Herzgesundheit, VOmax

Herzgesundheit: VO?max senkt Sterberisiko um 53 Prozent

27.05.2026 - 11:09:34 | boerse-global.de

Wissenschaftler setzen auf biologische Messwerte wie VO?max und Augenscans, um Gesundheitsrisiken präziser vorherzusagen.

Herzgesundheit: VO?max senkt Sterberisiko um 53 Prozent - Foto: über boerse-global.de
Herzgesundheit: VO?max senkt Sterberisiko um 53 Prozent - Foto: über boerse-global.de

Wissenschaftler rücken von der reinen Lebenszeit ab – und setzen auf biologische Messwerte, die Gesundheit präziser vorhersagen.

Die Longevity-Forschung erlebt einen Paradigmenwechsel. Statt allein auf das Geburtsdatum zu schauen, identifizieren Wissenschaftler immer genauere biologische Indikatoren für Gesundheit und Lebensspanne. Gleich mehrere Neuentwicklungen der vergangenen Tage rücken diese Messgrößen ins öffentliche Bewusstsein: Am 24. Mai 2026 stellte die Universität Hongkong ein KI-gestütztes Tool zur Herz-Kreislauf-Risikobewertung vor, und am 26. Mai startete eine vielbeachtete deutsche TV-Serie zum Thema Langlebigkeit.

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Die entscheidende Kennzahl: Wie fit ist Ihr Herz-Kreislauf-System?

Im Zentrum der neuen Forschung steht die kardiorespiratorische Fitness, gemessen an der Sauerstoffaufnahmefähigkeit (VO?max). Eine grundlegende Studie im British Journal of Sports Medicine mit 20,9 Millionen Probanden zeigt: Dieser Wert sagt das Sterberisiko genauer voraus als das biologische Alter.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Ein hoher VO?max-Wert kann das Sterberisiko um bis zu 53 Prozent senken. Für jede Steigerung des Fitnessniveaus sinkt die Gesamtsterblichkeit um 11 bis 17 Prozent. Besonders bemerkenswert: Die größten gesundheitlichen Gewinne erzielen Menschen, die sich von einem niedrigen auf ein mittleres Fitnessniveau verbessern. Schon moderate Bewegung hat also eine enorme Wirkung.

Die Bedeutung körperlicher Aktivität untermauert auch die NutriNet-Santé-Studie mit 112.000 Teilnehmern: Wer 560 bis 610 Minuten pro Woche aktiv ist, senkt sein Herzinfarktrisiko um mehr als 30 Prozent.

KI und Augenscans: Frühwarnsysteme für die Gesundheit

Am 24. Mai 2026 präsentierte die University of Hong Kong (HKUMed) den CardiOmicScore – ein KI-Werkzeug, das 2.920 Blutproteine und 168 Stoffwechselprodukte analysiert. Das System kann das Risiko für sechs verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen, darunter Schlaganfall und Herzinsuffizienz, bis zu 15 Jahre vor Symptombeginn vorhersagen.

Noch futuristischer klingt eine Entwicklung aus Wien: Thyra Imaging, ein Spin-off der Medizinischen Universität Wien, hat einen Zwei-Sekunden-Augenscan entwickelt. Mittels adaptiver Optik und KI erkennt die Technologie Zellveränderungen auf der Netzhaut, die auf Demenz hindeuten. Forscher betonen, dass Alzheimer bis zu 20 Jahre vor Symptombeginn beginnt. Angesichts der Prognose, dass die Zahl der Demenzkranken in Österreich von 170.000 auf 300.000 bis 2050 steigen wird, gelten solche Früherkennungstools als entscheidend.

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Auch andere nicht-invasive Verfahren zeigen hohe Treffsicherheit. Eine Studie im JAMA Ophthalmology mit über 10.000 Teilnehmern belegt: Netzhautscans mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) können Osteoporose mit 86 Prozent Genauigkeit vorhersagen. Und chinesische Forscher entwickelten einen Handheld-Diagnosechip, der Lungenkrebs über extrazelluläre Vesikel im Blut mit 95 Prozent Genauigkeit erkennt – eine deutliche Verbesserung gegenüber den 75 Prozent konventioneller Tests.

Das biologische Alter: Wenn der Körper älter tickt als der Kalender

Das Konzept des biologischen Alters – wie alt die Systeme eines Organismus tatsächlich sind – rückt immer stärker in den Fokus. Eine 2026 veröffentlichte Studie des Sheba Medical Center mit 2.597 Teilnehmern über 9,2 Jahre zeigt: Jedes Jahr, das das biologische Alter das chronologische übersteigt, erhöht das Sterberisiko um 15 Prozent und die Krankenhausaufenthaltsrate um 6 Prozent. Personen, deren biologisches Alter drei oder mehr Jahre über ihrem tatsächlichen Alter lag, wiesen eine deutlich erhöhte Sterblichkeit auf.

Auf zellulärer Ebene entdeckte das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena 2026, dass die Gesundheit der Mitochondrien eine Schlüsselrolle spielt. Ein Rückgang von Phosphatidylcholin führt dazu, dass die Mitochondrienmembranen an Flexibilität verlieren. In Laborversuchen mit Fadenwürmern stabilisierte die Gabe von Cholin oder Phosphatidylcholin diese Membranen innerhalb von zwei Tagen. Daten der UK Biobank untermauern dies: Diabetiker und Frauen nach den Wechseljahren haben niedrigere Phosphatidylcholin-Werte.

Der Schlaf als Goldlöckchen-Zone

Auch beim Schlaf kommt es auf das richtige Maß an. Eine 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie der Columbia University analysierte rund 500.000 Teilnehmer der UK Biobank. Das Ergebnis: Die optimale Schlafdauer für gesundes Altern liegt zwischen 6,4 und 7,8 Stunden. Wer weniger als sechs oder mehr als acht Stunden schläft, beschleunigt die biologische Alterung nahezu aller wichtigen Organe – Gehirn, Herz und Leber eingeschlossen.

Doch nicht alle Longevity-Interventionen vertragen sich. Eine randomisierte Studie aus Neuseeland, 2026 im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle veröffentlicht, fand heraus: Das Medikament Rapamycin (Sirolimus) könnte die positiven Effekte von Bewegung bei älteren Erwachsenen sogar dämpfen. Teilnehmer, die das Mittel während des Trainings einnahmen, zeigten weniger Muskelanpassungen als eine Placegruppe.

Vom Lebensalter zur Lebensqualität

Die aktuelle Forschungswelle markiert einen Übergang: Weg von der bloßen Verlängerung der Lebensspanne, hin zur Verbesserung der Gesundheitsspanne – jener Phase, die in guter Gesundheit verbracht wird. Die Statistik Austria stellte fest, dass die Lebenserwartung pandemiebedingt rechnerisch um ein halbes Jahr sank. Demografen wie Marc Luy von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften argumentieren jedoch, dass diese Zahlen die persönliche Lebenserwartung nicht korrekt abbilden, da sie künftige medizinische Fortschritte nicht berücksichtigen.

Auch die Psyche spielt eine messbare Rolle. Eine Yale-Studie vom März 2026 mit über 11.000 älteren Erwachsenen über 12 Jahre ergab: 45 Prozent der Teilnehmer zeigten im Alter tatsächlich kognitive oder körperliche Verbesserungen. Die Forscher beobachteten, dass Menschen mit positiven Selbstwahrnehmungen des Alterns diese Verbesserungen häufiger erlebten. Die Einstellung ist also ein messbarer Faktor im Alterungsprozess.

Ausblick: Was wirklich zählt

Während Diagnosetools wie der CardiOmicScore und Netzhautscans immer zugänglicher werden und die Echtzeit-Überwachung des biologischen Alters ermöglichen, bleibt der Fokus vorerst auf bewährten Lebensstilfaktoren. Die Entschlüsselung des Genoms der „Unsterblichen Qualle“ (Turritopsis dohrnii) durch Forscher der Universität Oviedo hat bereits 17.500 Gene und mehrere Genkopien identifiziert, die für DNA-Reparatur und Telomererhalt verantwortlich sind – eine Blaupause für die zukünftige Forschung zur zellulären Reprogrammierung.

Trends wie Anti-Aging-Peptide (darunter BPC-157 oder Wachstumshormon-Stimulanzien) gewinnen zwar an Popularität, bewegen sich in der EU jedoch in einer rechtlichen Grauzone und entbehren ausreichender Langzeitdaten am Menschen. Der wissenschaftliche Konsens bleibt klar: Bewegung, ein ausgewogener Schlaf zwischen 6,4 und 7,8 Stunden sowie soziale Kontakte sind die verlässlichsten Methoden, um die kardiorespiratorische Fitness zu erhalten und ein gesundes langes Leben zu führen.

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