Herzinsuffizienz-Screening, Risikopersonen

Herzinsuffizienz-Screening: Über 40 Prozent der Risikopersonen unentdeckt

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Screening, MRT und Ultraschall liefern neue Erkenntnisse zur Erkennung und Einordnung von Herzschwäche und verwandten Veränderungen.
Ein ruhiger, heller Flur in einer medizinischen Einrichtung mit weichem Tageslicht und minimalistischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Die rechtzeitige Identifikation einer Herzschwäche stellt die kardiovaskuläre Versorgung vor anhaltende Herausforderungen. Viele Betroffene weisen bereits funktionelle Einschränkungen auf, bevor eindeutige Symptome auftreten oder eine formelle Diagnose gestellt wird.

Daten aus regionalen Screening-Initiativen und kardiologischen Fachstudien verdeutlichen das Ausmaß unentdeckter Verläufe und heben die Bedeutung präziserer diagnostischer Verfahren hervor.

Screening in Risikogruppen offenbart hohe Dunkelziffer

Ergebnisse aus dem italienischen Projekt BRIMBERG, an dem die Fondazione ANTHEM gemeinsam mit der ASST Papa Giovanni XXIII Bergamo arbeitet, unterstreichen das Ausmaß unerkannter Funktionsstörungen.

Fünf Monate nach dem Start der Untersuchung in Bergamo, dem Val Brembana und dem Valle Imagna zeigte sich, dass über 40 % der als Risiko eingestuften Personen ohne frühere kardiovaskuläre Ereignisse Anzeichen einer frühen, nicht diagnostizierten Herzinsuffizienz aufweisen. Das Vorhaben setzt dabei auf Technologien aus dem italienischen Ergänzungsplan PnC (Piano Nazionale Complementare).

Die Problematik unbemerkter Krankheitsverläufe erstreckt sich auch auf die klinische Versorgung. Auf dem SGAIM-Jahreskongress in Lausanne wies Prof. Dr. Christian Müller vom CRIB des Universitätsspitals Basel darauf hin, dass eine unerkannte Herzinsuffizienz in der tertiären Versorgung nicht selten vorkomme.

Insbesondere bei Personen mit langjähriger Hypertonie, koronarer Herzkrankheit oder Vorhofflimmern sollte gezielt nach einer Herzinsuffizienz gesucht werden.

Nach Angaben von Michael Böhm vom Universitätsklinikum des Saarlandes in einer Broschüre der Deutschen Herzstiftung entwickelt sich eine Herzschwäche in etwa 70 % der Fälle aus einer koronaren Herzkrankheit und hohem Blutdruck.

Schätzungen der Deutschen Herzstiftung zufolge betrifft die Erkrankung an die 4 Mio. Menschen in Deutschland. Zu den typischen Warnsignalen zählen nachlassende Leistungsfähigkeit, Erschöpfung und Atemnot, Wassereinlagerungen an Füßen und Knöcheln sowie Gewichtszunahme.

Weitere Anzeichen können ein beschleunigter Puls, beschleunigter Atem, Husten, kalte Extremitäten, nächtlicher Harndrang und Schwindel sein. Zur ersten Orientierung empfiehlt die Schweizerische Herzstiftung im Rahmen eines Schnellchecks, bei mehr als zwei Ja-Antworten ärztlichen Rat einzuholen.

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Bildgebung und Differenzierung im Fokus der Forschung

Parallel zu Screening-Programmen wird an verfeinerten diagnostischen Kriterien geforscht. Die im Fachjournal JACC: Cardiovascular Imaging publizierte prospektive DZHK-Studie DECIPHER HFpEF, geleitet von Prof. Eike Nagel und Prof. Andreas Zeiher (DZHK RheinMain/Uniklinikum Frankfurt), untersuchte an sieben deutschen Zentren 52 Patienten mit invasiv bestätigter Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF), 32 Kontrollpersonen sowie 18 gesunde Freiwillige.

Mittels T1- und T2-Mapping in der Magnetresonanztomographie (MRT) stellten die Forschenden fest, dass beide Werte bei HFpEF deutlich höher lagen als in der Kontrollgruppe.

T1 korrelierte mit der passiven Steifigkeit und T2 mit einer beeinträchtigten aktiven Entspannung – ein Zusammenhang, der auch nach rechnerischer Berücksichtigung von Füllungsdruck, Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Bluthochdruck und Diabetes bestehen blieb. Ein signifikanter Zusammenhang der MRT-Werte mit dem Füllungsdruck selbst ergab sich hingegen nicht.

Bei 18 symptomatischen Patienten mit normalem Ruhe-Füllungsdruck stieg der Druck im Handgrifftest bei 12 Untersuchten auf mindestens 16 mmHg an. Höhere T1- und T2-Werte in Ruhe gingen dabei mit einem stärkeren Anstieg einher, wenngleich sich daraus noch keine unmittelbare klinische Anwendung ableiten lasse.

Auch bei anderen Myokardveränderungen liefert die MRT detaillierte Parameter. Eine in BMC Rheumatology veröffentlichte retrospektive Untersuchung verglich 71 Personen mit primärem Sjögren-Syndrom mit 51 Kontrollen an einem 3,0-Tesla-Scanner. Dabei lag die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) bei 61 % gegenüber 64 % in der Kontrollgruppe.

Der globale longitudinale Strain betrug ?16 % gegenüber ?18 %, der globale T2-Wert 42,4 ms im Vergleich zu 40,5 ms und der native T1-Wert 1215,0 ms gegenüber 1193,0 ms.

Hinsichtlich des ESSDAI ergaben sich Korrelationen beim globalen radialen Strain (?0,302) und dem globalen zirkumferenziellen Strain (+0,288). Ein Rheumafaktor über 20 IU/mL war unabhängig mit einer erniedrigten Ejektionsfraktion assoziiert (Beta ?3,79), während ein Raynaud-Phänomen mit erhöhten T2-Werten einherging (Beta 2,04).

Ultraschallkriterien und Hämodynamik

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Neben der Magnetresonanztomographie werden bestehende echokardiographische Bewertungsmodelle überprüft. Beim Vergleich der Richtlinien BSE-2024 und BSE-2013 zur Erkennung eines erhöhten linksventrikulären enddiastolischen Drucks (LVEDP von mindestens 16 mmHg) ergab sich eine Fläche unter der Kurve (AUC) von 0,602 für BSE-2024 gegenüber 0,630 für BSE-2013 (P=0,459).

Die Sensitivität lag bei 27,8 % im Vergleich zu 44,2 %, die Spezifität bei 93,5 % gegenüber 81,9 %. Für einen erhöhten Druck vor der Vorhofkontraktion (LV pre-A über 15 mmHg) lag die Sensitivität bei 38,2 % gegenüber 50,8 %.

Ein komplementärer Algorithmus erreichte in diesem Zusammenhang eine LVEDP-AUC von 0,793 mit einer Sensitivität von 78,8 % und einer Spezifität von 79,8 % in der Ableitungskohorte sowie 88,3 % bzw. 87,9 % in der Validierung.

Analyseergebnisse aus St George's und dem Royal Brompton in London untersuchten funktionelle Veränderungen bei Belastung. Bei der Änderung der Ejektionsfraktion von 80 % der maximalen Herzfrequenz zum Spitzenwert verzeichneten Kontrollpersonen ein Plus von 7,5 %, eine intermediäre Gruppe ein Plus von 3,8 % und Personen mit dilatativer Kardiomyopathie ein Minus von 4,3 %.

Ein kombiniertes Kriterium erzielte eine Sensitivität von 98,2 %, eine Spezifität von 98,4 % und eine AUC von 0,942 gegenüber 0,888 für den 10-%-Schwellenwert allein.

Zur Erfassung pulmonaler Begleitumstände zeigte ein Audit am Royal United Hospital Bath bei 549 Patienten zur Erstabklärung einer pulmonalen Hypertonie zwischen 2014 und 2023, dass 79 % der Fälle katheterbestätigt waren, mit einem mittleren pulmonalarteriellen Druck von 41 mmHg.

Nach dem Echo-Algorithmus der ESC fielen 25 % in die Kategorie einer niedrigen Wahrscheinlichkeit; von diesen wiesen 44 % (60 Patienten) dennoch eine bestätigte pulmonale Hypertonie auf (Mittelwert 23 mmHg).

Durch die Einbeziehung des Strain der freien Wand des rechten Ventrikels (Cut-off ?23 %, Sensitivität 80 %, Spezifität 60 %) stieg die Sensitivität des ESC-Algorithmus von 83 % auf 92 % bei einer Spezifität von 65 % auf 62 %. Bei den Kriterien der ASE stieg die Sensitivität von 89 % auf 96 % bei einem Rückgang der Spezifität von 49 % auf 36 %.

Genetische Pfade bei spezifischen Amyloidose-Formen

Einen weiteren Bereich der Diagnostik stellen spezifische Ursachen wie die transthyretinische Herzamyloidose (ATTR-CM) dar. Das Seltene-Krankheiten-Observatorium (Omar) stellte in Rom ein Positionspapier vor, das unter Mitwirkung von kardiologischen und humangenetischen Fachgesellschaften erarbeitet wurde.

Das Dokument betont die Notwendigkeit, zwischen der erblichen Form (ATTRv) und der nicht erblichen Form (ATTRwt) genetisch zu differenzieren, um therapeutische Entscheidungen und Tests für Familienangehörige zu steuern.

Zu den formulierten Prioritäten zählen die Einbindung der Genetik in den Diagnoseprozess, die fächerübergreifende Zusammenarbeit und der einheitliche regionale Zugang zu Beratungsangeboten. In Italien umfasst der diagnostisch-therapeutische Weg der Fachgesellschaften SIC und ANMCO bereits Gentests bei diesem Krankheitsbild.

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