Herzinfarkt-Diagnostik, Fachverbände

Herzinfarkt-Diagnostik: 36 Prozent sicher ausgeschlossen statt 14 Prozent

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachverbände raten bei neuen oder starken Herzsymptomen zur ärztlichen Prüfung, bevor ergänzende Ansätze erwogen werden.

Herzbeschwerden durch Stress: Warum medizinische Abklärung zuerst kommt
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum mit einer leeren Untersuchungsliege und neutraler, ruhiger Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Brustenge, Herzrasen, Atemnot, Rücken- oder Kieferschmerzen – Stress und seelische Belastung können sich in ganz realen körperlichen Beschwerden äußern. Zum Weltherztag hat der Verband der Osteopathen Deutschland darauf hingewiesen, dass solche Symptome zunächst immer medizinisch abgeklärt werden müssen, bevor an ergänzende Therapieansätze gedacht wird.

Osteopathie ersetze keine kardiologische oder hausärztliche Diagnostik, betont der Verband laut einem Bericht von presseportal.de vom 29. September 2026.

Erst der Ausschluss, dann die Ergänzung

Der Verband der Osteopathen Deutschland stellt klar, dass funktionelle Ursachen des Bewegungsapparats und osteopathische Behandlungsansätze erst dann als ergänzende Perspektive infrage kommen, wenn eine Herzerkrankung ausgeschlossen oder bereits behandelt wurde. Bei akuten, starken oder ungewohnten Beschwerden sei unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich.

Diese Einordnung fällt zeitlich mit dem Weltherztag zusammen, zu dem auch die Deutsche Herzstiftung unter dem Motto „Gib ACHT für ein starkes Herz" acht zentrale Einflussfaktoren auf die Herzgesundheit benennt: Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Gewicht, Rauchfreiheit, Ernährung, Schlaf und Bewegung.

Wenn seelischer Schmerz das Herz trifft

Wie eng psychische Belastung und körperliche Symptome zusammenhängen können, zeigt das sogenannte Broken-Heart- oder Takotsubo-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine vorübergehende Funktionsstörung meist der linken Herzkammer, die durch starke emotionale oder körperliche Belastung ausgelöst werden kann.

Die Symptome ähneln denen eines Herzinfarkts, weshalb dieser bei akuten Beschwerden zunächst medizinisch ausgeschlossen werden muss – die Diagnose erfolgt in der Regel per Herzkatheter, wobei typischerweise keine verschlossenen Herzkranzgefäße erkennbar sind. Rund 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen, überwiegend nach den Wechseljahren.

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Ein Zusammenhang mit sinkendem Östrogenspiegel wird vermutet, gilt aber nicht als alleinige belegte Ursache. Trotz meist günstiger Prognose gilt das Syndrom als Notfall, da anfangs Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder ein kardiogener Schock drohen können. Viele Betroffene erholen sich jedoch innerhalb von Tagen bis Wochen wieder vollständig.

Frauenherzen im Fokus

Auch die Initiative #GoRed Austria machte anlässlich des Weltherztags auf die besondere Situation von Frauen aufmerksam. Kardiologin Anna Rab wies darauf hin, dass in Österreich jährlich mehr als 16.000 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben.

Eine umfassende Risikoabklärung solle deshalb Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, familiäre Vorbelastung, Lebensstil und Schwangerschaftskomplikationen berücksichtigen; die Bestimmung von Lp(a) könne zusätzlich helfen, erblich bedingte Risiken zu erkennen.

Rab betonte zudem, dass sich Herzinfarkte bei Frauen häufig untypisch äußern – etwa durch Müdigkeit, Atemnot, Übelkeit, Schwindel oder Schmerzen im Rücken, Kiefer oder Oberbauch. Bei akuten Warnzeichen gelte in jedem Fall: sofort den Notruf wählen.

Diagnostik als Schlüssel

Die Notwendigkeit einer verlässlichen Abklärung akuter Brustschmerzen unterstreicht auch ein am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf entwickeltes Verfahren namens ACS Pathfinder, das als Medizinprodukt der Klasse IIb CE-zertifiziert ist.

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Der Algorithmus kombiniert Troponinwerte mit klinischen Angaben und wurde anhand von Daten von mehr als 27.000 Patientinnen und Patienten aus neun Ländern entwickelt und validiert. Nach einer einzigen Troponinmessung konnte ein Herzinfarkt damit im Mittel bei 36 Prozent der Fälle sicher ausgeschlossen werden, gegenüber 14 Prozent beim Vergleichsverfahren.

Eine vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung finanzierte Studie namens CHASE-MI-DZHK33 soll das Verfahren ab Ende 2026 an sechs Zentren mit 658 Verdachtsfällen randomisiert überprüfen.

Die zentrale Botschaft bleibt

Ob Brustschmerz, Atemnot oder Herzstolpern durch akute Belastung, Trauer oder chronischen Stress ausgelöst werden – die übereinstimmende Empfehlung von Fachverbänden und Kardiologinnen lautet: Bei neuen, ungewohnten oder starken Symptomen steht die medizinische Abklärung an erster Stelle.

Erst wenn ernsthafte Herzerkrankungen ausgeschlossen sind, lassen sich funktionelle oder stressbedingte Ursachen sinnvoll einordnen und gegebenenfalls ergänzend behandeln.

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