten verkürzen und die Behandlungsqualität steigern.

Auch in Thüringen tut sich etwas: Das Klinikum Altenburger Land nahm Ende April einen neuen Herzkatheterarbeitsplatz in Betrieb. Chefarzt Johannes Wilde betont, dass die moderne Bildgebungstechnologie die Strahlenbelastung senkt und gleichzeitig die Präzision bei Eingriffen an verengten Herzkranzgefäßen oder undichten Herzklappen erhöht.

Früherkennung rettet Leben – doch viele Symptome bleiben unerkannt

Die Aortenklappenstenose und die Mitralklappeninsuffizienz zählen zu den häufigsten Herzklappenfehlern, warnt Dr. Anna Brand, Kardiologin bei Vivantes. Bleiben sie unbehandelt, drohen Herzschwäche, Rhythmusstörungen und schwere Atemnot.

Worauf sollten Patienten achten? Mediziner nennen drei Warnsignale:

  • Kurzatmigkeit und Erschöpfung bei Belastung
  • Druckgefühl in der Brust und Schwindel
  • Geschwollene Beine durch Wassereinlagerungen

Die Diagnose erfolgt meist per Echokardiografie – dem Herzultraschall. Bei bestimmten Formen, etwa der Trikuspidalklappeninsuffizienz, sind spezielle Untersuchungswege nötig, um die richtige Therapie zu finden.

Herzschwäche betrifft jeden Zehnten über 70

Die Zahlen sind alarmierend: In Europa leiden ein bis zwei Prozent aller Erwachsenen an Herzinsuffizienz. Bei den über 70-Jährigen steigt die Rate auf über zehn Prozent. Herzklappenfehler, Bluthochdruck und Koronare Herzkrankheit verursachen 80 bis 90 Prozent dieser Fälle.

Ein besonderes Problem: Frauen werden häufig anders krank als Männer – und das oft unbemerkt. Kardiologin Julia Lueg von der DHZC Charité warnt, dass viele Frauen spezifische Risikofaktoren wie Schwangerschaftsbluthochdruck oder die Wechseljahre unterschätzen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sterben jährlich mehr als 178.000 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung fordert deshalb gezieltere Präventionsstrategien für Frauen.

Schonende Eingriffe ersetzen oft die offene Operation

Moderne Verfahren wie die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI) ermöglichen heute viele Eingriffe ohne offene Herzoperation. Doch auch nach der Behandlung ist die richtige Nachsorge entscheidend.

Aktuelle Leitlinien vom Mai 2026 empfehlen Patienten mit Herzschwäche:

  • Tägliches Wiegen – bei mehr als einem Kilo Gewichtszunahme pro Tag oder zwei Kilo pro Woche sollte der Arzt informiert werden
  • Angepasste Flüssigkeitszufuhr
  • Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren
  • Schutzimpfungen gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19
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Präventionswochen und kostenlose Checks im Juni

Die Bundesländer ziehen an einem Strang: Sachsen-Anhalt startet vom 15. bis 19. Juni eine landesweite Präventionswoche mit Vorträgen und Fitness-Checks. Der Erfolg gibt dem Konzept recht: Die Herzinfarkt-Sterblichkeit sank dort von 97 pro 100.000 Einwohnern im Jahr 2014 auf nur noch 56 im Jahr 2023.

In Berlin bietet Vivantes im Juni mehrere Aktionen an. Am 25. Juni können Bürger im Tegel Quartier kostenlos ihre Herzklappen mit einem Stethoskop checken lassen. Das Klinikum Kaulsdorf lädt zudem am 1. Juli zu einem kardiologischen Update – mit Themen wie Herzschwäche-Therapie und Herzamyloidose.

Die Botschaft der Mediziner ist klar: Wer frühzeitig handelt, hat die besten Chancen auf ein gesundes Herz im Alter.

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