Herzinsuffizienz: Soziale Unterschiede verdoppeln Erkrankungsrisiko
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 12:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Verbreitung von Herzschwäche weist in Deutschland deutliche regionale und soziale Unterschiede auf. Dies zeigen Auswertungen aus dem AOK-Gesundheitsatlas Herzinsuffizienz, der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK erstellt wurde.
Im Jahr 2024 lebten allein in Mecklenburg-Vorpommern rund 79.000 Menschen ab 30 Jahren mit einer diagnostizierten Herzinsuffizienz. Während bundesweit rund 3,8 Prozent der Gesamtbevölkerung und durchschnittlich 5,5 Prozent der Personen ab 30 Jahren betroffen sind, offenbart der Blick auf einzelne Landkreise und sozioökonomische Faktoren ein starkes Gefälle.
Ausprägung nach Region und sozialer Lage
Innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit 8,1 Prozent den höchsten Anteil an Betroffenen in der Bevölkerung ab 30 Jahren. In Vorpommern-Greifswald lag der Wert bei 7,2 Prozent und in Ludwigslust-Parchim bei 7,0 Prozent.
Den niedrigsten Wert im Bundesland wies die kreisfreie Stadt Rostock mit 5,2 Prozent auf, womit sie knapp unter dem bundesweiten Schnitt blieb. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit der Erkrankung stark an: In Mecklenburg-Vorpommern ist rund jeder fünfte Mensch ab 75 Jahren von einer Herzschwäche betroffen.
Über die regionalen Abweichungen hinaus macht der Gesundheitsatlas einen Zusammenhang mit dem sozioökonomischen Status sichtbar. Bundesweit liegt der Anteil der Herzschwäche-Betroffenen in den am stärksten benachteiligten Regionen bei 6,8 Prozent, verglichen mit 4,4 Prozent in den am wenigsten benachteiligten Regionen.
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Angesichts dieser Daten forderte die Vorstandschefin der AOK Nordost, Daniela Teichert, Maßnahmen zur Prävention künftig stärker an den konkreten Lebensbedingungen der Menschen auszurichten.
Als wesentliche Risikofaktoren für die Entstehung einer Herzinsuffizienz nennt der Atlas vor allem Rauchen, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Zudem weisen laut Angaben der Herzstiftung etwa 52 Prozent der Betroffenen Zeichen einer koronaren Herzkrankheit auf.
Diagnostik, Medikation und Verlauf
Eine Herzinsuffizienz geht mit erheblichen gesundheitlichen Risiken einher. Nach einer akuten Dekompensation überleben rund 10 Prozent der Patienten das erste Jahr nicht, und rund 44 Prozent müssen innerhalb des darauffolgenden Jahres erneut stationär behandelt werden. Begleitendes Vorhofflimmern kann die Pumpleistung des Herzens um weitere 15 bis 20 Prozent verschlechtern.
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In der Diagnostik gilt die Echokardiographie als Goldstandard zur Bestimmung der linksventrikulären Auswurffraktion (LVEF). Ein Wert des Biomarkers NT-proBNP von unter 125 pg/ml schließt eine Herzschwäche weitgehend aus. Zudem besitzt ein unauffälliges EKG laut Robert Koch-Institut einen negativen Vorhersagewert von über 99 Prozent für den Ausschluss einer Herzschwäche mit stark reduzierter Pumpleistung.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Arzneimitteltherapie. In einer Analyse erhielten über 500.000 gesetzlich versicherte Herzinsuffizienz-Patienten innerhalb eines Jahres fälschlicherweise nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verordnet.
Die Einnahme von NSAR erhöht das Risiko einer herzinsuffizienz-bedingten Krankenhauseinweisung um rund 19 Prozent. Einzelne Wirkstoffe bergen zusätzliche Gefahren: Diclofenac steigert das Risiko für einen plötzlichen Herzstillstand um 50 Prozent, Ibuprofen um etwa 31 Prozent.
Als sicherere Option bei Schmerzen gilt Paracetamol in niedriger Dosierung. Bei frühzeitiger, konsequenter Behandlung und Lebensstilanpassungen bestehen jedoch Chancen auf Stabilisierung; bei leicht reduzierter Pumpfunktion kann eine medikamentöse Therapie das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse um rund 20 bis 30 Prozent verringern.
