Herzklappen: Erste europäische Reparatur ohne offene Operation gelang
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 02:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die interventionelle Kardiologie verzeichnet signifikante Entwicklungen bei minimalinvasiven Verfahren zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen. Ein zentraler Meilenstein gelang am CHU Rennes, wo die erste europäische Reparatur einer Trikuspidalklappe ohne offene Herzoperation durchgeführt wurde.
Zum Einsatz kam dabei die Sonde NuVision 4D ICE, die einen Eingriff mittels Sonde ermöglichte. Die Finanzierung dieser spezialisierten Behandlung wurde durch den Fonds Nominoë sichergestellt.
Diese Entwicklung steht im Kontext klinischer Erkenntnisse wie der TRIC-I-HF-Studie, die im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurde. Die Daten belegen, dass die Korrektur einer Trikuspidalinsuffizienz die Anzahl der Hospitalisierungen selbst bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz senken kann.
Innovative Verfahren bei Herzklappen- und Bypass-Operationen
Neben der Reparatur der Trikuspidalklappe gewinnen auch Transkatheter-Aortenklappenimplantationen (TAVI) an Bedeutung. Im Republikanischen Kardio-Dispensar in Tschuwaschien wurden sieben TAVI-Eingriffe bei Patienten im Alter zwischen 77 und 83 Jahren erfolgreich abgeschlossen.
Die Eingriffe erfolgten über die Oberschenkelarterie, ohne Eröffnung des Brustkorbs oder den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Laut dem dortigen Chefarzt Wadim Babokin liegt die durchschnittliche Operationsdauer bei etwa einer Stunde; bis zum Jahresende werden rund 30 solcher Eingriffe angestrebt.
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Parallel dazu belegt eine auf der ESC-Jahrestagung in München vorgestellte TAVI-Studie, dass das Verfahren bei Patienten mit gleichzeitiger Aortenstenose und Koronarsklerose problemlos vor einer perkutanen Koronarintervention (PCI) erfolgen kann.
In Österreich setzt die Klinik Floridsdorf in Wien neue Akzente durch die Kombination einer Bypass-Operation mit einer Stoßwellentherapie am offenen Herzen. Der Herzchirurg Martin Grabenwöger berichtete in diesem Zusammenhang von einer Verbesserung der Pumpleistung um 12 Prozentpunkte.
Angesichts von weltweit etwa 1,4 Millionen Menschen mit Herzmuskelschwäche und einem Durchschnittsalter von 68 Jahren gewinnen solche kombinierten Ansätze an klinischer Relevanz. In Deutschland werden jährlich über 30.000 Bypass-Versorgungen durchgeführt, wobei 20 bis 30 Prozent der Patienten den Eingriff im Rahmen eines akuten Infarktgeschehens erhalten.
Neue Standards in der Diagnostik und Risikostratifizierung
Die kardiologische Prävention wird durch aktualisierte Leitlinien wie den Österreichischen Lipidkonsensus 2026 gestärkt. Erstmals seit 2016 wurde dieses Dokument von 15 Fachgesellschaften und 32 Experten umfassend überarbeitet. Zu den zentralen Empfehlungen gehört die Erstellung eines Standardlipidprofils, das unter anderem Gesamtcholesterin, LDL-C und Lipoprotein(a) umfasst.
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Die Bestimmung von Lp(a) sollte demnach mindestens einmal im Leben erfolgen, während das erste Lipidprofil idealerweise zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr erhoben wird. Zur Risikoeinschätzung werden Instrumente wie SCORE2 empfohlen.
Im Bereich der technischen Diagnostik lieferte eine peer-reviewte Studie zu der SCG-Technologie des Unternehmens Acarix neue Daten. In einer Untersuchung mit 218 Patienten erreichte der HFrEF-Score im Vergleich zum herkömmlichen NT-proBNP-Bluttest eine Spezifität von 92 Prozent gegenüber 68,8 Prozent (p<0,001).
Der positive prädiktive Wert (PPV) lag bei 57,7 Prozent. Der entsprechende HF-Algorithmus verfügt jedoch bislang noch nicht über eine CE- oder FDA-Zulassung.
Digitalisierung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz
Ein weiteres Wachstumsfeld ist die Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) in der Kardiologie und Intensivmedizin. Im Vorfeld des Welt-Sepsis-Tags weisen Fachleute wie Prof. Jens Werner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), darauf hin, dass KI-Anwendungen in der Früherkennung von Sepsis bereits eingesetzt werden, da sie bei der Mustererkennung menschlichen Kapazitäten überlegen seien. In Deutschland sterben jährlich etwa 85.000 Menschen an den Folgen einer Sepsis.
Auch in der pharmazeutischen Entwicklung wird der Einfluss von KI analysiert. Prof. Iris Löw-Friedrich und der Portfoliomanager Kai Brüning erläuterten, dass die Medikamentenentwicklung inklusive Fehlschlägen derzeit rund drei Milliarden Euro koste. KI könne die Entwicklungszeit von der vorklinischen Phase bis zur Marktzulassung um etwa 30 Prozent verkürzen.
Ein substanzieller Nachweis für eine gesteigerte Profitabilität durch KI stehe in der Branche jedoch noch aus. Am Fraunhofer IMTE in Lübeck wird zudem an Point-of-Care-Technologien und Robotik gearbeitet, um die medizinische Versorgung angesichts des demografischen Wandels flächendeckend zu sichern.
