Herzinfarkt-Prävention: Schulunterricht senkt Risiko um 30-40%
04.07.2026 - 00:13:34 | boerse-global.de
Am Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen gibt es seit 2022 ein ungewöhnliches Unterrichtsfach: „Glück“ steht fest im Lehrplan. Lehrerin Silke Trenk vermittelt dort Resilienz und Selbstwirksamkeit. Die Idee: Schüler lernen Strategien zur Bewältigung von Belastungen – und zur Förderung ihres Wohlbefindens.
Das Konzept überzeugt auch die Wissenschaft. Eine Begleitstudie der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe belegt den positiven Einfluss des Fachs auf die Lernenden. Der Bedarf ist groß: Der DAK-Gesundheitsreport 2025 zeigt, dass psychische Erkrankungen bei unter 30-Jährigen für rund 14 Prozent der krankheitsbedingten Fehltage verantwortlich sind.
Mediziner fordern Pflichtfach Gesundheit
Doch es geht nicht nur ums Glücklichsein. Uwe Janssens, Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), fordert Gesundheitskompetenz als Pflichtfach – und zwar ab der Grundschule.
Hintergrund ist die geplante gesetzliche Infarktvorsorge der Bundesregierung. Laut Janssens könnte frühzeitige Aufklärung das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle um 30 bis 40 Prozent senken. Die Kontrolle von Risikofaktoren beginnt demnach am besten im Klassenzimmer.
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NRW reformiert: Fünftes Abiturfach kommt
Nordrhein-Westfalen geht noch weiter: Ab 2030 wird ein fünftes Abiturfach eingeführt – als Projektkurs mit Präsentation. An der Gustav-Heinemann-Schule in Mülheim laufen bereits Tests. Schüler organisieren dort eigenständig soziale Angebote wie öffentliche Bücherschränke.
Parallel dazu finden bundesweit Projekte statt, die spezifische Lebenskompetenzen stärken:
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- Suchtprävention: Anfang Juli 2026 startete in Kühlungsborn das „Smart Camp“. Rund 100 Schüler lernten die Mechanismen von Glücksspielen und die Gefahren von Abhängigkeiten kennen. Bundesweit zeigen 5,5 Prozent der Menschen ein auffälliges Spielverhalten, 2,2 Prozent gelten als süchtig.
- Berufsorientierung: Im Kreis Viersen durchlaufen vom 7. bis 10. Juli 2026 etwa 720 Siebtklässler den Parcours „komm auf Tour“. Ziel: Selbsteinschätzung und Berufswahl fördern.
- Basiskompetenzen: In Köln machte Anfang Juli ein Rekord-Kinderchor auf ein erschreckendes Defizit aufmerksam: Rund 20 Prozent der Kinder unter zehn Jahren können nicht sicher schwimmen.
Vom Fach „Glück“ in Kempen bis zu den geplanten Gesundheitsreformen – die Schulen entwickeln sich weiter. Soziale und gesundheitliche Prävention wird zur Kernaufgabe.
