Herzinfarkt-Nachsorge, Prostata-Medikamente

Herzinfarkt-Nachsorge: Prostata-Medikamente senken Sterblichkeit um 3,5%

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine schwedische Registeranalyse verbindet 5-Alpha-Reduktasehemmer nach erstem STEMI mit weniger Todesfällen und Komplikationen als ohne diese Therapie.

Schwedische Studie sieht Herzschutz durch Finasterid und Dutasterid
Eine sterile Laborumgebung mit einer Zentrifuge und leeren Reagenzgläsern für medizinische Forschungszwecke. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse aus Schweden deuten auf einen potenziellen Zusatznutzen bestimmter Medikamente in der kardiologischen Nachsorge hin. Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlichte Registerstudie untersuchte den Einfluss von 5-Alpha-Reduktasehemmern (5?RI) auf die Prognose von Männern nach einem Myokardinfarkt.

Die Daten legen nahe, dass die Anwendung dieser Wirkstoffe mit einer Senkung der Sterblichkeit und einer Reduktion klinischer Komplikationen verbunden ist.

Signifikante Reduktion von Komplikationen nach erstem STEMI

Im Zentrum der wissenschaftlichen Untersuchung standen Männer, die einen ersten ST-Hebungsinfarkt (STEMI) erlitten hatten. Hierbei handelt es sich um eine besonders schwere Form des Herzinfarkts, die durch einen vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes gekennzeichnet ist.

Die Forscher analysierten die Verläufe von Patienten, die Wirkstoffe aus der Gruppe der 5-Alpha-Reduktasehemmer einnahmen, zu denen insbesondere die Substanzen Finasterid und Dutasterid gehören.

Die statistische Auswertung der schwedischen Registerdaten ergab deutliche Unterschiede zwischen den Anwendern dieser Medikamente und der Vergleichsgruppe.

Während bei Patienten ohne entsprechende Medikation das Risiko für Tod oder schwerwiegende Komplikationen bei 24,3 % lag, sank dieser Wert bei den Anwendern von 5-Alpha-Reduktasehemmern auf 20,8 %. Dies entspricht einer absoluten Risikoreduktion von 3,5 Prozentpunkten.

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Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die pharmakologische Beeinflussung des Androgenstoffwechsels durch 5?RI möglicherweise protektive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System ausübt, die über die ursprünglichen Einsatzgebiete der Medikamente hinausgehen.

Differenzierte Ergebnisse im Vergleich zur Androgendeprivationstherapie

Ein wesentlicher Aspekt der Studie war die Differenzierung zwischen verschiedenen Formen der hormonellen Beeinflussung. Neben den 5-Alpha-Reduktasehemmern, die üblicherweise zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung oder bei Haarausfall eingesetzt werden, untersuchten die Wissenschaftler auch die Auswirkungen der Androgendeprivationstherapie (ADT).

Im Gegensatz zu den positiven Beobachtungen bei Finasterid und Dutasterid zeigte die Androgendeprivationstherapie keinen vergleichbaren Effekt auf die Genesung oder das Überleben nach einem STEMI. Die Analyse ergab, dass die ADT in Bezug auf das Risiko für Tod und Komplikationen bei den betroffenen Männern wirkungslos blieb.

Diese Diskrepanz zwischen den Wirkstoffklassen legt nahe, dass der spezifische Mechanismus der 5-Alpha-Reduktase-Hemmung für die beobachtete Risikoreduktion verantwortlich ist und nicht eine allgemeine Senkung des Androgenspiegels.

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Bedeutung für die kardiovaskuläre Nachsorge bei Männern

Die Erkenntnisse aus der schwedischen Registerstudie liefern wichtige Anhaltspunkte für die medizinische Forschung und die langfristige Behandlung von Herzinfarkt-Patienten. Da 5-Alpha-Reduktasehemmer bereits seit langem klinisch etabliert und für andere Indikationen zugelassen sind, könnte sich hier ein kosteneffizienter Ansatz zur Verbesserung der post-infartiellen Prognose eröffnen.

Obwohl die beobachtete Risikoreduktion von 3,5 Prozentpunkten signifikant ist, weisen Fachleute darauf hin, dass Registerstudien primär Assoziationen aufzeigen. Dennoch unterstreichen die Daten die Notwendigkeit, den Zusammenhang zwischen dem Hormonhaushalt und der kardiologischen Erholung weiter zu untersuchen.

Für die pharmazeutische Industrie und die behandelnde Ärzteschaft bedeuten diese Ergebnisse eine Erweiterung des Wissensstandes über die systemischen Wirkungen von Finasterid und Dutasterid.

Inwieweit diese Beobachtungen in künftige Behandlungsleitlinien für männliche STEMI-Patienten einfließen, bleibt abzuwarten, doch die vorliegende Analyse bietet eine fundierte Grundlage für weiterführende klinische Prüfungen.

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