Herzinsuffizienz, ESC

Herzinsuffizienz: ESC vereinfacht Klassifizierung auf zwei Phänotypen

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die ESC ersetzt HFmrEF durch zwei Phänotypen, führt ein Staging von A bis D ein und erweitert medikamentöse Empfehlungen.

ESC-Leitlinien 2026 ordnen Herzinsuffizienz und Therapien neu
Ein modernes, unbesetztes medizinisches Behandlungszimmer mit einem Ultraschallgerät in einer Klinik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Rahmen des ESC-Kongresses in München wurden Ende August 2026 die neuen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) zum Management der Herzinsuffizienz vorgestellt.

Die zeitgleich im European Heart Journal veröffentlichte Richtlinie sieht grundlegende Änderungen in der Klassifizierung der Erkrankung, der Terminologie sowie der therapeutischen Standardversorgung vor. Ziel der Aktualisierungen ist eine stärkere Differenzierung der Phänotypen und eine Anpassung an aktuelle klinische Evidenzen.

Neuordnung der Phänotypen und Wegfall von HFmrEF

Eine der zentralen Änderungen in den Leitlinien vom 28. August 2026 betrifft die Einteilung der Herzinsuffizienz basierend auf der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF). Die bisherige Kategorie der Herzinsuffizienz mit leichtgradig reduzierter Pumpfunktion (HFmrEF), die einen LVEF-Bereich von 41 bis 49 Prozent abdeckte, wurde vollständig entfernt.

Künftig erfolgt die Unterscheidung nur noch in zwei Phänotypen. Patienten mit einer LVEF von unter 50 Prozent werden der Kategorie HFrEF (Heart Failure with reduced Ejection Fraction) zugeordnet. Liegt die LVEF bei 50 Prozent oder darüber, wird die Erkrankung als HFpEF (Heart Failure with preserved Ejection Fraction) klassifiziert. Diese Vereinfachung soll die klinische Zuordnung und die darauf basierenden Therapieentscheidungen präzisieren.

Anpassungen der Terminologie und Einführung eines neuen Stagings

Neben der Klassifizierung wurde auch die medizinische Nomenklatur angepasst. Der bisher gebräuchliche Begriff der „akuten“ Herzinsuffizienz wird in der neuen Leitlinie durch die Bezeichnung „dekompensierte“ Herzinsuffizienz ersetzt. Diese Änderung soll den pathophysiologischen Zustand der Patienten treffender beschreiben.

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Zudem führt die ESC ein neues Staging-System ein, das die Stadien A bis D umfasst. Diese Struktur ermöglicht eine detailliertere Einordnung des Krankheitsverlaufs von der Risikoexposition bis hin zum fortgeschrittenen Stadium der Herzinsuffizienz. An der Erstellung dieser umfassenden Neuregelungen war unter anderem der Experte Ovidiu Chioncel beteiligt.

Paradigmenwechsel in der Pharmakotherapie

In der medikamentösen Behandlung markieren die Leitlinien von 2026 das Ende der bisherigen Standard-Abkürzung GDMT (Guideline-Directed Medical Therapy). Stattdessen werden neue Therapieklassen eingeführt: FMT, AMT und GDIT. Ein wesentlicher Fokus liegt dabei auf der Ausweitung bewährter Wirkstoffgruppen. Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) erhielten eine Klasse-I-Empfehlung, die nun unabhängig von der gemessenen LVEF gilt.

Für Patienten mit einer HFpEF und gleichzeitiger Adipositas sieht die Leitlinie zudem neue Optionen vor. Die Wirkstoffe Semaglutid und Tirzepatid wurden mit einer Klasse-IIa-Empfehlung in den Behandlungskatalog aufgenommen. Auch der Einsatz von Herzglykosiden wurde präzisiert: Bei einer LVEF von 40 Prozent oder weniger und fortbestehenden Symptomen trotz einer FMT-Behandlung werden diese mit der Klasse IIa empfohlen.

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Neue Evidenzlevel und Informationsangebote

Mit der Aktualisierung wird das Evidenzlevel B1 als neuer Standard in der Bewertung klinischer Daten eingeführt. Dies betrifft unter anderem die Empfehlungen für den Einsatz von Herzglykosiden unter spezifischen Bedingungen.

Um die Umsetzung der komplexen medizinischen Vorgaben in den Alltag der Betroffenen zu erleichtern, wurde neben der Fachfassung auch eine Patientenversion der Leitlinie bereitgestellt. Diese soll die Adhärenz fördern und Patienten helfen, die neuen Behandlungsstrategien und Klassifizierungen besser zu verstehen.

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