Herzgesundheit: Nächtliches Licht erhöht Herzinfarkt-Risiko um 24%
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 20:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich zunehmend mit den Auswirkungen von Umweltfaktoren auf das kardiovaskuläre System. Eine im Fachmagazin European Heart Journal veröffentlichte Studie unter der Leitung von Prof. Lu Qi von der Tulane University liefert in diesem Zusammenhang neue Erkenntnisse darüber, wie bereits geringe Mengen an künstlichem Licht während der Nachtruhe die Struktur und Funktion des menschlichen Herzens beeinflussen können.
Strukturelle Veränderungen des Herzmuskels durch Lichteinwirkung
Die Forschungsarbeit verdeutlicht, dass eine nächtliche Lichtexposition von mehr als 3 Lux im Vergleich zu nahezu vollständiger Dunkelheit mit messbaren anatomischen Veränderungen am Herzen korreliert.
Bei Personen, die der höchsten Lichtbelastung ausgesetzt waren, stellten die Wissenschaftler eine um 2,4 % erhöhte Masse der linken Herzkammer sowie eine um 1,5 % gesteigerte Wanddicke fest. Parallel dazu sank die myokardiale Kontraktionsfraktion, ein Maß für die Pumpkraft des Herzens, um 1,9 %.
Die Datenbasis dieser Analyse bildeten 11.071 Teilnehmer der UK-Biobank, die zu Beginn der Erhebung als herzgesund galten und ein Durchschnittsalter von 61 Jahren aufwiesen. Die Lichtintensität wurde über einen Zeitraum von sieben Tagen mittels spezieller Armbänder erfasst. Nach rund drei Jahren erfolgte eine kardiologische Untersuchung per Magnetresonanztomographie (MRT), um die Langzeitfolgen der Lichtexposition auf das Herzgewebe zu bewerten.
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Statistische Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen
Über die strukturellen Veränderungen hinaus liefert die Auswertung von Daten von rund 73.000 Menschen über einen Beobachtungszeitraum von acht bis zehn Jahren deutliche Hinweise auf erhöhte Krankheitsrisiken.
Den Analysen zufolge stieg bei regelmäßiger nächtlicher Lichteinwirkung die Wahrscheinlichkeit für eine Herzschwäche um 29 % und für Vorhofflimmern um 15 %. Zudem wurde eine Zunahme von Herzinfarkten um 24 % sowie von Schlaganfällen um 33 % beobachtet. Das Risiko eines kardiovaskulär bedingten Todes erhöhte sich in der untersuchten Gruppe um 26 %.
Die Forscher stellten fest, dass die ungesunden Veränderungen an insgesamt drei Herzkammern sowie eine erhöhte Steifheit beim Herzschlag als klinische Frühwarnzeichen für beginnende Herzkrankheiten gewertet werden können. Eine nächtliche Lichtexposition, selbst bei dem niedrigen Schwellenwert von 3 Lux, könne somit eine Prädisposition für schwerwiegende Erkrankungen wie Herzinsuffizienz schaffen.
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Einflussfaktoren und Prävention im Alltag
Ein wesentlicher Teil des beobachteten Effekts lässt sich auf die Qualität des Schlafes zurückführen. Den Studienergebnissen zufolge können zwischen 24 % und 49 % der negativen Auswirkungen auf das Herz durch eine verkürzte Schlafdauer erklärt werden, die durch die Lichtstörung hervorgerufen wird.
Fachleute betonen daher, dass Dunkelheit während der Nachtruhe für die Gesundheit eine ähnlich zentrale Rolle spiele wie die Kontrolle des Blutdrucks oder die Qualität der Atemluft.
Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz forderte in diesem Zusammenhang, Dunkelheit als ein medizinisches Vitalzeichen zu behandeln. Obwohl es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keine strikte Kausalität belegen kann, leiten die Autoren konkrete Empfehlungen für die Praxis ab.
Um die Belastung zu minimieren, wird der Einsatz von Verdunkelungsrollos oder schweren Vorhängen sowie die Verwendung von Schlafmasken empfohlen. Im Innenraum sollte auf warmfarbiges Licht gesetzt werden; zudem sei es ratsam, Standby-LEDs von technischen Geräten abzudecken, um eine möglichst dunkle Schlafumgebung sicherzustellen.
