Herzinfarktrisiko: Über 75 Prozent der Auslöser waren nicht-obstruktiv
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die präzise Bestimmung kardiovaskulärer Risiken gewinnt in der präventiven Medizin zunehmend an Bedeutung. Das in Las Vegas ansässige LV Longevity Lab hat sein bestehendes Vorsorgeprogramm um die Anwendung Cleerly erweitert. Dabei handelt es sich um eine von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Software, die mithilfe künstlicher Intelligenz Koronar-CT-Angiografien (CCTA) auswertet.
Ziel des Verfahrens ist es, sowohl das Gesamtausmaß der arteriellen Plaquelast als auch die genaue Zusammensetzung der Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen detailliert zu erfassen.
Diagnostische Präzision bildgebender Verfahren
Die nicht-invasive Beurteilung von Herzkranzgefäßen stützt sich in modernen Diagnosepfaden maßgeblich auf die Koronar-CT-Angiografie. Wie eine Metaanalyse von 42 Studien mit insgesamt 1.360 Patienten zeigte, erreicht die CCTA eine Sensitivität von 93 Prozent und eine Spezifität von 92 Prozent. Diese Werte verdeutlichen die hohe Zuverlässigkeit des Verfahrens beim Nachweis oder Ausschluss relevanter Gefäßveränderungen.
Zugleich zeigt die kardiologische Forschung, dass herkömmliche Kriterien zur Risikobewertung oft zu kurz greifen. Lange Zeit stand vor allem der Grad einer Gefäßverengung im Vordergrund der klinischen Betrachtung. Daten aus der ICONIC-Studie belegen jedoch, dass über 75 Prozent der Läsionen, die letztlich für Herzinfarkte verantwortlich waren, nicht-obstruktiv verliefen.
Bei diesen Gefäßveränderungen lag die Verengung jeweils unter 50 Prozent. Derartige Plaques bleiben bei rein funktionellen Untersuchungen häufig unbemerkt, bergen jedoch erhebliche Gefahren für akute kardiovaskuläre Ereignisse.
Die meisten Herzinfarkte gehen auf Plaques zurück, die bei der klassischen Vorsorge unentdeckt bleiben — weil die Verengung unter 50 Prozent liegt. Wer sein persönliches Risiko früher einordnen will, findet in diesem kostenlosen Ratgeber die wichtigsten Fragen fürs nächste Arztgespräch. Kostenlosen Herz-Ratgeber anfordern
Langzeitrisiken und Bedeutung der Plaquezusammensetzung
Über den reinen Nachweis hinaus liefert die Differenzierung der Ablagerungen entscheidende Hinweise auf die Prognose von Patienten. Eine im Jahr 2023 veröffentlichte Studie, die Patienten über einen medianen Zeitraum von mehr als 10 Jahren nachbeobachtete, unterstreicht die Relevanz einer genauen Schichtung: Bei Patienten mit einem Plaque-Stadium 3 zeigte sich ein mehr als dreifaches Risiko für das Auftreten schwerer kardialer Ereignisse im Vergleich zu geringeren Stadien. Lag zudem die höchste Ausprägung nicht-kalzifizierter Plaques vor, stieg dieses Risiko sogar auf das Vierfache an.
Nicht-kalzifizierte Ablagerungen gelten als besonders instabil, weshalb ihre exakte Lokalisierung und Quantifizierung als wesentlicher Baustein für personalisierte Präventionskonzepte gilt. Der Einsatz KI-basierter Auswertungen zielt darauf ab, diese subtilen Gewebeunterschiede in den CT-Bildern verlässlich herauszuarbeiten.
Individuelle Steuerung therapeutischer Maßnahmen
Die detaillierte Erfassung von Plaquevolumen und -beschaffenheit dient als Grundlage für nachfolgende medizinische Interventionen. Bei der Verordnung lipidsenkender Medikamente wie Statinen wird hervorgehoben, dass derartige Entscheidungen nicht pauschal getroffen werden dürfen.
Sie fühlen sich gesund, Ihre Werte sind unauffällig — und trotzdem bleibt ein Restrisiko, das funktionelle Untersuchungen oft nicht abbilden. Dieser Leitfaden erklärt in verständlicher Sprache, was Plaque-Stadien bedeuten und wann eine erweiterte Bildgebung sinnvoll sein kann. Leitfaden zu Plaque-Stadien sichern
Entsprechende therapeutische Schritte sollen stets auf einer individuellen Beurteilung basieren und unter engmaschiger ärztlicher Überwachung erfolgen, um Nutzen und Risiken der medikamentösen Prävention patientenspezifisch abzustimmen.

