Herzinfarkt, Frauen

Herzinfarkt bei Frauen: Vier von zehn spüren keinen typischen Brustschmerz

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 23:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fehlende Brustschmerzen und unspezifische Beschwerden erschweren bei Frauen die rasche Erkennung; Prävention kann viele Infarkte verhindern.
Eine Frau mittleren Alters mit schmerzhaftem Ausdruck und Hand auf der Brust in einem hellen Büro. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachleute weisen verstärkt darauf hin, dass Frauen bei einem Herzinfarkt häufig andere Beschwerden aufweisen als Männer. Da die Anzeichen oft nicht dem klassischen Bild eines akuten Infarkts entsprechen, kommt es bei weiblichen Betroffenen immer wieder zu einer folgenschweren Verzögerung von Diagnose und Notfallbehandlung.

Hohe Sterblichkeit und uncharakteristische Beschwerdebilder

In Deutschland erleiden laut der Deutschen Herzstiftung jährlich über 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Zudem sterben hierzulande jedes Jahr rund 179.000 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Vergleich dazu forderte Brustkrebs jährlich rund 18.500 Todesopfer, womit fast zehnmal so viele Frauen an kardiovaskulären Leiden sterben.

Berichten zufolge versterben in Deutschland 14 von 100 Frauen nach einem schweren Herzinfarkt, während es bei Männern 10 von 100 sind. Laut dem NDR erliegen 43 Prozent der Frauen und 37 Prozent der Männer einem Herzinfarkt. Drei Viertel aller Todesfälle nach einem Infarkt ereignen sich zu Hause, ohne dass ein Arzt alarmiert wurde.

Ein wesentlicher Grund für diese Zahlen liegt im Erkennen der Alarmsignale: Vier von zehn Frauen spüren bei einem Herzinfarkt keinen typischen Brustschmerz. Eine US-Auswertung von über einer Million Herzinfarkten ergab, dass 42 Prozent der Patientinnen keine Schmerzen in der Brust aufwiesen.

In einer Untersuchung aus Zürich zeigte sich zudem, dass Frauen im Durchschnitt 37 Minuten später Hilfe riefen als Männer. Auch die British Heart Foundation stellte fest, dass jüngere Frauen im ersten Jahr nach einem Infarkt ein doppelt so hohes Sterberisiko haben wie gleichaltrige Männer, was auf ignorierte oder verspätet behandelte Anzeichen zurückgeführt wird.

Vielfältige Warnsignale und diagnostische Hürden

Während das Deutsche Rote Kreuz als typische Anzeichen starke Schmerzen hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in den linken Arm, die Schulter oder den Oberbauch sowie blass-graue Gesichtsfarbe und Todesangst anführt, gestalten sich die Symptome bei Frauen oft unspezifischer.

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Laut der Deutschen Herzstiftung treten bei Frauen vermehrt Kurzatmigkeit, Schweißausbrüche, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, ein Ziehen in den Armen sowie eine unerklärliche Müdigkeit auf. Schmerzen können zudem in den Rachen, den Kiefer oder die Zähne ausstrahlen.

Kardiologe Dr. Dominik Scharpf vom Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn erläuterte bei einer Informationsveranstaltung, dass sich bei Frauen, älteren Personen und Menschen mit Diabetes vor allem Übelkeit, Schwindel und Erschöpfung anstelle des klassischen Druckgefühls zeigen können. Bei entsprechendem Verdacht müsse umgehend der Notruf 112 gewählt werden.

Häufig werden solche Symptome jedoch fehlgedeutet: Beschwerden im Oberbauch gelten mitunter fälschlicherweise als Magen-Darm-Probleme oder Reflux, während Atembeschwerden als Angstzustände eingestuft werden. So ergab ein belgischer Fachbeitrag, dass bei Brustschmerzen von Männern rasch an einen Myokardinfarkt gedacht werde, bei Frauen hingegen oft an Stress.

Unterrepräsentation in Studien und Prävention

Die Problematik einer verspäteten Abklärung reicht über die Akutphase hinaus. Bei anfallsartigem Herzrasen erhält jeder zweite Betroffene zunächst eine falsche Diagnose; Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer, und im Schnitt vergehen rund drei Jahre bis zum korrekten Befund. Hinzu kommt, dass in kardiologischen Studien nur gut ein Drittel der Teilnehmenden Frauen sind.

Die Herzchirurgin und Gendermedizinerin Sandra Eifert vom Herzzentrum Leipzig betont, dass das Herz von Frauen unter Belastung untersucht werden sollte, etwa auf dem Ergometer oder unter Gabe von Medikamenten, da ein Ruhe-Elektrokardiogramm unauffällig bleiben kann. Juristen im Medizinrecht weisen zudem darauf hin, dass das Ausbleiben einer Überweisung an die passende Fachdisziplin bei relevanten Symptomen einen Befunderhebungsfehler darstellt.

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Präventive Maßnahmen bieten enormes Potenzial: Über 90 Prozent der Herzinfarkte sind auf beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen, bei Frauen liegt dieser Anteil bei 94 Prozent. Fachmediziner heben hervor, dass eine konsequente Blutdruckkontrolle über die gesamte Lebensspanne eine zentrale Schutzmaßnahme darstellt.

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