Herzinfarkt-Prävention: 99% hätten Risiken erkennen können
29.05.2026 - 01:48:21 | boerse-global.deDas legt eine aktuelle Analyse mit Millionen Patientendaten nahe. Gleichzeitig eröffnen neue Medikamente und Therapien völlig neue Behandlungsmöglichkeiten – von der Stammzelle bis zur Gen-Schere.
99 Prozent der Herzpatienten hätten warnen können
Eine groß angelegte Studie im Journal of the American College of Cardiology (JACC) 2025 von Lee und Kollegen zeigt ein alarmierendes Bild: 99 Prozent aller Patienten, die einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Herzschwäche erleiden, hatten zuvor mindestens einen vermeidbaren Risikofaktor. Die Forscher werteten Daten von 9,4 Millionen Teilnehmern der koreanischen KNHIS-Datenbank sowie über 6.800 Probanden der US-Studie MESA aus.
Die Hauptfaktoren: Ein Blutdruck ab 120/80 mmHg, Cholesterinwerte von 200 mg/dl oder höher, ein Blutzucker ab 100 mg/dl – und Rauchen. Besonders deutlich wird der Zusammenhang bei koronaren Herzkrankheiten: In der KNHIS-Gruppe lag bei 99,7 Prozent der Betroffenen mindestens ein Risikofaktor vor. Bluthochdruck erwies sich dabei als der häufigste Einzelfaktor.
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Die Ergebnisse widerlegen die bisherige Annahme, dass ein nennenswerter Teil der Herz-Kreislauf-Ereignisse Menschen ohne erkennbare Risiken trifft.
GLP-1-Medikamente: Mehr als nur Abnehmspritzen
Die Erfolgsgeschichte der GLP-1-Rezeptor-Agonisten und SGLT2-Hemmer schreibt sich fort – und geht weit über Gewichtsreduktion und Blutzuckersenkung hinaus.
GLP-1-Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid führen einer Datenbankstudie von Krüger et al. in Nature Medicine zufolge innerhalb eines Jahres zu Gewichtsverlusten von zehn bis 20 Prozent. Doch die Effekte sind umfassender: Die Präparate wirken offenbar entzündungshemmend und schützen die Blutgefäße. Die SOUL-Studie, vorgestellt auf dem ACC 2025, belegt, dass orales Semaglutid das Risiko für Herz-Kreislauf-Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall bei Typ-2-Diabetikern mit bestehenden Herz- oder Nierenschäden um 14 Prozent senkt.
Die Pharmaindustrie setzt zunehmend auf Tabletten statt Spritzen, um die Therapie zugänglicher zu machen. Ein EMA-Ausschuss hat bereits die Zulassung einer täglichen Semaglutid-Tablette zur Gewichtskontrolle empfohlen – nach Phase-3-Ergebnissen mit 13,61 Prozent Gewichtsverlust. Die Markteinführung außerhalb der USA wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. Eli Lilly peilt zudem die Zulassung für den oralen GLP-1-Wirkstoff Orforglipron bis Ende 2026 an.
SGLT2-Hemmer zeigen ebenfalls überraschende Wirkung: Eine 2026 im American Journal of Cardiology veröffentlichte Studie von Taha et al. mit rund 55.000 Patienten ergab, dass eine frühe Gabe dieser Medikamente (innerhalb von 14 Tagen) beim sogenannten Takotsubo-Syndrom – auch „Broken-Heart-Syndrom" genannt – die Sterblichkeit von 13,6 auf 8,1 Prozent senkte.
Herzpflaster aus dem Labor und Gen-Schere gegen Cholesterin
Für Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche zeichnen sich völlig neue Behandlungswege ab.
Die BioVAT-HF-DZHK20-Studie der Universitätsmedizin Göttingen und des UKSH testete ein „Herzpflaster" aus im Labor gezüchtetem Muskelgewebe. Bei 20 Patienten mit einer Pumpfunktion von 35 Prozent oder weniger führte die Implantation von bis zu 800 Millionen Herzzellen zu messbarer Wandverdickung und verbesserter Pumpleistung nach drei Monaten. Die Langzeitergebnisse erschienen 2026 im New England Journal of Medicine (NEJM).
Auf dem EAS-Kongress in Athen im Mai 2026 präsentierten Forscher Daten zur Gentherapie VERVE-102. Die Phase-1-Ergebnisse zeigen: Die Therapie senkte das LDL-Cholesterin über einen Beobachtungszeitraum von 18 Monaten um bis zu 62 Prozent.
Frauenherzen verstehen – und Schockwellen gegen Brustschmerz
Die Kardiologie wird weiblicher – und spezifischer. Das Women’s Heart Health Center der Universitätsmedizin Frankfurt hat sich auf geschlechtsspezifische Unterschiede spezialisiert. Denn Symptome wie Rücken- oder Oberbauchschmerzen werden bei Frauen häufig übersehen, während Männer eher klassische Brustschmerzen haben. Auch hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren und Bluthochdruck in der Schwangerschaft beeinflussen das langfristige Herzrisiko.
Besonders für Frauen in und nach den Wechseljahren stellt ein erhöhter Blutdruck ein oft unterschätztes Risiko für die Herzgesundheit dar. Erfahren Sie in diesem kostenlosen PDF-Report, wie Sie Ihre Werte mit 8 natürlichen Maßnahmen und gezielten Entspannungsübungen ohne Medikamente verbessern können. 8 natürliche Maßnahmen gegen Bluthochdruck kostenlos sichern
Für Patienten mit refraktärer Angina pectoris – also Brustschmerz, der auf herkömmliche Therapien nicht anspricht – bietet die kardiale Stoßwellentherapie (CSWT) neue Hoffnung. Eine Studie im Vascular Health and Risk Management mit 65 Patienten zeigte, dass dieser ambulante, nicht-invasive Eingriff die Häufigkeit von Angina-Attacken und den Bedarf an Akutmedikamenten senkt – bei gleichzeitig verbesserter Belastbarkeit.
Integrierte Versorgung senkt Klinikeinweisungen
Auch strukturelle Veränderungen zahlen sich aus. Eine unabhängige Studie der TU München wertete Daten von 2015 bis 2018 aus und fand: Teilnehmer eines spezialisierten Diabetes-Programms hatten eine um zwölf Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Das Programm führte zu einem 30-prozentigen Anstieg der Verordnung von SGLT2-Hemmern – ein Beleg dafür, dass strukturierte Betreuung die Anwendung evidenzbasierter Therapien verbessert.
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