Herzinsuffizienz, Soziale

Herzinsuffizienz: Soziale Lage verdoppelt regional fast das Erkrankungsrisiko

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

2024 waren rund 3,2 Millionen Menschen betroffen; die Krankheitskosten erreichten 9,2 Milliarden Euro.

AOK-Atlas zeigt soziale und regionale Unterschiede bei Herzschwäche
Weite, ländliche Landschaft in einer Region mit hohem Herzinsuffizienz-Risiko unter einem bedeckten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Der Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) liefert detaillierte Einblicke in die Verbreitung der Herzinsuffizienz in Deutschland.

Die vorliegenden Daten verdeutlichen, dass das Risiko für eine Herzschwäche maßgeblich von der sozialen Lage der Bevölkerung beeinflusst wird und innerhalb des Bundesgebiets eine erhebliche geografische Ungleichheit besteht. Die Analyse erfolgt vor dem Hintergrund des Weltherztags am 29. September 2026.

Regionale Unterschiede und sozioökonomische Faktoren

Nach den Erhebungen für das Jahr 2024 litten bundesweit rund 3,2 Millionen Menschen an Herzinsuffizienz. Dies entspricht einer Prävalenz von 5,5 Prozent in der Bevölkerung ab 30 Jahren. Während der Bundesschnitt bei 5,3 Prozent lag, zeigten sich signifikante Abweichungen je nach sozioökonomischem Status der Regionen.

In den am stärksten benachteiligten Gebieten Deutschlands lag der Anteil der Betroffenen bei 6,8 Prozent, während er in wirtschaftlich begünstigten Regionen lediglich 4,4 Prozent betrug.

Auch auf Ebene der Bundesländer und Landkreise ist ein deutliches Gefälle erkennbar. Die niedrigsten Anteile an Herzinsuffizienz-Patienten verzeichneten die Stadtstaaten Hamburg (3,8 Prozent), Bremen (4,5 Prozent) und Berlin (4,6 Prozent).

Im Gegensatz dazu wiesen die östlichen Bundesländer die höchsten Werte auf: In Sachsen-Anhalt waren 8,9 Prozent der Bevölkerung ab 30 Jahren betroffen, gefolgt von Thüringen mit 8,5 Prozent und Sachsen mit 7,9 Prozent.

Auf Kreisebene wurde der höchste Anteil im Landkreis Mansfeld-Südharz mit 13,9 Prozent dokumentiert, während Frankfurt am Main mit 2,8 Prozent den niedrigsten Wert bundesweit aufwies.

Demografische Verteilung und Begleiterkrankungen

Die Analyse des WIdO differenziert zudem nach Geschlecht und Alter. Im Jahr 2024 waren im Schnitt 5,4 Prozent der Männer und 4,9 Prozent der Frauen über 30 Jahren von einer Herzschwäche betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko drastisch an.

In der Altersgruppe ab 90 Jahren waren laut verschiedenen Datenauswertungen zwischen 34 und 35 Prozent der Männer sowie 28 bis 30 Prozent der Frauen erkrankt. Am Beispiel Bayerns wird deutlich, wie früh die Diagnose gestellt werden kann: Dort waren bereits 0,5 Prozent der 40- bis 44-jährigen Männer und 0,3 Prozent der Frauen in dieser Altersklasse betroffen.

Ein wesentlicher Faktor für die Entstehung einer Herzinsuffizienz bleibt der Bluthochdruck. Der Gesundheitsatlas belegt diesen Zusammenhang durch regionale Vergleiche: In Regionen mit einem geringen Anteil an Bluthochdruckpatienten lag die Herzinsuffizienz-Prävalenz bei 4,2 Prozent. In Gebieten mit einer hohen Dichte an Hypertoniepatienten verdoppelte sich dieser Wert nahezu auf 8,4 Prozent.

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Wirtschaftliche Belastung und gesundheitspolitische Forderungen

Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Erkrankung sind erheblich. Laut der Krankheitskostenstatistik des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2024 war Herzinsuffizienz bei fast 4 Prozent aller Todesfälle in Deutschland dokumentiert. Die damit verbundenen Krankheitskosten beliefen sich auf 9,2 Milliarden Euro, was knapp 2 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben entspricht.

Angesichts dieser Zahlen forderte der Gesundheitspolitiker Andreas Kutsche von der BSW-Fraktion im Brandenburger Landtag die Implementierung gezielter Präventionsprogramme, insbesondere in sozial benachteiligten Kommunen. Der Aufbau regionaler Gesundheitszentren sei notwendig, da der Atlas eine Vernachlässigung ganzer Regionen dokumentiere.

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In Brandenburg lag der Landesdurchschnitt mit 6,5 Prozent deutlich über dem Bundeswert, wobei Kreise wie Elbe-Elster mit 8,9 Prozent besonders betroffen waren. Parallel dazu sprach sich die AOK Nordost für die Einführung verbindlicher Qualitätsstandards bei der Verpflegung in Kitas und Schulen aus, um gesundheitlichen Risiken bereits frühzeitig entgegenzuwirken.

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