Herzinsuffizienz, Medikamentenausgaben

Herzinsuffizienz: Medikamentenausgaben steigen um 121 Prozent auf 441 Millionen

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachgesellschaften fordern bessere Vorsorge; zugleich zeigen Daten steigende Behandlungsausgaben und Fortschritte bei Leitlinien und Diagnostik.

Herz-Kreislauf-Prävention: Reformvorschläge, Therapiekosten und neue Diagnostik
Ein heller, minimalistischer Untersuchungsraum in einer modernen Klinik mit weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Führende medizinische Fachgesellschaften und Patientenorganisationen drängen auf eine konsequente Umsetzung nationaler Strategien, um die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. Im Zentrum der Forderungen stehen eine modernisierte Vorsorge, die bessere Erkennung von Symptomen sowie der Einsatz technischer Innovationen in der Diagnostik.

Anlässlich des bevorstehenden Welt-Herz-Tages am 29. September hat die Organisation Cardioalianza das Manifest „Que ningún corazón se quede atrás“ (Dass kein Herz zurückbleibt) vorgelegt. Die Initiative umfasst zehn Verpflichtungen für eine gerechtere kardiovaskuläre Versorgung.

Hintergrund sind aktuelle Daten für Spanien aus dem Jahr 2025, wonach Erkrankungen des Kreislaufsystems mit 25,7 % aller Todesfälle die zweithäufigste Todesursache darstellten. Ischämische Herzkrankheiten waren dabei mit 26.711 Sterbefällen am stärksten vertreten.

Global gesehen bleiben Herz-Kreislauf-Erkrankungen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit rund 32 % aller Todesfälle die häufigste Todesursache, wobei etwa 80 % dieser Fälle auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen entfallen.

Modernisierung der Vorsorgeuntersuchungen in Österreich

In Österreich präsentierte die Safe Hearts Allianz, ein Zusammenschluss aus kardiologischen, internistischen, diabetologischen und neurologischen Fachgesellschaften, in Wien einen Vorschlag zur umfassenden Reform der nationalen Vorsorgeuntersuchung.

Da die letzte grundlegende Überarbeitung im Jahr 2005 stattfand, mahnen Experten eine Anpassung an den aktuellen Stand der Wissenschaft an. Jährlich nehmen rund 1,4 Millionen Menschen – knapp 20 % der erwachsenen Bevölkerung Österreichs – dieses Angebot wahr.

Die Allianz schlägt vor, fünf neue Bereiche in das Screening aufzunehmen und acht bestehende zu adaptieren. Zu den Kernpunkten gehören:

  • Die Erstellung eines vollständigen Lipidprofils einschließlich LDL-Cholesterin.
  • Die Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen bei Risikopersonen ab 40 Jahren mittels eGFR- und uACR-Bestimmung.
  • Die systematische Erfassung des kardiovaskulären Gesamtrisikos unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Faktoren bei Frauen.
  • Die Pulsastung ab 65 Jahren zur Erkennung von Rhythmusstörungen sowie die Nutzung der „Waist-to-height-ratio“ anstelle des bloßen Body-Mass-Index (BMI).

Kardio-renale-metabolische Erkrankungen sind in Österreich für rund ein Drittel aller Todesfälle verantwortlich. Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei Diabetes: Rund 700.000 Menschen sind betroffen, wobei bei knapp 3 % der Vorsorge-Teilnehmer ein bisher undiagnostizierter Diabetes und bei 20 % ein Prädiabetes festgestellt wird.

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Steigende Kosten und therapeutischer Nutzen

Der Arzneimittelreport 2026 der Krankenkasse BARMER, der in Berlin vorgestellt wurde, beleuchtet die ökonomische Entwicklung der Therapie im Zeitraum von 2014 bis 2024. Die Gesamtausgaben der Kasse für die medikamentöse Behandlung von Herzinsuffizienz stiegen in diesem Jahrzehnt um 121 % auf 441 Millionen Euro. Bei Asthma bronchiale betrug der Zuwachs 80 % auf insgesamt 516 Millionen Euro.

Trotz der Kostensteigerungen verwiesen Experten auf den signifikanten Überlebensgewinn durch moderne Medikamente. Für einen 55-jährigen Patienten mit Herzinsuffizienz werde ein Gewinn von sechs Lebensjahren geschätzt.

Bei Asthma-Patienten konnten Krankenhausaufnahmen durch verbesserte Therapien um 60 % reduziert werden. BARMER-Vorstandschef Prof. Dr. Christoph Straub forderte in diesem Zusammenhang eine Weiterentwicklung der frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln.

Fortschritte in Diagnostik und Leitlinien

Auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) wurde ein Update der Leitlinien zum Management von Dyslipidämien präsentiert. Die Senkung des LDL-Cholesterins bleibt demnach die zentrale Säule der Prävention. Neue Risikoscores wie SCORE2 und SCORE2-OP ermöglichen eine präzisere Einschätzung des 10-Jahres-Risikos, insbesondere bei Patienten im Alter zwischen 40 und 89 Jahren.

Parallel dazu gewinnen bildgebende Verfahren und technologische Innovationen an Bedeutung. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) betonte auf einem Fachkongress in Mainz, dass Ultraschall-Screenings Fettlebern und frühe Gefäßveränderungen sichtbar machen können, die bisher nicht regelhaft in der Vorsorge verankert sind. Eine Fettleber gilt als unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkte.

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Zudem berichtete die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) über den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Auswertung von 12-Kanal-EKGs zur Identifikation von Vorhofflimmern.

Im klinischen Management setzt sich zudem der Trend zum „Same Day Discharge“ (Entlassung am Tag des Eingriffs) durch; knapp 80 % der deutschen Kliniken planen laut einer Umfrage, dieses Verfahren bis 2026 für bestimmte kardiologische Eingriffe umzusetzen.

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