Herzinfarkt: Magenbeschwerden können bei 15 Prozent auf ein Herzproblem hindeuten
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deKlassische Vorstellungen von einem Herzinfarkt sind meist von stechenden Schmerzen in der linken Brust geprägt. Medizinische Berichte und Fachanalysen weisen jedoch verstärkt darauf hin, dass eine erhebliche Zahl von Infarkten mit atypischen Symptomen einhergeht.
Insbesondere Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit oder Oberbauchdruck führen immer wieder dazu, dass lebensbedrohliche kardiovaskuläre Ereignisse verzögert oder zunächst gar nicht erkannt werden.
Tückische Verwechslung mit Magen-Darm-Erkrankungen
Dass Herzprobleme die Symptomatik einer gewöhnlichen Magenverstimmung imitieren können, zeigt ein dokumentierter Fall aus dem chinesischen Jinan. Dort stellte sich ein 40-jähriger Patient nach dem Verzehr von scharfem Essen mit anhaltenden Magenbeschwerden, Reflux, Engegefühl sowie Brust- und Drucksymptomen vor.
Ein erstes Elektrokardiogramm (EKG) blieb unauffällig. Erst am Folgetag führte eine erneute Untersuchung bei fortbestehenden Beschwerden zur Diagnose eines akuten Myokardinfarkts. Über das örtliche Chest-Pain-Zentrum konnte das betroffene Gefäß im Rahmen einer Notfallintervention geöffnet werden; der Mann überlebte den Eingriff und wurde später entlassen.
Klinikfachleute heben hervor, dass untypische Infarkte leicht als banale Gastritis verkannt werden. Laut einer Studie weisen rund 15 Prozent der Patientinnen und Patienten, die sich mit Verdauungsbeschwerden vorstellen, tatsächlich ein kardiovaskuläres Problem auf. Neben Völlegefühl und Oberbauchdruck zählen auch diffuse Schmerzen im Kiefer zu den trügerischen Anzeichen.
Nach Angaben der Kardiologin Ekaterina Paukova kann Kieferschmerz mitunter das einzige Symptom eines Infarkts darstellen. Typisch seien drückende oder brennende Schmerzen meist im Unterkiefer, die in Ruhe anhalten, bei Belastung zunehmen und weder auf Schmerzmittel noch auf zahnärztliche Behandlungen ansprechen.
Erhebliches Risiko bei Frauen, Älteren und Diabetikern
Atypische Verläufe treten nicht zufällig auf, sondern häufen sich bei bestimmten Personengruppen. Bei Betroffenen mit Diabetes, älteren Menschen sowie Frauen zeigen sich in der Hälfte der Fälle Symptome wie Druckgefühl, Übelkeit oder kalter Schweiß anstelle massiver Brustschmerzen.
Nach Einschätzung des Kardiologen Heribert Schunkert weist ein Drittel der Infarktpatienten keine typischen Symptome auf; bei Frauen unter 60 Jahren trifft dies sogar auf fast die Hälfte zu. Sie leiden stattdessen häufiger unter Kurzatmigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Rückenschmerzen oder Ziehen im Arm.
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Eine Analyse von 84 Krankengeschichten mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI) in der russischen Region Burjatien ergab, dass atypische Symptome bei Frauen mit 18 Prozent mehr als doppelt so häufig auftraten wie bei Männern mit 8 Prozent.
Zudem vergeht bei Frauen deutlich mehr Zeit vom Einsetzen der Beschwerden bis zur Hospitalisierung. Zahlen belegen, dass Frauen im Schnitt erst nach 108 Minuten den Notruf wählen, während Männer dies nach 80 Minuten tun. Dadurch erfolgen Revaskularisationen bei Patientinnen oft seltener oder verspätet.
Der Faktor Zeit entscheidet über das Überleben
In Deutschland ereignen sich nach Angaben der Deutschen Herzstiftung jährlich über 300.000 Herzinfarkte. Drei Viertel der Todesfälle treten zu Hause ein, ohne dass zuvor ein Arzt alarmiert wurde. Nach Einschätzung des Kardiologen Thomas Voigtländer kündigen sich bedrohliche Ereignisse meist schon Tage oder Wochen vorher an: Die Hälfte der Infarktpatienten erlebe im Vorfeld Episoden einer instabilen Angina pectoris.
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Da die irreversible Zerstörung von Myokardzellen bereits 20 bis 30 Minuten nach einem Gefäßverschluss einsetzt, gilt in der Notfallmedizin das Prinzip, dass jede gewonnene Minute Herzmuskelgewebe rettet. Europäische Leitlinien sehen eine Reperfusion innerhalb von maximal zwei Stunden vor.
Hält ein Druck- oder Engegefühl länger als fünf Minuten an, sollte umgehend der Rettungsdienst verständigt werden, anstatt abzuwarten oder auf Hausmittel zu vertrauen. Bei einer schnellen klinischen Versorgung liegt die Überlebenschance bei über 95 Prozent.
