Herzinsuffizienz vorbeugen: Experten empfehlen vier Wirkstoffklassen parallel
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein im Fachblatt European Journal of Heart Failure veröffentlichter Expertenkonsens plädiert für einen grundlegenden Strategiewechsel bei der Vorbeugung von Herzinsuffizienz.
Um gefährdete Patientinnen und Patienten im kardiovaskulär-renal-metabolischen (CKM) Spektrum wirksam zu schützen, empfehlen Fachleute den frühzeitigen und parallelen Einsatz etablierter medikamentöser Therapien. Wie aus einem Bericht von Anfang Oktober 2026 hervorgeht, setzt das Konzept auf ein proaktives Eingreifen, noch bevor manifeste Organschäden auftreten.
Vier Wirkstoffklassen für Hochrisikogruppen
Die Schnittstelle von Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen gilt in der klinischen Praxis als besonders risikobehaftet. Der Konsens definiert konkrete therapeutische Säulen, die kombiniert werden sollen. Zu den empfohlenen Wirkstoffklassen zählen:
- SGLT2-Hemmer
- Nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten
- GLP-1-Rezeptoragonisten
- Renin-Angiotensin-System-Hemmer (RAS-Hemmer)
Das zentrale Behandlungsziel dieser medikamentösen Interventionen liegt darin, Herzinsuffizienzereignisse sowie kardiovaskuläre Todesfälle messbar zu verringern. Gleichzeitig zielt der Ansatz darauf ab, das Fortschreiten einer bestehenden chronischen Nierenkrankheit (CKD) bei Hochrisikogruppen wirksam auszubremsen.
Durch den gleichzeitigen Einsatz der verschiedenen Substanzklassen sollen synergistische Effekte erzielt werden, die über die Wirkung einer sequenziellen Einzeltherapie hinausgehen.
Der neue Expertenkonsens im European Journal of Heart Failure fordert einen Strategiewechsel: bewährte Therapien früh und parallel einsetzen, nicht erst bei manifestem Organschaden. Wer im CKM-Spektrum behandelt, braucht dafür eine klare Reihenfolge und ein Monitoring, das Verträglichkeit und Erfolg lückenlos abbildet. Unser kostenloser Leitfaden übersetzt den Konsens in drei Arbeitsschritte für den Praxisalltag. CKM-Leitfaden jetzt anfordern
Strukturiertes Monitoring und fachübergreifende Versorgung
Neben der rein medikamentösen Strategie rückt das Konsenspapier organisatorische Aspekte der Patientenversorgung in den Vordergrund. Die Experten fordern eine deutlich beschleunigte Umsetzung der evidenzbasierten Empfehlungen im Versorgungsalltag.
Dazu gehört die Etablierung eines strukturierten Monitorings, um Therapieerfolge und Verträglichkeit lückenlos zu überwachen. Da das CKM-Spektrum mehrere Organsysteme betrifft, sprechen sich die Fachleute zudem für eine multidisziplinäre Versorgung aus. Kardiologen, Nephrologen und Diabetologen müssten eng zusammenarbeiten, um Behandlungsentscheidungen frühzeitig abzustimmen und Risikofaktoren ganzheitlich zu adressieren.
Vorhandene Hürden in der Praxis überwinden
Trotz der soliden Evidenzlage identifiziert der Expertenkonsens mehrere Hindernisse, die einer flächendeckenden Einführung der parallelen Therapie im Wege stehen. Eine wesentliche Hürde stellt die klinische Trägheit dar – das zögerliche Anpassen und Erweitern bewährter Therapieregime trotz vorliegender Indikation.
Klinische Trägheit ist die häufigste Hürde: Die Indikation steht, das Regime bleibt trotzdem unverändert. Genau hier setzt der Leitfaden an — mit einer Vorlage für den multidisziplinären Behandlungsplan, in dem Kardiologie, Nephrologie und Diabetologie ihre Entscheidungen frühzeitig abstimmen. So adressieren Sie Sicherheitsbedenken und Polypharmazie, bevor sie die Umstellung blockieren. Vorlage Behandlungsplan jetzt sichern
Hinzu kommen Sicherheitsbedenken seitens der Behandelnden sowie die Herausforderung der Polypharmazie, da Betroffene oft bereits eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen müssen. Schließlich belasten finanzielle Kosten und ein ungleicher Zugang zu modernen Präparaten die Versorgungsrealität.
Die Autoren des Konsenses betonen daher die Notwendigkeit, Versorgungsstrukturen zu modernisieren, um diesen Barrieren entgegenzuwirken und Hochrisikopatienten frühzeitig vor schweren kardiovaskulären und renalen Folgen zu bewahren.

