Herzinfarkt und Schlaganfall: 99% der Fälle wären vermeidbar
03.06.2026 - 15:39:16 | boerse-global.deDas legt eine aktuelle Analyse mit 9,4 Millionen Teilnehmern nahe, die im Journal of the American College of Cardiology (JACC) erschienen ist. Demnach sind 99 Prozent dieser Ereignisse auf vermeidbare Risikofaktoren zurückzuführen. Die entscheidenden Schwellenwerte: Blutdruck über 120/80 mmHg, Cholesterin über 200 mg/dl und Blutzucker über 100 mg/dl.
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Statine: Nebenwirkungen oft überschätzt
Eine umfassende Übersichtsstudie, die 2026 im Lancet veröffentlicht wurde, kommt zu einem überraschenden Befund: Die gefürchteten Nebenwirkungen von Statinen – den gängigsten Cholesterinsenkern – treten weit seltener auf als oft behauptet. Die Forscher untersuchten 66 gelistete Nebenwirkungen, fanden aber nur für sechs tatsächliche Belege – darunter Muskelschmerzen, Diabetes und erhöhte Leberwerte.
Zwar berichten fünf bis zehn Prozent der Patienten über Muskelschmerzen. Doch die Studienautoren schlussfolgern, dass nur zehn Prozent dieser Fälle tatsächlich auf das Medikament zurückgehen. Der Kardiologe Ulrich Laufs schätzt, dass rund 90 Prozent der gemeldeten Nebenwirkungen auf den Nocebo-Effekt zurückzuführen sind – also auf negative Erwartungen der Patienten.
Das Risiko, an Diabetes zu erkranken, steigt durch Statine moderat – besonders bei Menschen mit Vorstufen der Erkrankung. Keine Belege fanden die Forscher hingegen für einen Zusammenhang mit Krebs, Demenz oder Nervenschäden. Die Autoren empfehlen, die Beipackzettel zu überarbeiten, um die tatsächlich geringe Häufigkeit bestätigter Nebenwirkungen korrekt darzustellen.
Lebensstil schlägt Genetik
Eine Langzeitstudie mit 332.000 Teilnehmern über 14 Jahre zeigt eindrucksvoll, wie stark der Lebensstil das Diabetesrisiko beeinflusst. Genetische Faktoren können das Risiko zwar um das 2,6-Fache erhöhen – ein ungesunder Lebensstil steigert es jedoch um das Siebenfache. Die Forscher schätzen, dass über 55 Prozent aller Diabetesfälle durch Änderungen des Lebensstils vermeidbar wären.
Neben den klassischen niedrig dosierten Statinen, deren Wirksamkeit in 17 Studien mit einer Risikoreduktion von 25 Prozent belegt ist, zeichnen sich neue Behandlungsansätze ab. Erste Versuche mit der Gentherapie VERVE-102 zeigen vielversprechende Ergebnisse: Das LDL-Cholesterin sank innerhalb von 18 Monaten um bis zu 62 Prozent – von 128 mg/dl auf 51 mg/dl.
BMI allein reicht nicht: Neuer Risikoscore OBSCORE
Die aktuellen Mikrozensus-Daten von 2025, veröffentlicht im Juni 2026, zeigen: 53,4 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind übergewichtig (BMI über 25). 17,9 Prozent gelten als adipös (BMI über 30). Männer sind mit 62,6 Prozent deutlich häufiger betroffen als Frauen mit 43,8 Prozent. Das Durchschnittsgewicht ist auf 78,3 Kilogramm gestiegen – 2021 lag es noch bei 77,7 Kilogramm.
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Doch der BMI als alleiniger Maßstab stößt an seine Grenzen. Forscher der Queen Mary University of London und des Berlin Institute of Health haben einen neuen Risikoscore namens OBSCORE entwickelt. Er wertet 20 Gesundheitsmarker aus, darunter Blutdruck und Entzündungswerte. Grundlage sind Daten von knapp 197.300 Personen aus der UK Biobank.
Das Ergebnis: 19 bis 45 Prozent der Menschen, die nach BMI nur als „leicht übergewichtig“ gelten, tragen tatsächlich ein hohes Gesundheitsrisiko. In der höchsten Risikokategorie nach OBSCORE ist das Risiko für chronische Nierenerkrankungen 89-mal höher, das für Typ-2-Diabetes 42-mal höher – unabhängig vom konkreten BMI.
Neue Forschung: Das Zusammenspiel von Herz und Stoffwechsel
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert einen neuen Sonderforschungsbereich mit dem Titel „CARDIO-DIABETES-CROSSTALK“. Mit über elf Millionen Euro für knapp vier Jahre wollen Forscher des Deutschen Diabetes-Zentrums und der Universitätsklinik Düsseldorf die biologischen Verbindungen zwischen Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System entschlüsseln. Ziel sind neue Früherkennungsmethoden für die rund 9,5 Millionen Diabetiker in Deutschland.
Eine weitere Studie aus Tokio, ebenfalls 2026 veröffentlicht, deutet auf einen Zusammenhang zwischen dem sogenannten kardio-renal-metabolischen Syndrom (CKM) – einer Kombination aus Herz-, Nieren- und Stoffwechselstörungen – und einem erhöhten Krebsrisiko hin. Die Botschaft der Forschung ist eindeutig: Wer Cholesterin und verwandte Stoffwechselfaktoren im Griff hat, beugt nicht nur Herzinfarkten vor, sondern einer ganzen Reihe chronischer Erkrankungen.
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