Herzinfarkt-Nachsorge: Initiative KONSENS startet digitale Überwachung
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 16:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die telemedizinische Fernüberwachung von Patientinnen und Patienten mit kardialen Implantaten gewinnt in der medizinischen Versorgung zunehmend an Bedeutung. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) informiert in einem Informationsblatt über die telemedizinische Fernnachsorge bei implantierten Herzgeräten. Dabei übermittelt ein Transmitter die erhobenen Daten in verschlüsselter Form an das zuständige Behandlungsteam.
Funktionsweise und Kostenübernahme
In der Praxis wird laut dem Verband zwischen zwei Formen der Fernnachsorge unterschieden. Zum einen gibt es die telemedizinische Funktionsanalyse, bei der Parameter wie der Batteriestatus, der Sitz der Elektroden sowie der Herzrhythmus überprüft werden.
Zum anderen existiert das Telemonitoring bei Herzschwäche. Liegt eine entsprechende medizinische Indikation vor, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die anfallenden Kosten, während private Krankenversicherungen diese ebenfalls oft tragen.
Auch in Krankenhäusern wird das Verfahren bereits im Regelbetrieb genutzt. Am Kepler Universitätsklinikum in Oberösterreich nutzen 1.500 Herzpatienten mit Herzschrittmachern oder implantierten Defibrillatoren die Telemedizin zur kontinuierlichen Überwachung zu Hause, anstatt den regulären jährlichen Kontrolltermin direkt im Klinikum wahrzunehmen, wie ein Bericht von Mitte September 2026 darlegt.
Ergänzend dazu unterstützt die im April 2026 am Universitätsklinikum Freiburg gestartete Initiative KONSENS die sichere Nachsorge nach einem Herzinfarkt. Über 100 Patientinnen und Patienten sind dort bereits angemeldet.
Über die digitale Plattform myoncare werden Blutdruck, Puls und Gewicht für Klinik, Rehabilitation und Praxis erfasst; das Angebot ist für Teilnehmende kostenlos. Den Anlass für die Kommunikation zu diesem Projekt bot der Welttag der Patientensicherheit.
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Regulatorische Diskussion und Versorgungssteuerung
Trotz technischer Fortschritte betonen Fachleute die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen. Auf einem Zi-Kongress wurde festgehalten, dass Telemedizin nur bei einer passenden regulatorischen Einbindung sinnvoll sei; hierfür brauche es eine verbindliche Patientensteuerung. Bei der KV Niedersachsen wurden bereits 100.000 Patienten über die Rufnummer 116117 gesteuert, davon 83 Prozent fallabschließend.
Die Einschätzungen zu den Effekten fallen differenziert aus: Während BÄK-Vizepräsident Lundershausen anmerkte, dass Telemedizin keine zusätzlichen ärztlichen Kapazitäten schaffe, hob TK-Vorstand Ballast hervor, dass sich die Methode zwar nicht für sämtliche Fälle eigne, jedoch einen klaren Zugewinn für die Versorgung im ländlichen Raum darstelle.
Vernetzung mit Notfallreform und kardiovaskulärer Prävention
In einer Stellungnahme zur Reform der Notfallversorgung fordert der BVMed darüber hinaus, Daten aus Implantaten, Hilfsmitteln und Sensortechnik künftig direkt in die medizinische Bedarfseinschätzung einfließen zu lassen. Zudem solle die Industrie frühzeitig in das Pflichtenheft des AED-Katasters eingebunden werden.
Positiv bewertet der Medizintechnikverband die geplante Aufnahme der Notfallrettung in das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), den Aufbau Integrierter Notfallzentren sowie die stärkere Einbindung automatisierter externer Defibrillatoren.
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Die Relevanz kardiovaskulärer Überwachung unterstreicht zudem das Medizintechnikunternehmen CVRx mit Blick auf den Weltherztag am 29.09.2026. Bluthochdruck bleibe ein zentraler Risikofaktor: In Deutschland leben über 20 Millionen Menschen mit zu hohem Blutdruck, was rund jedem dritten Erwachsenen entspricht.
Etwa jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung, und rund jeder Zehnte ist unbehandelt. Für fortgeschrittene Krankheitsbilder stehen spezialisierte Systeme bereit: Das Barostim-System zur Baroreflex-Aktivierungstherapie von CVRx ist in der Europäischen Union seit 2011 für therapierefraktäre Hypertonie und seit 2014 für Herzinsuffizienz zugelassen.
